Opfer klagen an

28. April 2011 13:19; Akt: 28.04.2011 13:55 Print

Das unselige Schweigen des Papstes

Missbrauchsopfer haben gegen die Seligsprechung des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. protestiert. Zu lange habe er die Ohren vor sexualisierter Gewalt in der Kirche verschlossen.

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Der Leichnam von Papst Johannes Paul II. wird zur Aufbahrung in den Petersdom in Rom getragen, 4. April 2005. (Bild: Keystone/AP)

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Die für Sonntag geplante Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. stösst auf Widerstand. «Sexualisierte Gewalt ist tief in der Kultur und Praxis der katholischen Priester und Bischöfe verwurzelt, sogar noch tiefer verwurzelt, weil Johannes Paul II. jahrzehntelang Misshandlungen im Wesentlichen tolerierte», erklärte die Präsidentin und Gründerin der US-amerikanischen Organisation für Opfer von sexualisierter Gewalt und Missbrauch durch Priester (Snap), Barbara Blaine.

Auch Norbert Denef, der Vorsitzende des Netzwerks Betroffener von sexualisierter Gewalt (netzwerkB.org), kritisierte die Seligsprechung des 2005 verstorbenen Papstes: «Anstatt einen toten Papst seligzusprechen, sollte die Kirche den Opfern helfen», sagte er der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» vom Donnerstag.

«Nicht nur für mich persönlich, sondern weltweit für viele Opfer, die als Mädchen und Jungen in der Amtszeit von Papst Johannes Paul II. missbraucht wurden, ist diese Seligsprechung Salz in ihre tiefen, noch immer frischen Wunden», sagte Denef.

Langes Schweigen

Ein Skandal um sexuellen Missbrauch durch Geistliche vor allem in Irland und Deutschland hatte im vergangenen Jahr die katholische Kirche erschüttert. Auch in der Schweiz wurden Fälle aufgedeckt, unter anderem im Kloster Einsiedeln. Papst Benedikt XVI. reagierte mit einem Ruf nach Durchgreifen, Transparenz und vorbeugenden Strategien.

Sein Vorgänger Johannes Paul II. hatte jahrelang zu Missbrauchsvorwürfen geschwiegen. Erst im März 2000 bedauerte er die Sünden der «Söhne der Kirche» in zwei Jahrtausenden.

2002 hatte der polnische Pontifex angesichts sich häufender Nachrichten aus den USA über sexuellen Missbrauch in der Kirche schliesslich angeordnet, dass solche Fälle stets und umgehend dem Vatikan gemeldet werden müssen.

Der Seligsprechungsprozess von Papst Johannes Paul II.

(sda)