Versteigerung

27. September 2016 05:23; Akt: 27.09.2016 12:34 Print

Brief zeigt sanfte Seite von Al Capone

Der Gangsterboss im Chicago der 1920er- und 1930er-Jahre gilt als harter Bursche. Doch wenn es um Familie und Musik ging, konnte Al Capone zärtlich sein, wie ein ersteigerter Brief zeigt.

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Mörder, Vater und Musikliebhaber: Drogenboss Al Capone an einem Football-Game in Chicago. (19. Januar 1931) (Bild: Keystone/AP Photo)

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Al Capone war nicht nur ein brutaler Verbrecher – er hatte allem Anschein nach tatsächlich auch eine sanfte Seite. Ein vertraulicher Brief aus dem Gefängnis zeigt, dass der gnadenlose Gangsterboss gegenüber einigen Mitmenschen durchaus zärtliche Töne anschlagen konnte – und nicht nur mit der Pistole ein Virtuose war. Am Montag ersteigerte ein Sammler aus der Gegend um Chicago das sentimentale Charakterzeugnis für 62'500 Dollar (rund 60'500 Franken).

Das dreiseitige Schreiben ist an Capones Sohn Albert «Sonny» adressiert und quillt geradezu über vor väterlichen Gefühlen. «Junge, bleib wie du bist und lass dich von nichts kleinkriegen», schreibt Vater Al aus dem Gefängnis Alcatraz in der Bucht von San Francisco. «Wenn du traurig bist, Sonny, leg eine der Schallplatten mit Liedern auf, von denen ich dir geschrieben habe.» An anderer Stelle heisst es: «Mein Herz, (ich) hoffe sicher, dass die Dinge nächstes Jahr für uns laufen werden. Dann werde ich da sein, in deinen Armen.» Das Schreiben endet mit den Worten: «Liebe & Küsse, dein lieber Vater Alphonse Capone.»

Staatsfeind Nummer 1

Auktionator Robert Livingston nennt den Brief ein äusserst seltenes persönliches Schreiben Capones, das die weiche Seite eines Mannes zeige, der für seine Brutalität berüchtigt war. Sein Unternehmen RR Auction hatte mit um die 50'000 Dollar (gut 48'000 Franken) Erlös gerechnet. «Sie werden denken, dass Gestalten wie er verachtet werden, aber stattdessen werden sie im Bewusstsein der amerikanischen Öffentlichkeit irgendwie vergöttert», sagt Livingston.

Dabei spricht er über einen Mann, der 1929 das berüchtigte Valentinstag-Massaker in Chicago befahl, bei dem sieben Mitglieder der rivalisierenden Bugs Moran-Schmugglerbande niedergemetzelt wurden. Doch nicht dafür wanderte der in Brooklyn geborene Al Capone schliesslich hinter Gitter, sondern weil ihn die Steuerfahndung ertappte. Wegen Steuerhinterziehung brummte ihm ein Gericht schliesslich elf Jahre Gefängnis auf, von denen Capone die meisten in Alcatraz absass. Dort wurde aus dem «Staatsfeind Nummer 1», der zu Zeiten der Prohibition die Gangsterwelt Chicagos beherrschte, der Häftling Nummer 85.

Syphilis und Schlaganfall

1938 wurde Capone vorzeitig entlassen und kehrte in sein Haus in Miami Beach zurück. Dort zerfrass Syphilis die Gangsterlegende, ein Schlaganfall streckte ihn zu Boden, 1947 schliesslich starb er, gerade 48 Jahre alt.

Den Brief an seinen Sohn schrieb Capone wahrscheinlich kurz vor seiner Haftentlassung. Als Datum ist zwar nur «16. Jan» vermerkt, Experten gehen aber davon aus, dass er im Jahr 1938 geschrieben wurde. «Sonny, Kopf hoch, mach dir keine Sorgen um deinen lieben Vater», schrieb er und bat um einen Besuch von Mutter und Sohn, der damals noch zur Schule ging.

Liebe zur Musik

In beinahe heiterem Ton schildert Capone die Schinderei des Haftalltags, die er sich mit Musik zu vertreiben suchte. Er spielte Banjo und Mandola – ein Saiteninstrument, das der Mandoline ähnelt.

In Alcatraz, einem der berüchtigtsten Gefängnisse der USA, gründete der einstige Verbrecherkönig mit anderen Häftlingen die Band The Rock Islanders. «Sonny, ich habe einen Song, so ähnlich wie Rainbow on the River, den Bobby Breen gesungen hat», schrieb er an seinen Sohn. «Wenn ich heimkomme, werde ich nicht nur dieses Lied spielen, sondern etwa 500 mehr ... Junge, es ist kein Song geschrieben worden, den ich nicht spielen könnte.»

