Vor der Küste Louisianas

23. April 2010 12:51; Akt: 23.04.2010 17:34 Print

Bohrinsel gesunken - Öl strömt ins Meer

Im Golf von Mexiko droht eine Ölkatastrophe: Zwei Tage, nachdem eine brennende Bohrinsel des Schweizer Unternehmens Transocean explodiert ist, fliesst Öl ins Meer.

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Borschiffe (im Hintergrund) bei der Arbeit fürs Ölleck im Golf von Mexiko (10. Julli 2010). Im Vordergrund eine Ölplattform, die überschüssiges Gas abfackelt. Die neue Auffangglocke während der Tests am 17. Juli 2010. Aufnahme vom 16. Juli. Aufnahme vom 15. Juli. Kurz nach Beginn der Tests mit dem neuen Zylinder meldet der Erdölkonzern BP, dass kein Öl mehr aus dem Leck im Golf von Mexiko austrete. (15.7.2010) Der Testlauf eines zum Ölabsauger umgebauten Riesentankers (A Whale) ist vorerst ergebnislos verlaufen. (5.7.2010) Ein Roboter versucht, einen Behälter über dem Leck in 1500 Meter Tiefe zu platzieren, um ... ... das Öl danach kontrolliert abzuleiten. Das Öl fliesst pausenlos. Bewohner der Gemeinde Grand Isle in Louisiana machen ihrem Unmut über BP Luft. Am 25. Mai fand in Jackson (Mississippi) eine Trauerfeier für die elf Arbeiter statt, die bei der Explosion der «Deepwater Horizon» ums Leben gekommen waren. Von der Transocean-Bohrinsel «Development Driller III» aus wird die Entlastungsbohrung vorgenommen. Zwei Crevetten-Fischerboote ziehen eine Ölsperre. Im Hintergrund wird Öl kontrolliert abgefackelt. Die Nationalgarde Louisianas baut einen Damm, um Teile der flachen Küste vor dem Öl zu schützen. Hier sprudelt das Öl. Dies sind die ersten Aufnahmen des Öllecks. Der Ölteppich breitet sich weiter aus: Am 9. Mai gelangten erste Teerklumpen an die Küste Alabamas. Der Versuch, eines der Bohrlöcher mit einer Stahlbetonglocke zu stopfen, scheiterte. In der riesigen Konstruktion bildeten sich Eiskristalle aus Gas und Wasser, die die Öffnungen verstopfen, durch die das Öl kontrolliert abgepumpt werden sollte. Eine Bohrinsel im ölverschmutzten Wasser. Ölverschmutzung aus der Nähe. Crevetten-Fischerboote schleppen eine Ölsperre aufs Meer hinaus. Die US-Regierung hat aufgrund der Ölverschmutzung ein Fischfangverbot verhängt und die Garnelen-Saison vorzeitig beendet. Noch ist kein Notstand für die Krebstiere ausgebrochen. Viele Fischer sind aber in ihrer Existenz bedroht. Sollte es den Einsatzkräften nicht gelingen, das Öl von der Küste fernzuhalten, dürften die Helfer an der Küste noch mehr Opfer zu beklagen haben. Die Aufnahme des Satelliten Eumetsat vom 29. April zeigt den Ölteppich, wie er auf das Mississippi-Delta zutreibt. Der Ölteppich bedroht das hochsensible Sumpfgebiet im Mississippi-Delta. Sollte das Öl das Sumpfgebiet erreichen, wäre es das Ende des Ökosystems vor Ort. Anders als von Steinküsten können die Ölverschmutzungen nicht so leicht abgetragen und gesäubert werden. Zudem könnten die Wasserarme des Deltas das Öl weiter ins Innere tragen und damit die gesamte Pflanzen- und Tierwelt gefährden. Mit schwimmenden Barrieren versuchen die Rettungskräfte, den Ölteppich aufzuhalten. Durch kontrolliertes Abfackeln versuchen die Behörden, eine noch grössere Katastrophe zu verhindern. Die Methode ist jedoch umstritten. Experten befürchten, dass täglich gegen eine Million Liter Rohöl in den Golf gelangen könnten. Das Öl stammt aus einem Bohrloch unterhalb der gesunkenen Plattform Deepwater Horizon. Die Deepwater Horizon war am 21. April 2010 in Brand geraten. Am 22. April 2010 sank die Plattform. 115 der 126 Arbeiter auf der Plattform konnten in Sicherheit gebracht werden, drei davon schwer verletzt. Elf Menschen kamen ums Leben. Die 121 Meter lange und 78 Meter breite Plattform befand sich rund 70 Kilometer vor Louisianas Küste. Die Ölplattform Deepwater Horizon gehörte dem Schweizer Unternehmen Transocean und war vom britischen Konzern BP geleast. Die Firma verfügt über rund 140 bewegliche Bohranlagen und die grösste Flotte in der Branche. Ursprünglich eine US-Firma, hat das Unternehmen seinen Sitz seit 2008 in Zug.

