«Wie im Horrorfilm»

15. Juni 2011 23:25; Akt: 16.06.2011 05:58 Print

Das Schlangen-Haus in Idaho

von Jessie Bonner, AP - Der Traum vom eigenen Häuschen wurde für eine junge Familie in den USA zum Horror. Ihr neu erworbenes Eigenheim war von hunderten Schlangen befallen.

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Das Haus mit seinen fünf Schlafzimmern liegt idyllisch auf einem fast 8000 Quadratmeter grossen Grundstück auf dem Land im US-Staat Idaho. Für 180 000 Dollar erschien es Ben und Amber Session wie ein Schnäppchen. Doch das Traumhaus stellte sich für die junge Familie nach dem Einzug rasch als grösster Albtraum heraus: Es ist von hunderten Schlangen befallen.

Die Sessions lagen nach eigenen Angaben nachts wach und lauschten dem Schlängeln in den Wänden. «Es war wie in einem dieser Horrorfilme», sagte der 31-jährige Familienvater. Manchmal schien sich das Grundstück um das Haus in der Nähe der Stadt Rexburg zu bewegen, weil es von so vielen Strumpfbandnattern übersät war.

Ben Sessions stand jeden Morgen vor seiner Frau und den beiden kleinen Söhnen auf, um zu überprüfen, dass über Nacht keine Schlange ins Haus gelangt war. Das klappte nicht immer. Eines Tages hörte er aus der Waschküche einen Schrei seiner damals schwangeren Frau, die fast auf eine Schlange getreten war. Er fand seine Frau, die in Panik auf die Waschmaschine gesprungen war. «Ich hatte Angst, dass sie eine Fehlgeburt haben würde», sagte Ben Sessions.

42 Schlangen an einem Tag getötet

Die Familie lud Angehörige als Zeugen ein und machte Fotos. Auf dem Höhepunkt der Plage tötete Sessions an einem Tag 42 Schlangen, bis er beschloss, dass er das nicht mehr schaffte. Er habe einen Krieg gegen den Schlangen geführt, sagt er, und «sie haben gewonnen».

Gegen den Verkäufer hatten die Sessions wenig in der Hand, als sie sich nach nur drei Monaten schliesslich zum Auszug entschieden: Beim Kauf im September 2009 waren sie schriftlich darauf hingewiesen worden, dass sich in dem Haus Schlangen befänden. Doch der Makler hatte dem jungen Paar versichert, dass die Reptilienplage nur eine Erfindung des Vorbesitzers sei, und die Sessions entschlossen sich zum Kauf.

Ein Nachbar, Dustin Chambers, äusserte nun Bedauern darüber, dass er die Familie nicht rechtzeitig habe warnen können. «Es hat mir leidgetan», sagte er. «Als wir erfahren haben, dass jemand das Haus gekauft hat, sind sie (die Sessions) schon eingezogen. Es war zu spät.» In Rexburg, einer kleinen College-Stadt im Südosten von Idaho, sei das Haus schon lange als «Schlangenhaus» bekannt. Grund für die Plage ist nach Angaben von Biologen vermutlich, dass das Haus einst auf einem Winterlager von Schlangen erbaut wurde.

Am Tag nach der Geburt ihrer Tochter im Dezember 2009 zogen die Sessions aus und meldeten Privatinsolvenz an. «Wir werden nicht für ein Haus voller Schlangen bezahlen», sagte Ben Sessions. Seine Frau erklärte: «Es war einfach so stressig. Es war, als lebten wir in der Hölle, anders kann man es nicht ausdrücken.»

Nachbar will jetzt alle Interessenten warnen

Das Haus wurde schliesslich von der Bank JP Morgan Chase gekauft, sein Wert wurde im Januar mit 109.200 Dollar angegeben. Chase hat nach eigenen Angaben noch nicht entschieden, was aus dem Schlangenhaus werden soll. Zum Verkauf steht es zurzeit nicht.

«Es ist nicht richtig, dieses Haus immer wieder zu verkaufen», sagte Ben Sessions. Er und seine Frau litten immer noch unter Albträumen und post-traumatischem Stress und hätten sich finanziell noch nicht wieder erholt.

Nachbar Chambers will nun jedenfalls alle Interessenten frühzeitig warnen. «Wenn wir jetzt jemanden sehen, sagen wir ihm Bescheid», sagte er. «Es soll niemand mehr in die gleiche Falle tappen.»