(foa/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • duderio am 27.09.2016 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    überrascht mich nicht

    eher überraschend währe das bei ceo's von grossen firmen....

  • Anonymus am 27.09.2016 15:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    La Familia!

    Man kann der Mafia vieles Nachtragen, mangelnde Familiengefühle jedoch nicht. Soweit ich weiss, geht in diesen Kreisen nichts über die Ehre oder Familie.

  • Fiat Luxus am 27.09.2016 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Und wer's glaubt...

    Ja klar! Er unterschrieb einen persönlichen Vaterbrief an seinen Sohn mit dem Vor- und dem Familiennamen. So wird das Unechte oft Echt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anonymus am 27.09.2016 15:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    La Familia!

    Man kann der Mafia vieles Nachtragen, mangelnde Familiengefühle jedoch nicht. Soweit ich weiss, geht in diesen Kreisen nichts über die Ehre oder Familie.

  • duderio am 27.09.2016 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    überrascht mich nicht

    eher überraschend währe das bei ceo's von grossen firmen....

  • Fiat Luxus am 27.09.2016 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Und wer's glaubt...

    Ja klar! Er unterschrieb einen persönlichen Vaterbrief an seinen Sohn mit dem Vor- und dem Familiennamen. So wird das Unechte oft Echt.

    • m.odi am 27.09.2016 09:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fiat Luxus

      Ich denke früher hat man halt so den Leuten geschrieben. Höflichkeit wurde gross geschrieben. Nicht so wie heute. Daher denk ich das der Brief doch stimmt und auch das mit der Unterschrift mit Vor- und Nachnamen

    • Fubar am 27.09.2016 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fiat Luxus

      Wieso sollte der Brief nicht echt sein? Wer hätte etwas davon, dies zu fälschen? Wohl zuviele Verschwörungstheorien gelesen...

    • Dani am 27.09.2016 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fiat Luxus

      Warum nicht? Es gab ja auch Zeiten da waren Ehepaare per sie. Und Kinder haben ihre Eltern gesiezt.

    • Olie am 27.09.2016 09:34 Report Diesen Beitrag melden

      @Dani

      Kenne ich noch von meinem Vater, der hat die Eltern auch noch gesiezt. Fand ich zwar immer etwas eigenartig. Heute können Eltern froh sein, wenn sie nicht als A...och bezeichnet werden.

    • Librom am 27.09.2016 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fiat Luxus

      Früher hat man das so gemacht! Nicht wie heute: ((Ey Alte wie laufts))

    • Beat Meier am 27.09.2016 15:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fubar

      Das sogenannte Verschwoerungstheorie Schwert ist total ausgelutscht. Verschwoerungen sind und waren gang und gaebe. Weltweit und hier und heute.

    • Linksaussen am 27.09.2016 16:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beat Meier

      Klar, die Erde ist flach, wir werden von Reptiloiden regiert, Flugzeuge vergiften uns mit Chemtrails etc. ist alles wahr, steht so im Internet.

    • Beat Meier am 27.09.2016 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Linksaussen

      Linksaussen alles klar. JFK Geschichte z Bsp. IWF Weltbank Arab. Fruehling Strauss Kahn Affaere 9/11 Waehrungskrieg gegen CHF. Bilderberg und WEF usw. Hat natuerlich nie etwas mit Verschwoerungen zu tun.

    • Ruedi Schneider am 27.09.2016 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dani

      Ja genau, noch gar nicht solange her, 30 er und 40 er Jahre

    • Fiat Luxus am 27.09.2016 18:40 Report Diesen Beitrag melden

      Danke an Alle, viel gelernt

      Danke an Alle, die einen Kommentar auf meinen provokativen Post abgegeben haben. Die Kommentare und Erklärungen sind für mich aufschlussreich. Bin erst 17 und wachse ohne Eltern auf. Wusste nicht, dass zu jener Zeit als Herr A.C. lebte man sich auch in der Familie siezte oder eine respektable Anstandskultur an der Tagesordnung war. Habe viel gelernt. Danke.

    • Linksaussen am 28.09.2016 01:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beat Meier

      Doch, natürlich, kann man alles im Internet nachlesen. Auch dass Impfungen gefährlich sind und dass Brot und Milch tödliche Gifte sind.

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