New York

18. Juni 2015 21:41; Akt: 18.06.2015 21:41 Print

Das «So angelst du dir einen Sugar Daddy»-Seminar

Im «Sugar Baby Summit» von New York lernten über 100 Frauen, wie sie sich von reichen Männern aushalten lassen können, ohne als Prostituierte zu gelten.

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Das Spiel heisst: Attraktives Girl sucht solventen älteren Herrn. Es ist alt – viel älter als seine Verewigung im unsterblichen Film «How to Marry a Millionaire» von 1953 mit Marilyn Monroe. Und heute, 2015, gibt es dafür sogar Kurse.

Am Freitag Nachmittag, so berichtet die «New York Daily News» stellten sich über hundert Frauen im Stadtteil mit dem passenden Namen Hell’s Kitchen ein, um am «Sugar Baby Gipfel» die Tricks von sogenannten «Transaktionsbeziehungen» zu lernen. Von Referenten suchten sie zu erfahren, worauf sie achten müssen, wenn sie ihre Vorzüge in einen von einem wohlhabenden Mann garantierten Lebensunterhalt ummünzen wollen.

Organisiert von einer Dating-Site

«Das Geld kommt leicht herein und geht leicht wieder», sagte die 25-jährige Chelsea Ridenour aus Las Vegas zur Zeitung. «Wenn man alles bekommt, was man will und wann immer man es will, dann macht das süchtig.»

Der vierstündige Kurs wurde von SeekingArrangement.com organisiert, nach eigenen Angaben die grösste Dating-Website für Sugar Babys und Sugar Daddys. Nach Angaben von CEO Brandon Wade hat die Site seit ihrer Gründung im Jahr 2006 in den USA 4,5 Millionen Interessentinnen angezogen.

Kein Sex am ersten Abend

Eine von ihnen ist Alexis, 24, aus Atlanta, Georgia. Die Site «hat mein Leben bereichert», sagt die ehemalige Flugbegleiterin. «Ich war über die Ohren mit 35’000 Dollar verschuldet. Am Valentinstag zahlte er alles ab.»

Als Sugar Baby müsse frau einige Grundsätze befolgen, berichtet die «Daily News». Der wichtigste: Habe nicht Sex am ersten gemeinsamen Abend. «Sonst wirfst du alles weg», warnte die Gastrednerin Kristen. «Sorge dafür, dass er mehr will. Dann wirst du mehr Geld kriegen.»

Keine allzu freizügigen Fotos

Ein weiterer Tipp lautet, den Herren aufmerksam zuzuhören, auch wenn nicht interessant ist, was sie sagen. «Du bist eine hochbezahlte Therapeutin», erklärte Kristen. Weiter dürfe man nicht allzu offen über die eigenen finanziellen Probleme reden und vor allem nicht signalisieren, man habe ein Anrecht auf Unterstützung. Auf Fotos solle sich ein Sugar Baby nicht allzu sexy darstellen, sagte Kristen. Sugar Daddys wollen «a freak in the sheets, but a lady in the street» – ein Freak zwischen den Laken, aber eine Dame auf der Strasse.

Die Abgrenzung zur Prostitution, dem eigentlichen Gewerbe Sex gegen Geld, ist vielleicht das grösste Problem der vielen Dating-Sites wie SeekingArrangement. Transaktionsbeziehungen gelten als anrüchig, auch für Männer. «Wenn mich jemand einen Sugar Daddy nennt, schaudert es mich ein wenig wegen des Stereotyps des alten, lüsternen Mannes», gesteht der 44-jährige Gründer Wade. Aber jetzt könne er sagen, dass es nicht darum gehe.

Warum nicht?

Zur «Daily News» sagte er, auf seiner Site suchten Männer in der Regel Begleitung, und Frauen wollten, dass jemand für sie sorge. «Sie möchten lernen, wie man am meisten aus dem Leben herausholt. Warum sollten sie sich mit weniger zufriedengeben, wenn sie so viel mehr anstreben können?»

Den Teilnehmerinnen an dem Seminar schien es nichts auszumachen, dass sie so ziemlich das Gegenteil einer feministischen Lebensweise anstrebten. Sugar Baby Chelsea will in den vergangenen neun Monaten von grosszügigen «Freunden» 200’000 Dollar geschenkt erhalten haben. «Anfangs fühlte ich mich schlecht, aber jetzt akzeptiere ich es», sagte sie zur Zeitung. «Es kümmert mich nicht mehr, was die Leute denken, denn ich bin glücklich.»

(sut)