Lukratives Grillen

05. Juni 2011 10:36; Akt: 05.06.2011 11:52 Print

Der Aufstieg von «Grill-Ueli» und Co

von Joel Bedetti - Mit dem Grill-Boom haben auch die Helden hinter dem Rost einen neuen Stellenwert bekommen: Aus den Wurstbrätlern sind gefeierte Barbeque-Champs geworden.

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Stars der Szene: Grill-Ueli (l.) mit Jumbo Schneider an der Messe Dornbirn und Hansruedi Wälchli bei seinem liebsten Hobby. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

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Der Grillsport hat gerade in der Schweiz einen rasanten Aufstieg hinter sich: 1995 wurde mit einer Handvoll Teams die erste nationale Meisterschaft ausgetragen. Heute besuchen tausende Schaulustige die Wettkämpfe. Grillierte man 1995 mit einfachen Grills, karren die Teams heute 1 bis 2 Tonnen Material heran. Und wer eine Chance auf einen Titel haben will, muss ein Gourmet-Menü grillieren. «Heute muss man fast einen Profi-Metzger oder Koch im Team haben, um zu gewinnen», sagt Peter Spörndli, Präsident der Swiss Barbeque Association, welche die Meisterschaften durchführt.

Doch nicht nur Anforderungen und Aufwand an den Wettbewerben sind gewachsen – auch die mediale Aufmerksamkeit hat sich vervielfacht. Und Schweizer- und Weltmeister mit der Grillzange sind zu Stars geworden. Sie lächeln auf Werbeprospekten von Grill- oder Gewürzherstellern, präsentieren auf Messen Grill-Produkte, geben TV-Interviews über die richtige Temperatur einer Bratwurst und machen Catering für die Mächtigen der Welt.

Zündwürfel und Gewürze

Zum Beispiel der Schweizer Thom Krieger, der 1999 erster Barbeque-Weltmeister wurde und heute ein auf Grillwaren spezialisiertes Catering-Unternehmen in Zug führt. Er grillierte an der Ski-WM 2001 für Putin und sein Gefolge und am Sommerfest des Formel-1-Teams von Sauber. «Der Titel hat mir Tür und Tor geöffnet», sagt Thom Krieger. Ähnlich tönt es bei Beat Jost, Barbeque-Weltmeister 2002, der in Frauenfeld ein Restaurant mit 14-Gault-Millau-Punkten führt. «Der Titel hat mir mehr gebracht als jeder Gault Millau», meint er. Wenn er wollte, so der Spitzenkoch, könnte er inzwischen davon leben, Grill-Kurse zu geben. «Die Nachfrage ist enorm gross.»

Deshalb entdecken auch die Produzenten von Grill-Utensilien das Potenzial der Barbeque-Helden. An den Meisterschaften ist es inzwischen üblich, dass Metzgereien sowie Hersteller von Grills, Gewürzen, Zündwürfeln oder Gas die Barbeque-Helden bewerben.

Medienstars

Auch die Medien reissen sich zunehmend um die Champs hinter dem Rost. Ihre beiden Helden heissen Hansruedi Wälchli und «Grill-Ueli». Wälchli, der 1995 erster Schweizermeister, später auch Europa- und Weltmeister wurde, leitet eigentlich die Küche in einem Zürcher Altersheim. Er tritt regelmässig in Zeitungen und Fernsehen auf, dreht für die Schweizer Firma «König Grill» Werbespots und gibt Grillkurse. Mit 20 Minuten Online wollte er nicht über seine Engagements reden.

Der Shooting-Star der Branche ist aber zweifelsohne Metzgermeister Ueli Bernold alias «Grill-Ueli». Er hat für fast jedes Grillutensil (vom Grillgas über die Kleidung zu Gewürzen) einen Sponsoring-Vertrag, grilliert Bratwürste bei «SF bi de Lüt», hat von seinem Grillrezept Buch 5000 Exemplare verkauft und gibt dieses Jahr nach eigenen Angaben 220 Grillkurse. «Der Boom in den letzten fünf Jahren war enorm. Als ich vor 30 Jahren mit den Grillkursen anfing, waren es vier pro Jahr», sagt Bernold. Mit all den Cateringanfragen könnte er problemlos vom Grillen leben. Doch das will «Grill-Ueli» nicht. Er hange zu sehr an der Metzgerei, die er führe, sagt er. Die Grillstars sind vorerst noch auf dem Boden geblieben.

