Chapo Guzmán

13. Juli 2015 16:50; Akt: 13.07.2015 16:50 Print

Der «Kleine» mit der grossen Macht

Drogenbaron Joaquín Guzmán gelingt zum zweiten Mal die Flucht aus einem mexikanischen Hochsicherheitsgefängnis. Wie tickt der Mann, den alle «El Chapo» nennen?

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Es ist die zweite geglückte Flucht von Drogenboss Joaquín «El Chapo» Guzmán. Am Wochenende brach der ehemalige Chef des Drogenkartells Sinaloa durch einen eineinhalb Kilometer langen Tunnel aus dem Hochsicherheitsgefängnis Altiplano aus. Er hatte dort seit Februar 2014 in Haft gesessen.

Seine Biografie

Mit vollem Namen heisst «El Chapo» Joaquín Archivaldo Guzmán Loera. Seine Körpergrösse – wird mit 1,55 Meter oder 1,68 Meter angegeben – trug ihm den Übernamen «El Chapo» («der Kleine») ein. Seine Statur steht allerdings in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis zu seiner Macht im Drogenbusiness und zu seinem Vermögen, das 2010 auf eine Milliarde Dollar geschätzt wurde. Um den Drogenboss ranken sich seit Jahren zahlreiche Mythen. So kennt kaum jemand Guzmáns Geburtsdatum. Laut Interpol ist er am 4. April 1957 in Badiraguato in den Bergen des Bundesstaates Sinaloa geboren. Andere Behörden geben seinen Geburtstag mit dem 25. Dezember 1954 an.

Seine Frauen

Das Liebesleben von «Chapo» scheint wie aus einer Telenovela gegriffen: Viermal sei er verheiratet gewesem, insgesamt neun Kinder von drei verschiedenen Frauen soll er haben, dazu kämen zahlreiche Geliebte, schreibt die mexikanischen Zeitung «Excelsior». Während seines ersten Gefängnisaufenthalts führte Guzmán eine Beziehung mit der Gefangenen Zulema Hernández. Nachdem er 2001 ein erstes Mal aus einem Hochsicherheitsgefängnis geflohen war, heiratete er 2007 die 18-jährige Schönheitskönigin Emma Coronel Aispuro. Mit ihr hat er Zwillingsmädchen. «El Chapo» sei von Frauen besessen. «Er muss ständig das Gefühl haben, verliebt zu sein», heisst es im Bericht von «Excelsior». Die Frauen nehme er sich, «ob sie nun wollen oder nicht».

Seine Anfänge

Seine Karriere verdankt «El Chapo» Guzmán seinem Onkel Pedro Avilés Perez. Die Familie Guzmán führte im ländlichen La Tuna eine kleine Viehranch und lebte in ärmlichen Verhältnissen. Der Onkel suchte Mitte der Siebzigerjahre nach Möglichkeiten, die Produkte der Ranch schneller vom Land in die Stadt zu transportieren. Dabei kam er auf die Idee, kleine Flugzeuge einzusetzen. Ohne es zu ahnen, wurde er dabei zu einer Schlüsselfigur in den Plänen des jungen Guzmán. Jahre später sollte «El Chapo» der erste mexikanische Drogenboss sein, der für den Transport von tonnenschweren Ladungen Kokain aus Kolumbien über Mexiko in die USA kleine Flieger benutzte.

Sein Kartell

Den Grundstein legte er Ende der 1970er-Jahre: Guzmán brachte seine Drogenladungen bereits regelmässig mit Flugzeugen aus der mexikanischen Sierra in die urbanen Regionen. Héctor «El Güero» Luis Palma Salazar machte ihn Anfang der 1980er-Jahre mit Miguel «El Padrino» Angel Felix Gallardo bekannt – und verhalf Guzmán so zum Durchbruch. «El Chapo» koordinierte den Drogenschmuggel fortan nicht nur in der Region Guadalajara, sondern auch im Gebiet Sonora. Nachdem Felix Gallardo 1989 verhaftet worden war, übernahm Guzmán die Kontrolle ganz und wurde zum Drogenboss des mächtigen Sinaloa-Kartells. Dieses operiert in 17 von 31 mexikanischen Bundesstaaten, ist in 53 Länder vertreten und pflegt Geschäftsbeziehungen nach China, Thailand und Indien.

Ab Mitte der 90er-Jahre begann das Kartell, seine «Produktpalette» auszuweiten: Hatte der Boss bisher den Kolumbianern den Betrag für das Kokain ausbezahlen müssen, konnte er nun doppelt so viel verdienen, indem er zu den Ladungen aus Südamerika Amphetamin aus eigener Produktion hinzufügte.

Seine erste spektakuläre Flucht

Nach seiner ersten Verhaftung in Guatemala 1993 wurde Joaquín Guzmán in Mexiko zu 20 Jahren und 9 Monaten Haft im Hochsicherheitsgefängnis Puente Grande im Bundesstaat Jalisco verurteilt. Bestechliche Wärter ermöglichten dem Drogenboss die Flucht: Am 19. Januar 2001 schmuggelte der Wärter Francisco Camberos den Drogenbaron in einem Wäschetransporter aus dem Gefängnis heraus. Insgesamt 72 Personen waren an der spektakulären Flucht beteiligt – «El Chapo» hatte sich seine Freiheit rund 2,5 Millionen Dollar kosten lassen.

Die USA setzten eine Belohnung in Höhe von fünf Millionen Dollar auf Hinweise zu seiner Ergreifung aus. Die Stadt Chicago erklärte Guzmán zum «Public Enemy Number One» – eine «Ehre», die zuletzt Al Capone zuteil geworden war.

(kle)