Amoklauf von München

23. Juli 2016 19:37; Akt: 23.07.2016 20:42 Print

Das Internet war Fluch und Segen zugleich

Auf der Suche nach dem Täter hatte die Polizei gegen wilde Spekulationen und das Hochladen von Videos zu kämpfen. Zugleich schaffte das Netz auch Solidarität und Hilfe.

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Nutzen und Gefahr: Über das Internet und soziale Medien verständigen Menschen ihre Angehörigen und machen jede Neuigkeit publik. Die Polizei kämpft dadurch auf der Suche nach dem Täter gegen wilde Spekulationen im Internet. (22. Juli 2016) Die Opfer waren zum grossen Teil Jugendliche mit ausländischen Wurzeln: Der Vater eines Opfers trägt Blumen und ein Bild seines Sohns, um diese vor dem Olympia-Einkaufszentrum niederzulegen. (23. Juli 2016) «Wir teilen Ihren Schmerz. Wir denken an Sie. Wir leiden mit Ihnen»: Angela Merkel nimmt Stellung zum Amoklauf in München. (23. Juli 2016) «Es zerreisst einem fast das Herz», sagt Innenminister Thomas Thomas De Maizière. «Warum?»: Eine Frau zündet eine Kerze für die Opfer an. (23. Juli 2016) Neben den Kerzen werden auch Blumen niedergelegt. (23. Juli 2016) Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft zu einer Sondersitzung in Berlin ein. (23. Juli 2016) Die Spurensuche am Tatort geht am Samstag weiter. (23. Juli 2016) Der Täter handelte alleine: Polizeipräsident Hubertus Andrä informiert die Medien an einer Pressekonferenz. (23. Juli 2016) Der Schock sitzt auch einen Tag nach dem Anschlag tief: Fahnen in Berlin auf halbmast. (23. Juli 2016) Die Polizei durchsucht die Wohnung des Täters. (23. Juli 2016) Die Polizei sperrte die U-Bahn-Station Olympia Einkaufzentrum ab. (23. Juli 2016) Trauer um die Opfer: Eine Frau zündet eine Kerze in der Nähe der Bahnstation beim Olympia Einkaufszentrum. (23. Juli 2016) Die Polizei geht mittlerweile von einem Einzeltäter aus. Er soll sich selber gerichtet haben. Zuvor war die Polizei aufgrund von Augenzeugenberichten von bis zu drei Tätern ausgegangen. (22. Juli 2016) Die Zahl der Toten ist auf neun gestiegen. Zudem gab es 21 Verletzte – darunter auch Kinder und Jugendliche. Ein 14-jähriger Albaner war zum Zeitpunkt der Schüsse im Einkaufszentrum. Er soll schwer am Hals verletzt worden sein und sich in Lebensgefahr befinden, berichtet ein kosovarisches Newsportal. Kurz nach 1.30 Uhr nachts gaben die Ermittler vorsichtige Entwarnung. Die Polizei soll das Auto des Täters sichergestellt haben. Am Tatort ist nach Polizeiangaben eine männliche Leiche gefunden worden. Lange war nicht klar, ob es sich um ein Opfer oder den Täter handelte: Polizeiautos und Ambulanzen in der Nähe des Tatortes. Neben dem Toten wurde ein Rucksack gefunden: Mehrere Ambulanzen standen im Einsatz. Kanzleramtsminister Peter Altmaier sagt in der ARD, man könne nicht ausschliessen, dass die Tat einen terroristischen