Schadenersatz

06. März 2015 03:16; Akt: 10.03.2015 12:20 Print

Browns Familie will Ferguson-Polizist anklagen

Polizist Darren Wilson wird für den Tod von Michael Brown nicht angeklagt, so das US-Justizministerium. Seine Familie will trotzdem eine Zivilklage einreichen.

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Am Dienstag, 10. März 2015, wurde in Ferguson an einer Versammlung diskutiert, ob man sich beim Polizisten Darren Wilson öffentlich entschuldigen soll. Später am Abend gab Stadtdirektor John Shaw seinen Rücktritt bekannt. Einen Tag nach dem Entscheid des US-Justizministeriums, Polizist Darren Wilson nicht anzuklagen, kündete Daryl Parks, der Anwalt von Michael Browns Familie, an, Zivilklage gegen Wilson einzureichen. Am 4. März hielt das US-Justizministerium in einem Bericht fast, dass es in Ferguson zu Rassismus-Vorfällen durch die Polizei kam. Der Polizist, der Michael Brown getötet hat, wird jedoch nicht angeklagt. An Thanksgiving bleibt es in Ferguson ruhig. Doch die Proteste der vergangenen Tage haben ihre Spuren hinterlassen. Bei den Canfield Green Apartments haben die Menschen eine Gedenkstätte für Michael Brown errichtet. Demonstranten und Nationalgardisten am Abend des 26. November 2014 in Ferguson: Wie in weiten Teilen der USA fällt auch in Ferguson Schnee, die Temperatuen liegen beim Gefrierpunkt. In der Nacht auf den 27. November blieb es in Ferguson relativ ruhig. Ein Versuch von Demonstranten, das Rathaus zu stürmen, wurde von der Polizei und der Nationalgarde verhindert. Drei Menschen wurden festgenommen. Derweil hat sich Michael Browns Mutter Lesley McSpadden (rechts) in Harlem mit Angehörigen von Eirc Garner und Akai Gurley getroffen - auch Garner und Gurley waren schwarze Männer, die von Polizisten erschossen wurden. Die Frauen beteten gemeinsam. Proteste gingen in vielen Teilen des Landes auch am Mittwoch nach dem Urteil in Ferguson vom Montag weiter. Hier stellt sich ein Demonstrant in Los Angeles der Polizei gegenüber. Er werde demnächst Vater, sagte der Polizist von Ferguson, Darren Wilson, in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender «abc News», das am Mittwoch ausgestrahlt wurde. Die Ferguson-Proteste ziehen sich mittlerweile von der US-Westküste bis zur Ostküste. In 170 Städten haben Demonstranten den Verkehr blockiert oder ganz lahmgelegt. In Minneapolis ist ein Autofahrer in eine Menge von Ferguson-Demonstranten gefahren und hat mit seinem Vorderrad eine Frau ergriffen. Er schleifte die Demonstrantin etwa sechs Meter unter dem Auto mit. Demonstranten blockieren eine Strasse in Nashville Tennessee. Ein Protestler in Oakland, Kalifornien, legt Holz nach. Ein Demonstrant mit Gasmaske vor dem Polizeigebäude in Ferguson, Missouri. Demonstranten reihen sich vor dem Polizei-Department in Ferguson auf. Nach Angaben der Behörden im Grossraum St. Louis hat es mehr als 80 Festnahmen gegeben. Die Polizei des Kreises teilte am Dienstag mit, in Ferguson, wo im August der junge Afroamerikaner Brown von einem weissen Polizisten erschossen wurde, seien bei Zusammenstössen 61 Personen verhaftet worden. Dieses Bild zeigt Polizist Darren Wilson, der auf Michael Brown schoss. Es soll nach dem Vorfall aufgenommen worden sein und beweisen, dass Wilson von Brown im Gesicht angegriffen und verletzt worden ist. Feuerwehrleute löschen ein in Brand gesetztes Café in Ferguson. Dieses und andere Gebäude wurden von den Demonstranten angezündet, nachdem bekannt gegeben wurde, dass der Polizist Darren Wilson für die Tötung des Teenagers Michael Brown nicht zur Rechenschaft gezogen wird. Auf den Strassen Fergusons kam es zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Polizei. Tränengas wurde eingesetzt. Das Gesicht dieser Frau ist vom möglichen Tränengas-Einsatz gezeichnet. Demonstranten vor einem brennenden Autoteile-Laden. Die Demonstranten zündeten aus Wut über die Entscheidung mehrere Gebäude an. Michael Browns Mutter (Mitte) wird vor dem Police-Department von Ferguson getröstet. Die Familie des getöteten Teenagers hatte darauf gehofft, dass der Polizist sich vor Gericht verantworten muss. Viele Menschen protestierten friedlich gegen Entscheidung eines Geschworenengerichts in Missouri, keine Anklage gegen den weissen Polizisten zuzulassen. Demonstranten versuchen, ein Polizeiauto umzukippen. Zuvor waren bereits Ziegelsteine geflogen. Ein Polizist vor dem beschädigten Streifenwagen. Polizeibeamte in Ferguson vor einem brennenden Polizeiauto. Ein Plünderer verlässt in Ferguson einen Laden mit seiner Beute. Auch er hat sich einiges aus dem Laden geholt. Dass Polizist Darren Wilson, der den Schwarzen Michael Brown (18) erschossen hat, straffrei ausgeht, sorgt für Empörung. Diese schlug in Ferguson in Gewalt um.

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Die Familie des getöteten schwarzen US-Teenagers Michael Brown plant eine Zivilklage gegen den weissen Polizisten Darren Wilson. Auch die Stadt Ferguson werde auf Schadenersatz verklagt, teilte der Anwalt Anthony Gray am Donnerstag mit.

Wilson habe keinen Grund gehabt, den unbewaffneten Jugendlichen am helllichten Tag zu erschiessen. Die Zivilklage wegen «widerrechtlicher Tötung» werde «sehr bald» eingereicht, sagt Gray.

Zweimal keine Anklage gegen Wilson

Wilson hatte den 18-jährigen Brown Anfang August in Ferguson nach einem Handgemenge mit mehreren Kugeln getötet. Strafrechtlich drohen Wilson, der den Polizeidienst inzwischen quittiert hat, keine Konsequenzen mehr.

Das US-Justizministerium hatte am Mittwoch ein Verfahren wegen Verletzung von Bürgerrechten aus Mangel an Beweisen eingestellt. Bereits im November hatte eine Grand Jury aus Laienrichtern entschieden, dass die Beweise für eine Anklage nicht ausreichen.

Systematische Diskriminierung?

Der Tod des Teenagers und der spätere Verzicht auf einen Strafprozess gegen den Polizisten hatten in Ferguson und zahlreichen anderen Städten der USA zu teils gewalttätigen Protesten geführt. An dem Fall entzündete sich eine landesweite Debatte über Rassismus und Polizeigewalt.

Die mehrheitlich afroamerikanische Bevölkerung von Ferguson fühlt sich von der überwiegend weissen Polizeitruppe systematisch diskriminiert.

Gespaltene Gemeinde

Ein am Mittwoch veröffentlichter Bericht des US-Justizministeriums bestätigte ein routinemässiges Schikanieren von Afroamerikanern in der Vorstadt von St. Louis im Bundesstaat Missouri.

Justizminister Eric Holder erklärte, dass Ferguson eine «zutiefst gespaltene Gemeinde» sei, in der oftmals «Misstrauen und Feindseligkeit» den Umgang zwischen Bevölkerung und Polizei prägten. «Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie ein einziger tragischer Vorfall die Stadt wie ein Pulverfass hochgehen liess», sagte er.

(sda)