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14. Februar 2013 07:21; Akt: 14.02.2013 12:06 Print

Der Herzinfarkt-Burger hat wieder zugeschlagen

von Martin Suter, USA - Die kolossalen Hamburger des «Heart Attack Grill» in Las Vegas haben schon zwei Nimmersatte das Leben gekostet. Dennoch macht die Herzinfarkt-Beiz munter weiter.

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Der Quadruple Bypass Burger im Heart Attack Grill: fast ein Kilogramm Hamburger mit viel Käse und noch mehr Speck. Da beisst man gerne rein! Bedient wird man von sexy Krankenschwestern, die trotz Kreuz auf dem Häubchen nichts mit der Schweiz zu tun haben. Wirt «Doctor Jon» präsentiert seinen Quadruple Bypass Burger. Vorsorge muss sein! Jeder Kunde wird im Heart Attack Grill zum Patient. Am Restaurant-Eingang wird davor gewarnt, dass es nicht unbedingt gesund ist. Als Gag inszenieren der Arzt und seine Krankenschwestern deshalb öfters auch Wiederbelebungen ihrer Patienten. Bloss Attrappe ist das Krankenauto vor dem Eingang. Im Februar 2012 musste ein echtes gerufen werden, weil ein Kunde beim Essen eines Triple Bypass Burger eine Herzattacke hatte. Blair River war die Werbefigur des Heart Attack Grill - bis der massiv übergewichtige Mann mit erst 29 Jahren starb. Im Februar 2012 fordert das Lokal sein zweites Opfer: Stammgast John Alleman erlag am 11. Februar einem Herzinfarkt, den er ein Woche zuvor erlitten hatte, als er vor dem Restaurant auf den Bus wartete. Ein Quarter und ein Quarter: als Grössenvergleich dient eine 25-Cent-Münze. Hereinspaziert in den Fresstempel! Vor dem Essen wird man als Kunde gewogen. Wer über 350 amerikanische Pfund (160 Kilos) auf die Waage bringt, isst gratis. Wer den Quadruple Bypass Burger bezwingt, wird als Belohnung von einer Krankenschwester zu seinem Auto geschoben. Für Milchshake ist das Restaurant übrigens auch bekannt. Dieser Patient scheint sich für einen anderen Dessert entschieden zu haben... Ob diese Diät hilft, Gewicht zu verlieren? Der umtriebige «Arzt» sponsort mit seinem Lokal auch die Wahl zur «Miss Plus America», einer Schönheitswahl für Übergewichtige. In die sixtinische Kapelle im Vatikan hat es der Burger aber noch nicht ganz geschafft... Die heilige amerikanische Dreifaltigkeit: Burger, Pommes Frites und Cola. Auch Frauen versuchen sich an mehr als 900 Gramm Hackfleisch. Falls Sie es trotz allem wagen wollen: Den Heart Attack Grill finden Sie an der Fremont Street in Downtown Las Vegas.

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«Achtung! Dieses Lokal schadet Ihrer Gesundheit!» In grossen roten Lettern prangt die Warnung am Eingang des berüchtigten «Heart Attack Grill» in Las Vegas. Diese Woche wurde die augenzwinkernde Botschaft auf dem Schild des Herzinfarkt-Grills bittere Wahrheit: Der Stammgast John Alleman erlag am Montag einem Herzinfarkt, den er letzte Woche erlitten hatte, als er vor dem Restaurant auf den Bus wartete.

Alleman konnte nicht von den «Single», Double», «Triple» bis «Quadruple Bypass Burgern» lassen, die in dem ungesündesten Fast-Food-Lokal des Landes serviert werden. Die Mammut-Burger bestehen aus bis zu vier aufeinander gestapelten Rindsfrikadellen mit Käsescheiben sowie einer Tomate und halben Zwiebel. Die an ein Kilo grenzende Menge Hackfleisch inklusive Beigemüse und zwei fetttriefende Brötchenhälften summieren sich auf fast 10'000 Kalorien. Als Beilage bestellen Heart-Attack-Gäste in Schweinefett gebratene Pommes Frites und Shakes auf der Basis von Buttermilch. Das Motto des Restaurants: «to die for» - zum Sterben gut.

