Narco-Mami

04. März 2015 22:59; Akt: 05.03.2015 08:52 Print

Das ist die gefährlichste Frau von Mexiko

Enedina Arellano Felix leitet seit Jahren das Tijuana-Drogenkartell. Ihr Erfolgsgeheimnis? Sie ist kein Macho.

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Enedina Arellano Felix steht im Visier der amerikanischen Antidrogenpolizei DEA. Die Behörde hält die 53-Jährige für die «mächtigste Frau im Drogen-Business». Kein Wunder: Enedina alias Narco-Mami alias La Jefa ist seit 2008 Chefin des Tijuana-Kartells, eines der einflussreichsten Drogenkartelle Mexikos.

Die Führung des Familiengeschäfts war immer in den Händen von Männern. Wie also kommt Enedina zu ihrer Machtposition? Dank der Polizei und den Killern der Konkurrenz.

2002 begann das Familiendebakel

Der Familienname Arellano Felix steht in Mexiko für Kokainhandel und Kriminalität. Die Grossfamilie gründete 1989 das Tijuana-Kartell und gehörte zwei Jahrzehnte lang zu den mächtigsten Drogenmafias im Land. Anfang der 2000er-Jahre änderte sich das: Als die mexikanische Polizei im Jahr 2002 das damalige Oberhaupt Ramón Arellano Felix erschoss, begann das Familiendebakel.

Ramóns Bruder Benjamín übernahm die Führung des Kartells – und wurde einen Monat später festgenommen. Es folgte dessen Bruder Francisco Javier, doch auch er hielt sich nicht lange: 2006 wurde er in den USA verhaftet. Der nächste Bruder, Eduardo, trat auf den Plan – und wurde zwei Jahre später in Tijuana gefasst. Daraufhin übernahm der junge Francisco Rafael das Kommando. Der Neffe der vorherigen Mafiabosse wurde im Oktober 2013 während einer Party in Los Cabos von einem als Clown verkleideten Killer erschossen.

Mit Narco-Mami begann die Wende

Dann schlug die Stunde von Enedina Arellano Felix. Die jüngste Schwester der Kartell-Gründer übernahm das Kommando. Die damals 47-Jährige kannte das Geschäft bestens: Jahrelang hatte sie die Bücher der Familienbande geführt und Phantomfirmen gegründet, um die Drogengelder zu waschen.

Als sie die Führung des Kartells zusammen mit ihrem Sohn Fernando Sanchez Arellano, alias El Ingeniero (der Ingenieur) übernahm, erhielt sie die Spitznamen Narco-Mami (Drogenmutti) und La Jefa (die Chefin). Im Juni 2014 wurde ihr Sohn Fernando verhaftet, als er sich das WM-Spiel zwischen Mexiko und Kroatien ansah. Seither macht Narco-Mami Enedina alleine weiter.

Kooperation statt Krieg

Die US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA glaubte damals, dass es mit dem Drogenclan bald vorbei sein würde. Der Fall der Brüder Arellano Felix sei ein Zeichen dafür, dass das einst starke Tijuana-Kartell dezimiert worden sei. «Es ist nur eine Hülle dessen, was es einmal war», hiess es in einem DEA-Bericht.

Offenbar nicht: Laut der mexikanischen Zeitung «El Diario» hat Enedina die kriminelle Organisation erfolgreich umstrukturiert. Dabei verhielt sie sich sehr pragmatisch: Statt den grössten Feind ihrer Familie, das Sinaloa-Kartell, zu bekämpfen, schloss sie mit dem Gegner einen Pakt.

Das Tijuana-Kartell arbeitet seither ungestört in den Gebieten Rosarito, Soler und El Cacho, schreibt auch das Nachrichtenportal Notimundo. Das Erfolgsgeheimnis der Chefin? Sie rede wenig, stehe jeden Tag früh auf und gehe – im Unterschied zu ihren blutrünstigen Brüdern – Konflikten aus dem Weg, schreibt «El Diario»: «Enedina hat nicht die Machtallüren der anderen Drogenbosse.»

(kle)