Rasen statt Villa gekauft

17. Juni 2019 22:21; Akt: 18.06.2019 00:22 Print

Darum muss man immer das Kleingedruckte lesen

Kerville Holness dachte, er hätte das Geschäft seines Lebens gemacht, als er für 9100 Dollar eine Villa in Florida ersteigerte – wie naiv.

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Welch eine Enttäuschung! Kerville Holness aus der Ortschaft Tamarac im US-Staat Florida ersteigerte bei einer Online-Auktion für 9100 Dollar ein Grundstück. Zuerst freute er sich sehr darüber, noch meinte er, er sei nun Besitzer einer tollen Villa, die auf 177’000 Dollar geschätzt ist. Dann aber erfuhr er, dass er nur einen mickrigen Streifen Vorgarten an der Garageneinfahrt erworben hatte, der lediglich 50 Dollar wert ist.

Wie das Portal «Sun Sentinel» berichtet, hatte Holness offenbar die Anzeige nicht genau gelesen. Auf der Auktion-Website Broward sah er die Annonce mit einem Bild der Villa und ging davon aus, dass es sich beim Objekt um das Haus handelte.

Dabei stand in der Textbeschreibung, dass das Grundstück 30 Zentimeter breit und 30 Meter lang sei. Es beginne am Strassenrand, an dem zwei Briefkästen installiert seien und verlaufe unter einer Mauer, die die Garagen zweier benachbarter Häuser trennten. Der Anbieter stellte zudem klar, dass die knapp neun Quadratmeter grosse Fläche nicht bebaubar sei.

Wie kam es zu dieser absurden Auktion?

Weil seit Jahren niemand Steuern auf dieses Grundstück zahlt, kam es im März unter den Hammer. Bei der Stadtbehörde kann aber niemand erklären, wieso ein so kleiner Garten-Streifen nicht an einem der angrenzenden Grundstücke angegliedert wurde. Offenbar wurde der Fehler jahrelang übersehen.

Der neue Besitzer macht der Behörde Vorwürfe: «Das hätte nie versteigert werden sollen. Ausserdem war die Anzeige irreführend», sagt Holness zu «Sun Sentinel». Auf den Fotos sei die Villa zu sehen gewesen, eine visuelle Markierung, die zeigen würde, was tatsächlich angeboten werde, gab es auf den Bildern nicht. Er fordert nun sein Geld zurück.

Kriegt der Käufer sein Geld zurück?

Doch damit hat er laut Rechtsexperten keine Chancen. «Er kann vor Gericht gehen, aber grundsätzlich kaufte er das, was in der Annonce beschrieben war», erklärt Immobilienanwalt Gary Singer. Was Holness aber machen könnte, ist, sein Grundstück den Besitzern der beiden Villen anbieten.

Tina DeFeo, Besitzerin einer der Häuser, sagte, sie sei nicht bereit, Geld für einen Streifen Gras zu zahlen, obwohl ihre Mailbox dort draufsteht. «Wenn wir unsere Mailbox verschieben müssen, dann verschieben wir sie halt», sagte sie.

Einen Ratschlag hat Immobilienanwalt Singer an alle unerfahrene Grundstückskäufer wie Kerville Holness: «Solche Auktionen sind riskant und nicht für jedermann. Bevor man sich auf so etwas einlässt, sollte man ganz genau recherchieren.»

(kle)