Todes-Kraftwerk

27. Januar 2010 12:12; Akt: 27.01.2010 16:49 Print

Cleuson-Dixence wieder in Betrieb

Es war ein folgenschwerer Unfall: Am 12. Dezember 2000 kam es zum Bruch der Druckleitung im Kraftwerk von Cleuson-Dixence. Drei Menschen verloren ihr Leben. Jetzt, fast 10 Jahre nach dem Unglück, konnte die Druckleitung im Wallis wieder in Betrieb genommen werden. Die Reparatur kostete 365 Millionen Franken.

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Das kolossale Bauwerk in Sion belegt in der Liste der grössten Talsperren der Erde Platz sechs - nach den gigantischen Staumauern in Tadschikistan und China. Der Bau der ersten Staumauer Première Dixence begann im Jahr 1926. Acht Jahre lang dauerten die Bauarbeiten an. Damit die Anlage mehr Strom erzeugen konnte, wurde in den 50ern ein weiteres, gross angelegtes Bauprojekt gestartet. Mehrere Zulaufstollen, Stauseen und... ...Pumpstationen sollten für mehr Hochspannung in den Generatoren sorgen. Hierfür wurde 1950 die Grande Dixence S.A. gegründet, die die Staumauer zwischen 1951 und 1965 erstellte. Abschnittweise wurde das Projekt bis mitte der Sechziger in Betrieb genommen. Die erste Flutung der Grande Dixence erfolgte am 17. Juli 1957. Zwischen 1993 und 1998 wurde die Verbindung Cleuson-Dixence vergrössert und optimiert. Diese Verbindung jedoch barst im Dezember 2000 - mit verheerenden Folgen. Die dicht unter einer Hangoberfläche führende Rohrleitung barst. 27 000 Kubikmeter Wasser sprengten den Boden und lösten eine Schlammlawine aus. In Kürze wurden mehrere Häuser weggespült und ganze Bauernhöfe verwüstet. Drei Personen kamen dabei ums Leben. Das für die Deckung der Spitzenlast wichtige Kraftwerk (1269 MW) ist seither ausgefallen. Die Instandsetzung des Stollens nahm beinahe 10 Jahre in Anspruch. Zwei Projektleiter sind inzwischen wegen fahrlässiger Tötung, Verursachung einer Überschwemmung und Störung des öffentlichen Verkehrs zu bedingten Geldstrafen verurteilt worden.

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Zwischen 25 000 und 40 000 Kubikmeter brachen damals aus der auf einer Länge von neun Metern geborstenen Leitung aus und verursachten Schlamm- und Gesteinslawinen. Zwei Chalets und mehrere landwirtschaftliche Gebäude auf dem Gebiet der Gemeinde Nendaz wurden mitgerissen, drei Menschen starben, weitere wurden verletzt.

Zwei Projektleiter sind inzwischen wegen fahrlässiger Tötung, Verursachung einer Überschwemmung und Störung des öffentlichen Verkehrs zu bedingten Geldstrafen von 48 000 respektive 3600 Franken verurteilt worden. Ihnen wurde angelastet, dass sie die Druckwasserleitung wieder in Betrieb genommen hatten, obwohl sie von den Haarrissen an den Schweissnähten gewusst hatten, die schliesslich zur Katastrophe geführt haben.

Riesiger Aufwand für die Reparatur

Im Hinblick auf die Sanierung der Einrichtungen wurde nach dem Unfall die Cleuson-Dixence Construction SA gegründet. Die Unfallzone wurde mit einem so genannten Bypass umgangen. Die Tiefbauarbeiten dazu begannen 2006, anschliessend folgten zweieinhalb Jahre dauernde Stahlbauarbeiten. 1360 Zwingen aus 12 500 Tonnen Stahl wurden in den Schacht eingebaut. Für die Wiederinbetriebnahme standen rund um die Uhr 600 Mitarbeitende im Einsatz. Das Budget von 365 Millionen Franken und der Zeitplan wurden laut Alpiq eingehalten.

«Schmuckstücke» der Schweizer Hydroelektrizität

«Die Wiederinbetriebnahme von Bieudron mit seinen 1200 Megawatt verdoppelt die Flexibilität der Anlage von Grande Dixence und steigert die Versorgungssicherheit der Schweiz», wird Michael Wider, Leiter des Alpiq Geschäftsbereichs Energie in der Mitteilung zitiert. Mit einem Einzugsgebiet von 420 Quadratkilometern, 35 Gletschern, 80 Wasserfassungen und einem Stausee von 400 Millionen Kubikmeter Wasser wird die Grande Dixence von Alpiq als eines der «Schmuckstücke» der Schweizer Hydroelektrizität bezeichnet.

Zur Anlage gehören die vier Wasserkraftwerke Bieudron, Nendaz, Fionnay und Chandoline, wo rund ein Viertel der Walliser Wasserkraft oder knapp vier Prozent des Schweizer Verbrauchs herstammen. Für die Übertragung in die Verbrauchszentren ist laut Alpiq entscheidend, dass das Hochspannungsnetz zwischen Chamoson und Chippis möglichst schnell ausgebaut wird, um das westschweizerische an das nationale 380-Kilovolt-Netz anzubinden.

(ap)