Argentinien

13. März 2019 13:17; Akt: 15.03.2019 16:11 Print

Baby der vergewaltigten 11-Jährigen ist gestorben

Das Baby der 11-Jährigen, die von einem 66-Jährigen vergewaltigt worden war und daraufhin schwanger wurde, hat nicht überlebt. Dies hat nun Folgen für die Ärzte, die das Mädchen behandelten.

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Sol, die Mutter der elfjährigen Lucia aus Argentinien, erzählt am 2. Mai 2019 erstmals vom Leiden, dem die Ärzte ihre Tochter ausgesetzt haben. Sol wirft den Behörden der Provinz Tucumán vor, den Weg zur Abtreibung «absichtlich» verzögert zu haben. «Ich sagte immer wieder, Lucia wolle das nicht. Aber er bettelte weiter, Lucia solle doch noch vier Wochen aushalten, damit das Baby bessere Überlebenschancen habe.» Im Interview erzählt Sol, wie der Leiter des Gesundheitswesen der Provinz Tucumán, Gustavo Vigliocco, ihr versprach, ihr Haus fertigzubauen. «Eines Tages kam jemand und nahm das Blechdach weg, um es zu reparieren. Dann ging die Person wieder und kam nicht mehr zurück. Seither habe ich kein Zuhause mehr», sagt Sol. Schliesslich führten die Ärzte José Gijena und Cecilia Ousset den Kaiserschnitt bei der Elfjährigen durch. Das Ärztepaar wurde am 12. März 2019 von einer rechtskonservativen Gruppierung wegen vorsätzlicher Tötung angezeigt. Im Spital Eva Perón in der nordargentinischen Provinz Tucumán wurde in der Nacht zum 27. Februar 2019 der Kaiserschnitt am elfjährigen Mädchen durchgeführt. Das Mädchen war vom Partner seiner Grossmutter vergewaltigt worden; es war in der 23. Schwangerschaftswoche. Das Neugeborene starb am 8. März 2019. (Symbolbild) Derzeit sind Schwangerschaftsabbrüche laut einem Gesetz aus dem Jahr 1921 nur im Fall von Vergewaltigung oder Gefahr für das Leben der Mutter legal. In der Nacht auf den 9. August 2018 hat Argentiniens Senat einen Gesetzentwurf zur Legalisierung von Abtreibungen abgelehnt. Die Frauen und Männer, die mit grünen Tüchern um Hals, Stirn oder Handgelenk zeigten, dass sie für das Abtreibungsgesetz sind, waren sehr enttäuscht. Der Fall aus Tucumán hat in Argentinien die Abtreibungsdebatte wieder neu entfacht. Die Bevölkerung ist in dieser Frage tief gespalten. Erst im August 2018 war ein Gesetz für ein liberales Abtreibungsrecht im argentinischen Parlament knapp abgelehnt worden. «In bin traurig und auch etwas enttäuscht von unseren Politikern», sagte damals Jana (27) aus Buenos Aires. Sie wartete am 9. August 2018 wie Zehntausende auf dem Platz vor dem Kongressgebäude in Buenos Aires auf die Nachricht des Abstimmungsergebnisses. Ursula (29) zog dennoch eine positive Bilanz: «Auch wenn wir das heute nicht geschafft haben, bin ich froh, dass diese Debatte ein grosses Umdenken in der Gesellschaft brachte. Es wird über Feminismus und über Frauenrechte diskutiert. Das ist etwas, wofür wir schon lange kämpfen. In diesem Sinn haben wir gewonnen», sagt sie. Manuela (27) sah es ähnlich: «Wir haben trotzdem etwas erreicht», sagt sie zu 20 Minuten. Die Abtreibungsgegner mit hellblauen Tüchern feierten die Nachricht von dem Abstimmungsergebnis auf dem Platz vor dem Kongressgebäude in Buenos Aires mit Jubel und Feuerwerk. «Ich bin sehr glücklich. Das ist eine Ehre für Gott und die Liebe», sagte Yolanda (38). «So ein Gesetz wäre Mord gewesen», meinte Victoria (57). Es sei nun die Aufgabe des Staates, den Frauen, die ihre Kinder nicht wollten, zu helfen. Im Heimatland von Papst Franziskus hatte die katholische Kirche leidenschaftlich gegen die Verabschiedung des Abtreibungsgesetzes gekämpft und Druck auf die Abgeordneten ausgeübt. Am anderen Ende der Plaza del Congreso trauerten die Abtreibungsbefürworter.

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Die Geschichte des 11-jährigen Mädchens aus Argentinien, das vom 66-jährigen Partner seiner Grossmutter vergewaltigt worden war und daraufhin schwanger wurde, nimmt eine neue dramatische Wende: Das vor rund zwei Wochen geborene Baby ist letzten Freitag gestorben. Die kleine «Faustina», wie sie lokale Medien nennen, war in der 23. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt zur Welt gekommen. Sie wog bei der Geburt knapp 650 Gramm. Ihre Überlebenschancen waren gering.

Dennoch hat der Tod des Säuglings jetzt Folgen für die beiden Ärzte, die den Kaiserschnitt durchgeführt hatten: Sie wurden am Dienstag der vorsätzlichen Tötung angeklagt. Eine Gruppe Anwälte, Mitglieder der konservativen Bewegung «Salvemos las dos vidas» (Retten wir beide Leben), werfen Cecilia Ousset und ihrem Mann José Gijena vor, das Baby durch den Eingriff getötet zu haben. Ihrer Meinung nach hätte die 11-Jährige das Kind länger austragen sollen.

«Hätten wir nichts getan, wäre die Kleine gestorben»

Dabei hatten Ousset und Gijena mit dem Kaiserschnitt das Leben der jungen Mutter gerettet: Das schwangere Mädchen hatte einen sehr hohen Blutdruck und befand sich in einem sehr schlechten psychischen Zustand. «Hätten wir nichts getan, wäre die Kleine gestorben», erklärte das Ärtzepaar.

Er und seine Frau hätten genau gewusst, worauf sie sich einlassen würden, als sie den Auftrag, den Kaiserschnitt vorzunehmen, angenommen hätten, sagte Gijena am Dienstag zu «Minutouno». Zahlreiche Ärzte und das Operationsteam im Spital Eva Perón in der nordargentinischen Provinz Tucumán hatten sich geweigert, den Eingriff durchzuführen.

Kinder der Ärzte mussten Schule wechseln

Die rechtskonservativen Abtreibungsgegner machen laut Gijena der Familie seit Wochen das Leben zur Hölle. Das Paar erhält Drohungen, seine Kinder mussten die Schule wechseln, da sie in der alten «nicht mehr willkommen» gewesen seien. «Das alles überrascht mich nicht», meint Gijena. «Diese Gruppierungen, die behaupten, das Leben der Babys zu beschützen, versuchen in Wirklichkeit, die Rechte anderer Menschen zu übergehen.»

Die Beendigung der Schwangerschaft der 11-Jährigen geschah im legalen Rahmen: Ein Gesetz in Argentinien aus dem Jahr 1921 erlaubt einen Schwangerschaftsabbruch im Fall von Vergewaltigung oder wenn das Leben der Mutter gefährdet ist. Ausserdem hatten sowohl das Mädchen als auch seine Mutter die Behörden darum gebeten, die unerwünschte Schwangerschaft abzubrechen.

(kle)