Tragödie im Mittelmeer

15. April 2015 01:50; Akt: 20.04.2015 14:41 Print

Bis zu 400 libysche Flüchtlinge ertrunken

Bei der Havarie eines Flüchtlingsboots vor der libyschen Küste sind womöglich rund 400 Menschen ertrunken. Es wäre eine der schlimmsten Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Im Mittelmeer ist es womöglich zu einer Flüchtlingskatastrophe mit bis zu 400 Toten gekommen. Das teilte die Hilfsorganisation Save The Children am Dienstag unter Berufung auf Überlebende mit, die in der süditalienischen Stadt Reggio Calabria eintrafen. Zuvor hatte die italienische Küstenwache angesichts der Grösse des Boots hohe Opferzahlen befürchtet. Dieser Einschätzung schloss sich auch das UN-Flüchtlingshilfswerk an.

Die Küstenwache hatte am Montag 144 Flüchtlinge aus dem Boot retten können, das vor der Küste Libyens gekentert war. Sofort wurde ein gross angelegter Sucheinsatz gestartet. Es wurden neun Leichen geborgen.

Eine der schlimmsten Flüchtlingskatastrophen

Sollte sich die Zahl der befürchteten Todesopfer bestätigen, wäre es eine der schlimmsten Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer. Allein im vergangenen Jahr sollen laut der Internationalen Organisation für Migration IOMdort bis zu 3072 Menschen umgekommen sein. 2013 waren es Schätzungen zufolge 700. Doch könnten die Zahlen noch zu niedrig sein, erklärte IOM. Demnach haben seit dem Jahr 2000 schätzungsweise mehr als 22'000 Flüchtlinge bei dem Versuch, Europa zu erreichen, ihr Leben verloren.

Seit dem vergangenen Jahr sind mehr als 280'000 Menschen - zumeist aus Syrien, Eritrea und Somalia - illegal in die Europäische Union gekommen. Viele wählen den lebensgefährlichen Seeweg über Libyen, ein Land, das inzwischen selbst in einer Spirale aus Gewalt und Chaos versunken ist.

7000 Flüchtlinge seit Freitag gerettet

Seit Freitag seien mehr als 7000 Flüchtlinge vor der italienischen Mittelmeerküste aus zumeist seeuntüchtigen Booten gerettet worden, sagte EU-Migrationssprecherin Natasha Bertaud. Mehr als die Hälfte der Menschen sei noch an Bord der Rettungsschiffe und auf dem Weg nach Italien. «Bis jetzt wurden elf Leichen geborgen», fügte sie hinzu.

In Brüssel rief EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopolous die Europaabgeordneten auf, sich rasch auf die wachsende Zahl von Flüchtlingen einzustellen. «Der noch nie dagewesene Zustrom von Migranten – vor allem Flüchtlingen – an unseren Grenzen ist leider die neue Norm und wir werden entsprechend darauf reagieren müssen.» Avramopolous will in den kommenden Wochen eine neue EU-Strategie zum Umgang mit der Flüchtlingswelle vorlegen.

(sda)