Bezug habe. Bestätigt werden könne dies aber ebenfalls nicht: Ein gepanzertes Polizeifahrzeug. Ein Polizist sichert eine Strasse in der Nähe des Tatortes. Die Polizei hat Spezialeinheiten aus mehreren anderen Bundesländern angefordert, darunter die GSG9 der Bundespolizei: Spezialeinheiten der Polizei treffen in München ein. Polizisten durchsuchen einen Mann ausserhalb des Einkaufszentrums. (22. Juli 2016) Ein gesperrter Eingang zum Hauptbahnhof. In München lief eine grossangelegte Tätersuche. Die Polizei eskortiert Personen beim Verlassen des Einkaufszentrums. Viele Personen, die aus dem Einkaufszentrum evakuiert werden, laufen mit erhobenen Händen. Auch die Gegend um den Stachus Platz wird gesichert. Ein Sondereinsatzkommando blockiert die Strasse nahe der Universitätsklinik. Die Polizei sichert die Gegend um den Hauptbahnhof von München. Ein Polizist im Einsatz vor dem OEZ. Auch Polizisten mit Skimasken sind zu sehen. Die deutsche Bevölkerung wird gewarnt und soll nicht rausgehen: Beim Meldesystem «Katwarn» ist München markiert. Schwer bewaffnete Polizeibeamte vor dem Olympia-Einkaufszentrum. Die Polizei ist mit Spezialausrüstung ausgestattet. Polizeibeamte durchsuchen das Olympia-Einkaufszentrum (OEZ). Polizisten eilen zum Tatort. Die Lage war über Stunden unübersichtlich, es war von mehreren Toten und Tätern die Rede. Der komplette öffentliche Verkehr stand still, Taxifahrer wurden dazu angehalten, keine Fahrgäste mehr aufzunehmen. Die Polizei warnte die Bevölkerung, zuhause zu bleiben und die Strassen zu verlassen. Aufgrund von Augenzeugenberichten ging man zunächst von bis zu drei Schützen aus. Die Polizei riegelte das Gebiet rund um das Shoppingcenter komplett ab. Die ersten Meldungen waren um kurz vor 18:00 Uhr eingetroffen. Demnach seien die ersten Schüsse bei einem McDonald's-Schnellrestaurant gefallen, sagte die Polizeisprecherin. Nach dem Angriff befanden sich noch Menschen in dem Einkaufszentrum. Die Mitarbeiterin einer Drogeriekette berichtete, es seien zahlreiche Schüsse gefallen. Polizisten sichern einen U-Bahn-Eingang nahe des Einkaufszentrums. Bewaffnete Beamte im Shoppingzentrum. Die Polizei war mit allen verfügbaren Einsatzkräften mit Unterstützung von Spezialeinheiten, der Bundespolizei und benachbarten Präsidien im Einsatz. Die Münchner Verkehrsgesellschaft stellte den öffentlichen Nahverkehr ein. Der Aufenthaltsort der mutmasslichen Täter war kurz nach den Schüssen unbekannt. Das Spital Schwabing - das in der Nähe des Olympia-Einkaufszentrums liegt - und weitere Kliniken bereiteten sich auf die Aufnahme von Verletzten vor. Nach den Schüssen ist am Freitagabend der Hauptbahnhof der bayerischen Landeshauptstadt evakuiert worden. Über Twitter appellierte die Polizei an die Bevölkerung: «Passt auf Euch auf und meidet nach wie vor die Öffentlichkeit.» Polizeihelikopter über München.

