US-Armee

23. Februar 2011 08:39; Akt: 23.02.2011 10:42 Print

Das letzte Gefecht von «Big John»

Die US-Marine sucht einen Abnehmer für den ausgedienten Flugzeugträger «USS John F. Kennedy». Gar nicht so einfach bei einem Giganten aus 80 000 Tonnen Stahl.

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Sein Spitzname ist «Big John». Er hat 38 Dienstjahre auf dem Buckel und ist der letzte seiner Art. Nach 18 grossen Einsätzen, zuletzt gegen die Taliban und Al Kaida in Afghanistan, hat der letzte nicht atombetriebene Flugzeugträger der USA ausgedient.

Seit 2008 liegt die «USS John F. Kennedy» in Philadelphia auf dem Altenteil - und seinem ehemaligen Dienstherrn auf der Tasche. Deshalb will die US-Marine «Big John» als Museumsschiff stiften. Verschrotten würden ihn die Admiräle nur ungern. Doch nicht viele Abnehmer kommen in Frage, wenn es um einen 321 Meter langen, gut 80 000 Tonnen schweren Stahlgiganten geht.

Anfangs gab es mehrere Interessenten, darunter Investoren aus Florida und eine Organisation aus Maine, die das Schiff im Hafen von Portland ausstellen wollte. Doch seit Beginn der letzten Bewerbungsrunde Anfang Februar ist nur noch ein Kandidat im Rennen: Das «USS John F. Kennedy Aircraft Carrier Project», eine Gruppe von Marine-Enthusiasten aus Rhode Island mit dem Vietnam-Veteranen Frank Lennon an der Spitze.

Lennon, ehemaliger Elitekämpfer der US-Luftwaffe, leitet heute das Luftfahrtmuseum Rhode Island Aviation Hall of Fame in Providence. Er will den Flugzeugträger in die Narragansett Bay holen und in eine Mischung aus Denkmal, Museum, Ausbildungsstätte und Unterhaltungszentrum verwandeln.

So könnten die Besucher künftig die Expeditionen des Meeresarchäologen Robert Ballard im Bordkino live mitverfolgen. Ballard hatte unter anderem 1985 das Wrack der Titanic gefunden.

Grauer Riese versperrt Aussicht

Lennon zählt die Vorteile auf, die «Big John» dem kleinsten US-Staat mit seinen notorisch knappen Kassen bringen soll: laut Wirtschaftlichkeits-Gutachten 500 neue Arbeitsplätze, pro Jahr bis zu 350 000 Besucher und mehr als drei Millionen Dollar Steuereinnahmen.

Und eine Menge Platz, denn allein der Laderaum des Flugzeugträgers entspricht einem sechsstöckigen Warenhaus auf der Fläche eines ganzen New Yorker Strassenblocks. Bei einem Blackout könnten die Schiffsgeneratoren Strom liefern.

Zuvor sind aber noch einige Hürden zu nehmen. Nicht von ungefähr mussten die Konkurrenten aus Portland aufgeben, wo das Projekt Ende Januar im Stadtrat durchfiel. Längst nicht jeder will solch einen grauen Riesen im Hafen, wie Ratsherr David Marshall vor der Abstimmung befand: «Er würde vielen Leuten die schöne Aussicht ruinieren, und für die Stadt könnte er zur finanziellen Belastung werden.»

Unterstützung aus Kennedy-Clan

Auch rund um die Narragansett Bay seien Gegenstimmen laut geworden, räumt Lennon ein. «Aber hier sieht man die Navy insgesamt sehr positiv, und das gilt auch für unser Projekt.» Rhode Island habe eine lange Marine-Tradition. «Die Leute sind es gewohnt, Kriegsschiffe in der Bucht zu sehen.»

Zu den Befürwortern zählt auch der Gouverneur des Staates, Lincoln Chafee. Und mit Patrick Kennedy, einem Neffen des ehemaligen US-Präsidenten, macht sich ein Mitglied des Kennedy-Clans für den Flugzeugträger stark.

Schon aus familiären Gründen gehöre die «USS John F. Kennedy» nach Rhode Island, behaupten die Fans. Schliesslich hat Namensgeber JFK 1953 seine Jackie in Newport geheiratet. In Jacquelines Elternhaus, der Hammersmith Farm, verbrachte er als Präsident später so viel Zeit, dass man es als «Weisses Sommer-Haus» bezeichnete. Und es war John F. Kennedys kleine Tochter Caroline, die vier Jahre nach seiner Ermordung das stolze Schiff mit Champagner taufte.

Bleibt die Frage des Geldes. Geschätzte 12,5 Millionen Dollar soll das Projekt kosten. Rund neun Millionen haben Lennon und seine Mitstreiter nach eigenen Angaben bereits zusammen. «Wir sind überzeugt, dass wir die technischen Anforderungen erfüllen. Aber die Navy wird ihr Okay erst geben, wenn wir die restlichen dreieinhalb Millionen haben», sagt Lennon. Finden sich nicht genug Spender, bleibt für «Big Johns» letzte Fahrt wohl nur noch ein Ziel: der Schiffsfriedhof.

(sda)