Skandal in Salzburg

07. April 2019 15:31; Akt: 08.04.2019 01:27 Print

Bräutigam wird kurz vor der Trauung abgeschoben

Nur drei Minuten fehlten bis zum Ja-Wort. Da crashte die Polizei in Salzburg die Hochzeit einer Österreicherin mit ihrem Freund aus Gambia.

In Salzburg hat das Vorgehen der Polizei für Empörung gesorgt. Ein Bräutigam wird kurz vor der Trauung von der Polizei abgeführt. (Video: VIZZR)
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Ein Video aus Salzburg zeigt unfassbare Szenen aus dem Salzburger Schloss Mirabell. Dort hätte am Freitag eine Traumhochzeit zwischen der österreichischen Braut Susanne B. und dem 32-jährigen Bräutigam aus Gambia stattfinden sollen. Doch der Tag wurde für beide zum Albtraum: Nur wenige Minuten vor der Hochzeit kam die Polizei und holte den Mann am, um ihn abzuschieben.

«Bitte lasst uns heiraten, bitte! Ich habe zwei Kinder», fleht die weinende Braut im Hochzeitskleid. Im Gang vor dem Marmorsaal im Schloss stehen Menschen dicht aneinander, diskutieren und gestikulieren heftig, während Polizeibeamte versuchen, eine Festnahmeanordnung des Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) vollzuziehen.

Es hilft kein Betteln und kein Flehen: Die Polizisten nehmen schliesslich den Gambier drei Minuten vor dem Ja-Wort fest.

Familie will den Fall viral machen

Auf Facebook versuchten Verwandte, Bekannte und Freunde der Braut, noch etwas an der Lage zu ändern. Über das Netzwerk wurde ein Anwalt für den Gambier gesucht, während der Bräutigam in ein Anhaltezentrum gebracht wurde. Der Anwalt wurde schliesslich am Samstag gefunden, der Bräutigam mittlerweile schon nach Wien verlegt.

«An Politiker, Freunde, Medien. Wir dürfen nicht wegschauen! Lassen wir diese Familie nicht», heisst es auf Facebook mit dem Aufruf, die Videoaufnahme und die Informationen grosstmöglich zu teilen. Nach dem Wirbel nimmt nun das Bundesministerium für Inneres Stellung. Wie andere Medien fälschlicherweise berichteten, handelt es sich beim Bräutigam nicht um einen Asylwerber, so das Ministerium.

Es werde eine Überstellung nach Italien erfolgen und nicht nach Gambia, erklärte das Ministerium. Der Betroffene sei in den vergangenen beiden Jahren «bereits mehrfach aufgrund der Zuständigkeit Italiens laut Dublin-Verordnung nach Italien überstellt worden». Trotzdem sei er wiederholt illegal nach Österreich eingereist.

Alle wussten von der heiklen Situation

«Nachdem das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl vom neuerlichen illegalen Aufenthalt Kenntnis erlangte, wurde der Fremde im Zuge einer Einvernahme erneut aufgefordert, seiner Ausreiseverpflichtung nachzukommen», so die Erklärung.

«Allen Beteiligten war also der mehr als unsichere Aufenthalt des Gambiers in Österreich bewusst. Trotz zahlreicher Aufforderungen seitens des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl zeigte der Fremde keinerlei Kooperationsbereitschaft und kam seiner Verpflichtung zur Mitwirkung nicht nach. Ihm muss klar gewesen sein, dass auch eine Eheschliessung an seinem unsicheren Aufenthaltsstatus mit all seinen Konsequenzen nichts ändert», bilanziert das Innenministerium.

Warum kam die Polizei erst jetzt?

Susanne B. hat dafür kein Verständnis. Das Paar war seit vier Monaten beim örtlichen Standesamt angemeldet - und Eheschliessungen von Drittstaatenangehörigen werden automatisch an das BFA weitergeleitet werden. «Und dann kommen sie drei Minuten davor», so B.

«Wir sind am Ende», sagt eine Schwester der Braut zu «Heute.at». Sie nennt die Vorgangsweise der Polizei eine «Schikane».

(kle)