Nazi-Scherge

29. April 2009 13:48; Akt: 29.04.2009 16:03 Print

Der «Henker von Ommen» ist tot

von Daniel Huber - Er war Mitglied der Waffen-SS, wurde nach dem Krieg in Holland zum Tod verurteilt und floh aus dem Gefängnis nach Deutschland. Jetzt ist Herbertus Bikker gestorben.

storybild

Als SS-Mann automatisch Deutscher geworden: Bikker 2003 im Landgericht Hagen (Bild: Frank Augstein)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der «Beul van Ommen» («Henker von Ommen»), wie Bikker in den Niederlanden genannt wird, ist bereits im letzten November gestorben, doch erst heute bestätigte die Polizei im deutschen Hagen eine entsprechende Meldung der niederländischen Zeitung «De Pers».

Freiwillig an der Ostfront

Der gebürtige Niederländer Bikker war 1949 in seinem Heimatland zum Tod verurteilt worden. Ihm wurden zwei Morde, darunter an dem holländischen Widerstandskämpfer Jan Houtman, und sein Verhalten im holländischen Arbeitslager Erica bei Ommen – wo er seinen wenig schmeichelhaften Beinamen erwarb – zur Last gelegt. Bikker war zudem Mitglied der Waffen-SS und als Freiwilliger in Russland.

Nachdem sein Todesurteil in eine Haftstrafe umgewandelt worden war, sass Bikker im «Koepelgevangenis» von Breda ein. Dort gelang ihm Ende 1952 zusammen mit sechs anderen Häftlingen die Flucht. Bikker floh über die Grenze nach Westdeutschland, wo er als Ex-SS-Mann – aufgrund eines Führererlasses vom Mai 1943 – als deutscher Staatsangehöriger galt. Damit entzog er sich dem Zugriff der niederländischen Justiz.

Zunächst lebte der «Henker von Ommen» unbehelligt im westfälischen Hagen. Er hatte eine Deutsche geheiratet, die von seinen Kriegsverbrechen nichts wusste, und arbeitete in einem Gartenzentrum. Doch 1972 wurde er von einem niederländischen Journalisten in seinem deutschen Exil aufgestöbert. Bikker sprach in einer Scheune mit dem von einem Fotografen begleiteten Zeitungsmann, geriet aber in Wut, als er bemerkte, dass seine Äusserungen heimlich aufgenommen wurden. Mit einem Beil bedrohte er die Presseleute, die nur knapp entkamen.

Schwächeanfall vor Gericht

Schliesslich begann sich die deutsche Justiz doch noch für Bikker zu interessieren. Zu spät: Nach einem Schwächeanfall des Angeklagten musste der Prozess – einer der letzten gegen einen Nazi-Verbrecher – abgebrochen werden. 2004 stellte das Landgericht Hagen das Verfahren wegen andauernder Verhandlungsunfähigkeit endgültig ein.

Danach lebte Bikker unbehelligt weiter in seiner Wohnung in Haspe bei Hagen, wo er im November 2008 93-jährig eines natürlichen Todes starb. Sein Nachbar erzählte der Zeitung «De Pers»: «Er bekam keinen Besuch von Freunden oder Verwandten. Die Polizei musste die Tür aufbrechen. Er war kurz vorher, höchstens ein paar Tage, gestorben.»