Katastrophe in Neuseeland

06. September 2010 18:32; Akt: 06.09.2010 18:33 Print

Das grosse Beben kommt erst noch

Das schwere Erdbeben in Christchurch hat die Experten überrascht. Zwar haben sie grössere Erdstösse auf der Südinsel erwartet – allerdings nicht in dieser Region.

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In Christchurch herrscht nach wie vor Notstand, gleichzeitig sind die Aufräumarbeiten im Gang. Rund 98 Prozent aller Häuser konnten laut der Zeitung «New Zealand Herald» bis Montagabend wieder ans Stromnetz angeschlossen werden, trotz anhaltenden Nachbeben. Ken Gledhill vom staatlichen Forschungsinstitut GNS, das sich unter anderem mit Naturkatastrophen beschäftigt, warnte vor neuen Erdstössen bis Stärke 6: «Die Leute sollten sich in acht nehmen, wenn sie sich im Umfeld von beschädigten Gebäuden aufhalten.»

Wie durch ein Wunder forderte das schwere Beben vom frühen Samstagmorgen direkt keine Todesopfer. Rose Lennon und ihr Sohn Myles, die in einem beschädigten Gebäude einen Antiquitätenladen führen, konnten am Montagmittag allerdings nur knapp entkommen, als ein Nachbeben der Stärke 4,5 die Stadt erschütterte. «Es gab grosse Risse in den Wänden, Staub und Wasser fielen herab. Das ganze Gebäude wurde durchgeschüttelt, es war furchterregend», sagte Rose Lennon dem «New Zealand Herald».

Seit 16 000 Jahren Ruhe

In Neuseeland bebt die Erde relativ häufig, der Inselstaat gehört zum Pazifischen Feuerring (siehe Box). Das Beben in Christchurch hat die Experten dennoch überrascht. «Vor Samstag hat nichts auf eine aktive Verwerfung in der Region Canterbury hingedeutet», erklärte GNS-Forscher Kelvin Berryman gegenüber TVNZ. Anhand der Gesteinsschichten könne man schliessen, dass sich die Verwerfung seit rund 16 000 Jahren nicht mehr bewegt habe, so Berryman weiter. Erdbebenforscher warnen, dass es sich nicht um das grosse Beben handelt, das in absehbarer Zeit auf der Südinsel Neuseelands erwartet wird.

Der Geologe Richard Norris von der Universität Otago hatte im Februar nach dem Beben in Chile prognostiziert, in den nächsten 50 Jahren sei ein Erdstoss bis Stärke 8 zu erwarten. Dieses werde jedoch nicht in der Gegend von Christchurch stattfinden, sondern in den neuseeländischen Alpen, erklärte Norris am Sonntag in der «Sunday Star-Times». Dort komme es etwa alle 300 Jahre zu einem Beben der Stärke 7,5 bis 8, «und seit dem letzten sind rund 300 Jahre vergangen», so Richard Norris weiter.

Wiederaufbau dauert ein Jahr

Vorerst aber geht es um den Wiederaufbau in Christchurch. Der neuseeländische Ministerpräsident John Key schätzt die Schäden auf gegen 1,5 Milliarden Franken. Das Beben werde die Erholung der Wirtschaft nach der Rezession bremsen, gleichzeitig könne der Wiederaufbau auch die Konjunktur ankurbeln. Dieser werde rund ein Jahr dauern, meinte der Regierungschef weiter. Er will am Freitag wie geplant eine Europareise antreten.

(pbl)