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Die Polizei setzte am Freitag alles daran, um mit dem Kurznachrichtendienst Twitter wenigstens ein bisschen Klarheit in die chaotische Situation zu bekommen. «Wir fahnden mit Hochdruck nach den Tätern», twitterten die Ordnungshüter.

Gleichzeitig appellierten sie an die Menschen in der bayerischen Landeshauptstadt: «Meidet die Öffentlichkeit». Schliesslich ging die Polizei zu der Zeit noch davon aus, dass mehrere Täter auf der Flucht sind – was sich später als falsch herausstellte.

Kampf gegen Spekulationen

Und auch immer, wenn es etwas konkretes zum Tatgeschehen gab, war die Polizei bei Twitter schnell dabei. In drei Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch – twitterte die Polizei etwa, als sich die Zahl der Todesopfer auf zunächst acht erhöhte. Doch zugleich der fast schon verzweifelte Appell, abgefasst im lockeren Duz-Stil: «Haltet Euch mit Spekulationen und Diskussionen zurück!»

Denn im Netz hatten schnell Gerüchte die Runde gemacht, dass es auch an anderer Stelle in München – etwa am Stachus – einen Zwischenfall gegeben habe. Das erzeugte viel Unsicherheit, erwies sich aber ebenfalls als falsch.

Sorge wegen Fotos und Videos

Doch die grösste Sorge der Polizei waren all die Fotos und Videos, die Augenzeugen des Geschehens ins Netz stellten. Denn die Beamten wollten vermeiden, dass der oder die Täter im Internet beobachten, wo etwa Polizeikräfte präsent sind. «Helft nicht den Tätern!», lautete der flehentliche Appell des polizeilichen Twitter-Teams.

Allerdings wollte die Polizei keineswegs auf die Fotos und Videoaufnahmen der Augenzeugen verzichten – schliesslich können sie für die Aufklärung der Tat sehr wertvoll sein. Deshalb schaffte die Polizei die Möglichkeit, entsprechendes Material hochzuladen.

Polizei nimmt 100 Personen auf

Als besonders nützlich erwies sich das Internet bei den Bemühungen, verunsicherten Menschen in München Hilfe anzubieten: «Offene Türen» wurden bei Twitter und Facebook für jene angeboten, die in München unterwegs waren, und nicht mehr nach Hause konnten oder wollten. Selbst die Polizei liess im Rahmen dieser Aktion rund 100 Menschen vorübergehend in ihre Räume.

Und natürlich kam per Internet auch die Anteilnahme aus aller Welt nach München: Unter den Hashtags «prayforgermany» und «prayformunich» posteten Menschen aus aller Welt Sprüche und Symbole – darunter eine schwarz-rot-goldenes Emoticon mit traurigem Blick und einer dicken Träne im Gesicht.

Täter nutzte Internet

Doch auf besonders verheerende Weise nutzte möglicherweise auch der 18-jährige Todesschütze das Netz: Die Polizei geht dem Verdacht nach, dass er einen Facebook-Account hackte, um besonders junge Leute in die McDonalds-Filiale am Olympia-Einkaufszentrum zu locken. «Er würde da spendieren was sie wollen, aber nicht so teuer», beschrieb der bayerische LKA-Präsident Robert Heimberger die mutmassliche Ankündigung des Amokläufers im Internet.

Obwohl der Amoklauf beendet und der Täter tot ist, geht der Kampf der Polizei München weiter. Sie fordern Social-Media-Nutzer auf, keine Bilder der Opfer zu veröffentlichen.

(foa/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mister1234 am 23.07.2016 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesellschaft von heute...

    Schöne Aktion mit den offenen Türen. Aber krass, dass es einigen Menschen in den Sinn kommt Bilder von Opfern zu machen und diese dann evtl. noch im Internet hochladen...

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  • Bartli am 23.07.2016 20:28 Report Diesen Beitrag melden

    Wohl mehr Fluch wie Segen

    Für Infos Spitze aber die Kriminalität im Internet ist erheblich.

  • Betroffen am 23.07.2016 21:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fotos von Täter

    Warum all die Fotos, sie nützen niemandem etwas. Auch die Veröffentlichung der Fotos vom Täter, er ist tot, aber seine Familie muss weiter leben. Die Medien sollten sich auch zurücknehmen!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Solene am 24.07.2016 22:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine verbloedete Gesellschaft

    Sicher mag dass Internet gute und praktische Seiten haben. Aber es hat vor allem schlechte ! Die Menschheit wird faul und sitzt nur noch am Handy (sah eine 4 koepfige Familie im Urlaub waehrend des Essens - jeder auf seinem Handy - so kann man ja gleich Zuhause bleiben und allein essen). Viele spionnieren mit dem Handy Ihren Partner aus oder beleidigen andere Leute per Internet. Schade um die Zeit ohne Internet. Was uns damit wartet ? Sozialfaelle, Uebergewichtige, Suechtige die einen Psychiater brauchen und eine verbloedete Egoistische Gesellschaft die immer weiter runterrutscht. Ade Respekt und Anstand.

