Polizeibrutalität

25. Juni 2015 10:34; Akt: 25.06.2015 12:01 Print

Cop-Videos, die Amerika in Rage versetzen

Ein Mann mit eingewickeltem Arm bittet Polizisten um Hilfe – und wird erschossen. Das ist nur das jüngste Beispiel. Amerikanische Polizisten töten jedes Jahr Hunderte Menschen.

Die Serie von Tötungen unbewaffneter Afro-Amerikaner begann am 17. Juli 2014 in Staten Island, wo Eric Garner im Würgegriff von Cops starb.
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Der rassistische Terroranschlag auf die Schwarzenkirche von Charleston hat in den USA das Thema der Polizeigewalt temporär aus den Schlagzeilen verdrängt. Doch die Neigung amerikanischer Polizisten zu gewaltsamem Vorgehen und dem allzu schnellen Griff zur Schusswaffe hält an. Vor allem unter Amerikas Minderheiten herrscht daher eine aufgeladene Stimmung.

Die «Washington Post» hat allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 385 Fälle gezählt, wo Menschen von Polizisten zu Tode geschossen wurden. Die eine Hälfte der Opfer ist weiss, die andere gehört Minderheiten an. In etwa 80 Prozent der Fälle waren die Betroffenen mit potenziell gefährlichen Gegenständen bewaffnet, primär Handfeuerwaffen, aber auch Messern oder Macheten.

Vorschneller Griff zur Waffe

In einem Fall vom vergangenen Freitag in Los Angeles dachten die Cops, ein Mann sei bewaffnet. Der auf dem Video weiss aussehende Mann hob seinen in ein Badetuch eingewickelten Arm, um die Polizisten um Hilfe zu bitten. Laut «Los Angeles Times» riefen diese jedoch: «Lass die Pistole fallen!» Dann schossen sie auf ihn und verletzten ihn kritisch am Kopf.


(Quelle: Youtube/_Complex)

Brutalität am Pool

Besonders stossend wirken Fälle, wo weisse Polizisten mit übertriebener Gewalt gegen Afroamerikaner vorgehen. In diesem Video vom 9. Juli wurde eine schwarze Familie von einem öffentlichen Schwimmbad in Fairfield, Ohio, weggewiesen. Die Cops gingen recht grob gegen die jungen Frauen vor.


(Quelle: Youtube/Jamie Lester)

Die Öffentlichkeit war gegen Polizeigewalt an Pools sensibilisiert, weil vier Tage vorher ein Polizist in McKinney, Texas, gegenüber schwarzen Jugendlichen ausgerastet war. Nicht nur rang er ein 14-jähriges Mädchen zu Boden, er zog zeitweilig sogar seine Schusswaffe. Der Cop wurde suspendiert und ist seither aus dem Dienst ausgetreten.


(Quelle: Youtube/Channel 4 News)

Fälle mit landesweiter Resonanz

Heftige Proteste, Demonstrationen und örtliche Unruhen wurden jedoch von einer Reihe schlimmer Fälle ausgelöst, bei denen unbewaffnete Afro-Amerikaner im Kontakt mit Polizisten getötet wurden. Die Serie begann am 17. Juli 2014 im New Yorker Stadtteil Staten Island. Der Schwarze Eric Garner, der illegal Zigaretten verkaufte, wehrte sich gegen seine Festnahme und starb im Würgegriff der Cops (Video ganz oben).

Nach dem 9. August bewegte der Fall von Michael Brown die ganze Welt. Es hiess zuerst, der schwarze Teenager in Ferguson, Missouri, habe die Hände hochgehalten, als ein Polizist ihn totschoss. Bei Protesten gingen in dem Vorort von St. Louis Läden in Flammen auf. Die Staatsanwaltschaft kam später aber zum Schluss, der Cop habe in Notwehr gehandelt.


(Quelle: Youtube/3chicspolitico)

Am 22. November beging der erst 12-jährige Tamir Rice in Cleveland, Ohio, den Fehler, in einem Park mit seiner Spielzeugpistole herumzufuchteln. Die von Passanten alarmierte Polizei fuhr in einem Streifenwagen vor, und innert Sekunden lag der Junge tot am Boden.


(Quelle: Youtube/NoticiasYouTube)

Etwa einen Monat später trug sich an einer Tankstelle von Berkeley, Kalifornien, Ähnliches zu. Cops töteten am 23. Dezember 2014 Antonio Martin, nachdem dieser mit einer Waffe zielte. Das zumindest suggeriert das Zoombild aus einem Überwachungsvideo.


(Quelle: Youtube/ItsDad)

Einer der empörendsten Tötungen geschah am 4. April in North Charleston, South Carolina. Ein Polizist entwand Walter Scott zuerst ein dunkles Objekt. Als der Afroamerikaner davonrannte, setzte der Cop ihm nicht nach, sondern zog die Pistole und gab acht Schüsse auf ihn ab. Scott starb, der Polizist wurde des Mordes angeklagt.


(Quelle: Youtube/PureVolumeMedia)

Der letzte der Aufsehen erregenden Fälle hatte die heftigsten politischen Folgen: Der Tod von Freddy Gray in einem Gefangenentransportwagen in Baltimore, Maryland, versetzte die Schwarzen dieser Grossstadt in Aufruhr. Bei Protesten wurden mehrere Häuserzeilen verwüstet. Der genaue Hergang und die Todesursache bleiben aber vorerst unklar.


(Quelle: Youtube/CNN)

Um die Polizeibrutalität einzudämmen, hat die Regierung von Barack Obama die Lieferung militärischer Ausrüstung an Polizeikorps eingeschränkt. Auch tragen immer mehr Cops Bodycams – Videokameras auf der Uniform, die sie zu zivilem Verhalten zwingen sollen. Die Gewaltkultur ist aber so stark verwurzelt, dass es immer wieder zu ungerechtfertigten Tötungen – und Protesten dagegen – kommen wird.

(sut)