26. April 2005 07:26; Akt: 26.04.2005 07:26 Print

Buchmarkt boomt wegen Papst

Der Tod des alten und die Inthronisierung des neuen Papstes haben dem Buchmarkt in Deutschland einen kräftigen Schub verliehen. Die Verlage kommen mit dem Druck der alten Bücher von Joseph Ratzinger gar nicht nach.

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Nun soll bereits die erste Biografie über Benedikt XVI. in die Läden kommen.

Es ist jedoch nicht allein der Papst-Rummel, von dem der religiöse Buchmarkt profitiert. «Wir beobachten eine zunehmende Suche nach Sinn und Werten nach Jahren der Säkularisierung», sagt der Geschäftsführer der Augsburger Verlagsgruppe Weltbild, Carel Halff.

Der den katholischen Diözesen gehörende Medienkonzern, mit knapp 1,3 Milliarden Euro Umsatz Deutschlands grösster Händler für populäre Bücher, verkauft derzeit im religiösen Segment etwa doppelt so viele Bände wie noch vor zwei Jahren.

Zusammen mit der «Bild»-Zeitung hat der Verlag im vergangenen November 250 000 «Volksbibeln» unter die Deutschen gebracht. Allein im Internet-Geschäft ist der Weltbild- Umsatz mit religiösen Büchern im ersten Quartal 2005 im Vergleich zum Vorjahresquartal um fast ein Drittel gestiegen.

Multi-Kulti-Euphorie

Auch evangelische Verlage registrieren ein grösseres Interesse an christlicher Literatur. «Die Probleme in der Welt sind grösser geworden», meint Karlheinz Kern vom Johannis-Verlag aus Lahr im Schwarzwald und verweist auf die Anschläge des 11. September 2001 oder das Ende der Multi-Kulti-Euphorie.

Seit mehreren Jahren wächst der Umsatz von Johannis stetig, derzeit liegt er bei etwa vier Millionen Euro. 2005 wird nun das «Top-Jahr»: Mit Peter Hahnes «Schluss mit lustig» hat Johannis einen Titel herausgebracht, der seit Wochen an der Spitze der Bestsellerlisten steht.

Auf jährlich rund 60 Millionen Euro wird der Markt mit religiösen Büchern in Deutschland geschätzt - bei einem Gesamt- Buchmarkt von rund 9 Milliarden Euro. Fast ein Drittel entfällt nach einer Erhebung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) auf religiöse Lebensbegleiter und Ratgeber.

Urbedürfnis

«Religion ist ein Urbedürfnis des Menschen», glaubt Jutta Löher, die in der Buchhandlung «Carolus» im Zentrum Frankfurts für die Abteilung Lebenshilfe zuständig ist. In dem zum katholischen Herder- Verlag gehörenden Laden haben sich in den vergangenen Jahren nicht nur Bücher des Benediktinerpaters Anselm Grün gut verkauft, sondern auch Werke über den Islam und Buddhismus.

Das derzeitige Interesse an religiöser Literatur kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das klassische theologische Sachbuch seit Jahren auf dem Rückzug ist. «Die Menschen wollen keine fertigen Konzepte mehr. Wir müssen ihnen Modelle bieten, die jeder einzelne überprüfen kann», sagt Alfons Friedrich von Don Bosco Medien in München.

Eine Spiritualität, die aus dem Glauben heraus Wege zum erfolgreichen Gelingen des Lebens zeige, könne auch jüngere Menschen ansprechen. «Ein Anselm Grün hat deshalb Riesenerfolg, weil er Authentizität ausstrahlt», sagt Friedrich, der auch Vorsitzender des Katholischen Medienverbands ist.

Promi-Bonus

Beim Erfolg hilft der Promi-Faktor: Der Bestseller des schreibenden ZDF-Moderators Hahne, der mit der «Spass-Gesellschaft» abrechnet, habe gerade auch bei jungen Menschen ein grosses Echo gefunden, sagt sein Verleger Kern.

Auch das Buch des ehemaligen CDU- Generalsekretärs Heiner Geissler (»Was würde Jesus heute sagen») ist im Schatten der Ereignisse im Vatikan ebenfalls auf die Bestsellerlisten geklettert.

Und bei den Romanen beweist Dan Browns Topseller «Illuminati» nun schon seit Monaten, dass die jahrtausendealte und geheimnisumwitterte Geschichte des Vatikans Millionen Menschen fesseln kann.

(sda)