  • AM am 24.07.2016 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterwegs

    Ich bin selber Regelmässig mit meinem Sportgewehr unterwegs. Dies im ÖV und an Diverse Orte und mit der Verjacke. Ich hatte noch nie Probleme.

    • Sportler am 24.07.2016 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @AM

      Super, dass es auch mit einem Sportgewehr noch möglich ist, in der Öffentlichkeit zur Sportstätte zu spazieren. Super sache.

    • Sid Fuchs am 24.07.2016 22:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sportler

      Ja, ja, Sport ... Ich hoffe, ihr bekommt demnächst Besuch von Ordnungskräften.

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  • t aus v am 24.07.2016 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wieso?

    ja es ost traurig das 9 menschen auf so eine art sterben mussten, aber wen interessiert es eigentlich was in kabul(80 tote), bagdad(250 tote) usw geschieht? alle schreien, weinen und beten für münchen, nizza, paris usw. was ist mit dem rest? ist deren leben so viel weniger wert als unseres? was ist mit dieser welt passiert? wie können wir, die im wohlstand leben, so dermassen egoistischbund blind durchs leben gehen?

    • dmatt am 24.07.2016 14:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @t aus v

      Das liegt in der Natur des Menschen. Die Anschläge hier sind um die Haustüre. Das subjektive Sicherheitsgefühl schwindet. Terroranschläge hatten wir immer rund um den Globus. Meistens waren sie aber nich in Europa. Sobald aber etwas in der sogenannten "zivilisierten" Welt passiert steigt die mediale Präsenz und die Betroffenheit. Es sicher nicht fair gegenüber den Opfern in Kabul, aber es ist leider ein Faktum. Wir würden erschrecken wenn wir alle gewaltsamen Todesfälle auf der Welt am Tag des Amoklauf in München aufzählen würden. Trost zu Spenden hilft - ach einem selbst.

    • t aus v am 24.07.2016 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @dmatt

      starke und ausführliche antwort! danke jedoch muss man bedenken das mit der flüchtlingskriese auch immer mehr afghanen, iraker usw hier in europa leben. wie werden die sich fühlen wenn man ihren landsleuten kein stück trost schenkt?

    • Realität am 24.07.2016 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @t aus v

      Leider werden wir immer mehr solche Taten erleben. Wir geben gern die Verantwortung weiter an Internet. Für all in das gelobte Land eingewanderten, wird langsam klar, weder Arbeit noch Haus wartet auf sie.

    • Zukunft am 24.07.2016 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realität

      wir haben nicht auf euch gewartet.

    • toni am 24.07.2016 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @t aus v

      weil es unsere nachbarn sind.. zbs in saudi arabien oder kuwait interessiert es auch nicht was in d oder nizza passiert... akzeptiert es doch! die in bagdad oder kabul bringen sich gegenseitig um...

    • Jean am 24.07.2016 21:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @toni

      bravo gut genau so ist es.

    • tbu am 24.07.2016 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jean

      nichts gut ausserdem ist es überhaupt nicht so!

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  • max62 am 24.07.2016 13:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hat eigentlich schon

    irgendein Politiker die Dampfblase mit der Verschärfung der Waffengesetze rausgelassen?

    • V. Klewer am 24.07.2016 16:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @max62

      Ja. Der Schutz vor Dekowaffen soll verbessert werden. So eine hat der Täter im Darknet besorgt. Gut von Ihnen, dass Sie an das Thema erinnern.

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  • Rechner am 24.07.2016 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neues

    Mit dem ersten Computer wurde der Untergang prognostiziert!