Hansruedi Wälchli auf Tele Züri:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • hans welti am 06.06.2011 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    was für ein titel!

    weltmeister im grillen was für ein titel! das restliche grillgut wird selber verspeist:-))

  • Jean Anthèlme Brillat-Savarin am 06.06.2011 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Zitat

    Übers grillieren sagte schon Jean Anthèlme Brillat-Savarin (1. April 1755 - 2. Februar 1826, franz. Schriftsteller, Philosoph und einer der bedeutendsten Gastrosophen): "On devient cuisinier mais on naît rôtisseur." Zum Koch wird man gebildet, der Bratkünstler wird geboren!

  • Oh Mann am 05.06.2011 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Sommerloch?

    Heutzutage wird auch wirklich jedes noch so simple Hobby zu einer Extrem-Sportart hochstilisiert (bestes Beispiel zur Zeit: Planking). Hier inszenieren sich ein paar Grillzangenschwinger mit teurem Equipment, die alle paar Minuten mal eine Wurst wenden, als wären sie hochdekorierte Sterneköche. Dazu braucht es weder Talent noch Können.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • hans welti am 06.06.2011 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    was für ein titel!

    weltmeister im grillen was für ein titel! das restliche grillgut wird selber verspeist:-))

  • Jean Anthèlme Brillat-Savarin am 06.06.2011 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Zitat

    Übers grillieren sagte schon Jean Anthèlme Brillat-Savarin (1. April 1755 - 2. Februar 1826, franz. Schriftsteller, Philosoph und einer der bedeutendsten Gastrosophen): "On devient cuisinier mais on naît rôtisseur." Zum Koch wird man gebildet, der Bratkünstler wird geboren!

  • Oh Mann am 05.06.2011 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Sommerloch?

    Heutzutage wird auch wirklich jedes noch so simple Hobby zu einer Extrem-Sportart hochstilisiert (bestes Beispiel zur Zeit: Planking). Hier inszenieren sich ein paar Grillzangenschwinger mit teurem Equipment, die alle paar Minuten mal eine Wurst wenden, als wären sie hochdekorierte Sterneköche. Dazu braucht es weder Talent noch Können.

    • Migi am 05.06.2011 19:38 Report Diesen Beitrag melden

      Titel.

      Talent nicht, aber Können und Hingabe schon. Wie bei allem anderen auch.

    • Fizzi am 06.06.2011 10:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Migi

      ja klar... ein Würstli zu wenden barucht schon unglaubliches können. Das kann nicht jeder.

    • Heuer am 06.06.2011 10:53 Report Diesen Beitrag melden

      Achtung

      Wahrscheinlich haben Sie noch nie einem solchen GRillkünstler zugeschaut. Eine erfahrung die man machen sollte. Glauben Sie mir, mir einer Wurst am Grill gewinnt man keine Titel. Es ist Beeindruckend, was diese Leute alles auf dem Grill zaubern.

    • Smokey Joe am 07.06.2011 07:48 Report Diesen Beitrag melden

      Oh Mann, mann, mann

      @ Oh Mann Höre ich da Neid? Oder bist du einfach frustriert? Grillen ist ein wunderbares Hobby und wenn es jemand besonders gut beherrscht finde ich solch ein Wettbewerb super!

    • Brötler am 07.06.2011 10:03 Report Diesen Beitrag melden

      kleinkarriertes denken

      Um eine Wurst zu Grillen muss man wahrlich kein Meister sein, das Stitmmt. Jedoch besteht das Grillsortiment im normalfall nich nur aus Würsten....!

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