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Im Golf von Mexiko droht eine Ölkatastrophe: Zwei Tage nach einer schweren Explosion ist die brennende Bohrinsel des Schweizer Unternehmens Transocean vor der US- Küste gesunken. Experten sprechen vom schwersten Unfall dieser Art seit drei Jahrzehnten.

Transocean bestätigte das Unglück am Donnerstagabend. Der Grund für das Feuer sei nach wie vor unbekannt. Es brach ausgerechnet am «Tag der Erde» aus. Nach der Explosion brannte die Plattform zwei Tage lang wie eine riesige Fackel, über hundert Meter stachen die Flammen in den Himmel. Alle Löschversuche scheiterten.

Dann versank die Plattform «Deepwater Horizon», auf der über 120 Männer rund um die Uhr gearbeitet hatten, in den blauen Fluten des Golfs von Mexiko. Für elf vermisste Arbeiter des Ölkonzerns British Patrol BP besteht kaum noch Hoffnung. Und wenn aus dem Bohrloch in über 1500 Meter Tiefe weiter Öl sprudelt, droht auch eine Katastrophe für den Golf von Mexiko.

Am Freitag war das ganze Ausmass des Schadens noch nicht abzuschätzen. Zwar sagte eine Sprecherin der US-Küstenwache: «Im Augenblick kommt kein Rohöl aus dem Bohrkopf.»

Ölteppich ausgebreitet

Doch allein bisher habe sich ein langer Ölteppich ausgebreitet, der eine Fläche von 8 mal 1,5 Kilometer bedeckt. Die Gefahr einer schweren Ölverschmutzung sei nicht gebannt.

Noch am Donnerstagabend hatte der TV-Sender MSNBC gemeldet, es bestehe das Risiko, dass täglich rund 330 000 Gallonen Öl ins Wasser gespült würden, das sind etwa 1,2 Millionen Liter pro Tag.

Hinzu kommen mehr als 2,5 Millionen Liter (2100 Tonnen) Rohöl, die aus der Plattform selbst in den Golf gelangen könnten. Zum Vergleich: Bei der schweren Katastrophe des Tankers «Exxon Valdez» im März 1989 vor der Küste Alaskas flossen 42 000 Tonnen aus.

Doch das eigentliche Horrorszenario wäre, wenn ein solcher Ölteppich im Golf von Mexiko die rund 80 Kilometer entfernte Küste von Louisiana erreichen würde. Schon warnen Umweltschützer, die Brutstätten für Vögel seien gefährdet, ebenfalls Garnelenkulturen.

Es sei eine massive Räumungs- und Säuberungsaktion in Gang gesetzt worden, damit das Öl nicht an die Küste der Bundesstaaten Louisiana, Alabama und Mississippi gelange, hiess es weiter.

Hilfe aus dem Weissen Haus

US-Präsident Barack Obama kündigte an, alles zu tun, um eine mögliche Umweltkatastrophe abzuwenden. In einer Erklärung des Weissen Hauses hiess es, Obama habe «jede erforderliche Hilfe» der Bundesregierung für die Rettungs- und Katastrophenschutzmassnahmen zugesagt.

Transocean verfügt über rund 140 bewegliche Bohranlagen und die grösste Flotte in der Branche. Die ursprüngliche US-Firma hat seit 2008 ihren Sitz im Kanton Zug. Seit Dienstag ist sie an der Schweizer Börse SIX kotiert, ihre Aktien werden zudem weiterhin an der New Yorker Börse NYSE gehandelt.

Die Plattform «Deepwater Horizon» wurde im Jahr 2001 gebaut. Analysten zufolge würde ein Wiederaufbau rund 600 Millionen Dollar kosten, schreibt das «Wall Street Journal». Der Ölkonzern BP sei zudem kurz davor gewesen, einen grossen Ölfund an der Stelle der Plattform bekanntzugeben.

Das Unglück ereignete sich rund drei Wochen nachdem US-Präsident Barack Obama angekündigt hatte, Öl- und Gasbohrungen vor der US- Atlantikküste zuzulassen. Seine Pläne stossen insbesondere bei Umweltschützern auf Widerstand.

(sda)