Chile

03. März 2011 10:08; Akt: 03.03.2011 10:23 Print

Betreiber war schuld am Minenunglück

69 Tage mussten die verschütteten Kumpel in Chile unter der Erde ausharren. Nun scheint die Schuldfrage geklärt.

Bildstrecke im Grossformat »
Edison Peña beendete am 7. November 2010 erfolgreich den New York Marathon. Mit fünf Stunden, 40 Minuten und 51 Sekunden unterbot Peña sogar sein selbstgestecktes Ziel, die 42,2 Kilometer lange Strecke in etwa sechs Stunden zu laufen. Die Ziellinie überquerte der 34-Jährige in eine chilenische Flagge gehüllt. Peña hatte das Rennen kurzzeitig unterbrechen müssen, um seine geschwollenen Knie mit Eisbeuteln versorgen zu lassen. Noch vor drei Wochen war der Bergarbeiter in der Mine in der Atacama-Wüste verschüttet. Nach seiner Rettung erzählte er in einem Interview, welchen Frust er verspürte, eingeschlossen zu sein. Der Elektriker hatte sich in den Kopf gesetzt, «den Berg zu besiegen». So besessen war er, dass sich die Ärzte und Psychologen ernsthafte Sorgen um sein psychisches Wohlbefinden machten. Peña rannte zunächst mit einer Stirnlampe durch den Stollen. «Aber die ging manchmal aus und ich stand im Dunkeln. Das ist das Schlimmste für mich», erzählt er. Mit den Wochen nahm Peñas Obsession zu und er schleppte sogar schwere Karren mit sich durch die schwarzen Gänge. Seine Freundin und das Rettungsteam schickten ihn durch den Versorgungsschacht ein Paar Turnschuhe und einen Fotoapparat, ... ... damit Peña die beängstigende Schwärze dokumentieren konnte. Die anderen Männer machten sich immer wieder auf, die Mine zu erkunden und einen Ausgang zu suchen. «Es war aussichtslos. Irgendwann stand man wieder vor einer Wand aus Fels.» Edison Peña fotografierte sich mit einigen seiner Kollegen. Aber nicht mit allen. Einige, wie zum Beispiel der kamerageile Mario Sepúlveda, ärgerten ihn. Peña glaubte in seiner Verzweiflung, der Berg halte ihn gefangen. Er habe gehört, wie der knisternde Fels zu ihm sagte: «Du wirst sterben, du wirst langsam sterben, und du wirst nichts dagegen tun können.» Auch Kumpel Victor Segovia berichtet Einzelheiten des Martyriums unter Tage: «Immer wieder hat irgendeiner geweint. Auch ich.»

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Hauptverantwortung für das Unglück in einer Mine im chilenischen San José, aus der vor Weihnachten 33 Kumpel nach mehreren Wochen gerettet worden sind, trägt der Betreiber. Zu diesem Schluss kommt eine chilenische Untersuchungskommission.

Es gebe eine «klare Verantwortung der Arbeitgeber und Manager» der Mine, die eine «würdige und sichere» Arbeit garantieren müssten, erklärte Bergbauminister Laurence Golborne am Mittwoch (Ortszeit) in Santiago de Chile. Er berief sich dabeu auf den noch nicht veröffentlichten Bericht einer parlamentarischen Untersuchungskommission.

Demnach wird aber auch die nationale Behörde für Geologie und Bergbau wegen mangelnder Kontrollen und Sanktionen mitverantwortlich gemacht. Die Behörde müsse daher reformiert und verstärkt werden, sagte Golborne laut Medienberichten.

In der Mine San José in der chilenischen Atacama-Wüste waren 33 Bergleute 69 Tage lang eingeschlossen gewesen. Mitte Oktober konnten sie in einer spektakulären Aktion aus rund 700 Metern Tiefe gerettet worden.

(sda)