Nach Protest

21. Februar 2019 21:29; Akt: 21.02.2019 21:29 Print

DC Comics will Jesus doch nicht als Superhelden

Der legendäre DC-Comics-Verlag hatte eine neue Reihe um Jesus angekündigt. Doch schon vor dem ersten Band gab es heftige Proteste.

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Auf der Website von DC Comics ist die Ankündigung zur neuen Reihe noch zu finden: Band Nummer eins von «Second Coming» (gemeint ist: die Wiederkunft Christi) soll am 6. März erscheinen. Der zweite Comic um den Gottessohn ist für den 3. April angekündigt.

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Beides stimmt jedoch seit Mittwoch nicht mehr: Nach heftigen Protesten hat der Verlag, der sich mit Superhelden wie Superman und Batman seit 1934 einen Namen gemacht hat, die Zusammenarbeit von Zeichner Richard Pace und Autor Mark Russell aus dem Sortiment gekippt.

«Eher blasphemisch als biblisch»

Gemäss Ankündigung hätte «Second Coming» davon gehandelt, dass Jesus Christus auf die Erde zurückkehren und sich mit dem Superhelden Sun-Man verbündet, um das Böse zu bekämpfen. Doch die geplante monatliche Serie stiess im Vorfeld auf Kritik aus konservativ-christlichen Kreisen.

Die Gegner des Comics prangerten die Serie als Abweichung von der christlichen Lehre an. Die Handlung sei «eher blasphemisch als biblisch», beanstandete etwa die Produzentin des christlichen Fernsehsenders CBN, Emily Jones. Eine Online-Petition gegen den Comic kam auf rund 234'000 Unterschriften.

Verehrter Superheld

Der Autor von «Second Coming», Mark Russell, sagte gegenüber der Website «Syfy Wire», DC Comics habe als Folge der Proteste von ihm grössere Änderungen an der Serie verlangt. Diese habe er abgelehnt. Russell warf den Kritikern vor, sie wollten nicht «so sehr Christus schützen» wie ihre Möglichkeiten, seine Lehre in ihrem Sinne zu vereinnahmen.

In Russells Erzählung wird Christus von Gott zum zweiten Mal zur Erde geschickt. Der Gottessohn ist entsetzt darüber, wie dort seine Lehren ignoriert werden. Er tut sich daraufhin mit Sun-Man zusammen, der von den Menschen mehr verehrt wird als er selbst.

Sechs Bände waren abgesegnet

Religiöse Themen sind für Russell kein Neuland: Bereits 2013 veröffentlichte er zusammen mit der Zeichnerin Shannon Wheeler den illustrierten Roman «God Is Disappointed In You», in dem er die Bibel neu erzählte. Gegenüber «Syfy Wire» gab der Autor sein Erstaunen über DCs Rückzieher zum Ausdruck. Die ersten sechs Bände seien bereits abgesegnet gewesen.

Doch fügte er an, es handle sich um eine einvernehmliche Trennung von DC Comics. Er habe die Rechte an der Serie zurückbekommen und suche nun einen neuen Verlag.

(mat/sda)