«Menschliches Skelett»

21. Juli 2014 22:29; Akt: 21.07.2014 22:29 Print

Bub ass Insekten, um nicht zu verhungern

Er war bis aufs Skelett abgemagert, als eine Spaziergängerin den Siebenjährigen im Haus seiner Grosseltern entdeckte. Kinderärzte sagen, sie hätten noch nie Schlimmeres gesehen.

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Elf Kilo wiegt ein siebenjähriger Junge, als er ins Krankenhaus in Greenville im US-Bundesstaat Pennsylvania eingeliefert wird. «Er sah aus wie ein Holocaust-Opfer», sagt John J. Piatek, der Bezirkskriminalbeamte gegenüber der «Tribune-Review». Entdeckt wurde der Siebenjährige, als eine Frau zufällig mit ihrem Hund an dem Haus vorbeilief und die Polizei alarmierte. Sie sagte, ein «menschliches Skelett» gesehen zu haben, so «New York Daily News».

Die Mutter des Kindes, Mary Rader (28), und die Grosseltern, Dennis und Deana Beighley, sollen den Buben massiv misshandelt und halb verhungern lassen haben. Weil er von seiner Mutter nur kleine Mengen an Dosenthunfisch und Eiern zu essen bekam, habe er sich teilweise von Insekten ernährt, die er auf der Veranda des Hauses fand, berichtet «CNN».

Wieso? «Die Familie mochte den Jungen nicht»

Das Haus soll für den Jungen einer Folterkammer gleichgekommen sein, berichtet «New York Daily News». Manchmal habe er versucht, an Brot oder Erdnussbutter zu kommen. Wurde er erwischt, peitschten ihn seine Mutter oder Grosseltern mit einem Gürtel aus, heisst es in der Strafanzeige. Die einzigen Male, die er duschte, waren als Strafe gedacht: Der Siebenjährige wurde dann jeweils einfach mit eiskaltem Wasser übergossen.

Wieso quälte die Familie das Kind dermassen? «Die Familie mochte den Jungen nicht», sagt Ermittler Piatek gegenüber der «Tribune-Review».

Vor einem Jahr hatte die Mutter ihn aus der Schule genommen, um ihn zuhause zu unterrichten. Im Haus hätten noch zwei Schwestern im Alter von 4 und 11 Jahren, sowie ein 9-jähriger Bruder gewohnt. Diese seien jedoch normalgewichtig gewesen und hätten im Garten gespielt, während der «Prügelknabe der Familie» im Haus habe bleiben müssen. Die Nachbarn sagen, sie hätten nicht gewusst, dass der Junge überhaupt existierte.

«Siebenjähriger kurz vor ernsthaftem Herzproblem»

Nach seiner Einweisung ins Spital wurde der Junge ins Kinderkrankenhaus von Pittsburgh verlegt. Seine behandelnde Ärztin, Dr. Jennifer Wood sagt, sie habe noch nie einen so schlimmen Fall von medizinischer Verwahrlosung gesehen: «Der Siebenjährige war kurz davor, ein ernsthaftes Herzproblem zu bekommen. Er hatte Abszesse und verfaulte Zähne, die entfernt werden mussten.»

Seit der Einweisung ins Spital habe der Junge rund 9 Kilo zugenommen, so die «Sharon Herald». Die Medizin, die er derzeit am meisten brauche, sei Nahrung, sagen die Ärzte.

Mutter und Grosseltern haben sich der Polizei gestellt. Ihnen wird schwere Körperverletzung, Freiheitsberaubung eines Minderjährigen, Gefährdung des Wohlbefinden eines Kindes und Verschwörung vorgeworfen. Der Prozess gegen die drei wird am 30. Juli stattfinden. Das Gericht hat eine Kaution von 75'000 Dollar festgelegt.

(cfr)