Der Burger-Doc warnte seinen Stammgast

Seit der skurrile Laden vor eineinhalb Jahren an der Fremont Street von Las Vegas aufging, war John Alleman täglicher Stammgast. Nicht einmal Weihnachten habe er ausgelassen, sagt der Besitzer «Dr.» Jon Basso, der bei der Arbeit einen weissen Kittel trägt und ein Stethoskop umgehängt hat. Im «Heart Attack Grill» werden die Gäste zuerst in Spitalhemden gekleidet, bevor als sexy Krankenschwestern verkleidete Kellnerinnen ihnen «Rezepte» verschreiben. Wer über 160 Kilo wiegt, darf gratis essen, und wer sich zu viel zugemutet hat, der wird im Rollstuhl zum Auto geschoben.

Der 52-jährige, bloss 85 Kilo schwere Alleman mochte die spassige Atmosphäre in dem bei beleibten Touristen beliebten Restaurant. Wenn «Dr. John» nicht drinnen sass, stand er davor auf dem Trottoir und lockte Passanten an. Der Herzinfarktgrill setzte den Burger-Liebhaber sogar in einem Werbevideo ein. Besitzer Basso sagt, er habe Alleman wiederholt davor gewarnt, so häufig bei ihm zu essen. Doch der habe die Warnung in den Wind geschlagen.

Wer den Burger nicht schön fertig isst, wird von der Krankenschwester bestraft. (Video: youtube.com)


Nicht das erste verstorbene Aushängeschild

Mit Alleman verliert der «Heart Attack Grill» schon den zweiten inoffiziellen Sprecher. Im März 2011, als das Restaurant noch an seinem ursprünglichen Ort in Arizona stand, starb sein Fan Blair River an den Folgen einer Lungenentzündung. Der als «sanfter Riese» bekannte River hatte mit seiner Körperfülle Werbung für das Restaurant gemacht: Er war erst 29 Jahre alt, brachte aber 260 Kilo auf die Waage.

Seit Blairs Tod gilt für das Restaurant «Nomen est omen». Im Februar 2012 musste ein Mann in Spitalpflege gebracht werden, nachdem er die mehr als 6000 Kalorien eines «Triple Bypass Burger» in Angriff genommen hatte. Zwei Monate später protestierte das Herz einer Frau beim Biss in einen «Double Bypass Burger». Als sie am Boden lag, griffen andere Gäste amüsiert zu ihren Handy-Kameras, denn sie vermuteten, es handle sich um eine Showeinlage des Restaurants.

«Niemand wird zum Essen gezwungen»

Nach dem ersten Todesfall meldete sich ein Ärztekomitee für verantwortungsvolle Medizin zu Wort und schickte ihm einen Brief. Darin schrieben sie laut Agentur AP, der Wirt solle den «moralischen Bankrott» anmelden und das Restaurant schliessen. Diesen Dienstag stellte die Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly die Frage, ob der Besitzer des «Heart Attack Grill» womöglich vor Gericht für die Todesfälle zur Verantwortung gezogen werden könne. Zwei geladene Rechtsanwälte kamen zu unterschiedlichen Schlüssen. «Niemand wird gezwungen, etwas zu essen; die Verantwortung tragen die Gäste», sagte einer der Anwälte. Der andere hielt es für denkbar, dass dem Besitzer das Lachen im Mund stecken bleiben könnte: «Sich derart lustig zu machen, heisst, die Gesundheitsrisiken herunterzuspielen.»

Bisher scheint keine Schadenersatzklage gegen den «Heart Attack Grill» eingereicht worden zu sein. Sein Eigentümer will das Restaurant jedenfalls weiterführen. Der Tod Allemans werde ihn nicht davon abhalten weiterzumachen, sagte Jon Basso der Zeitung «Las Vegas Sun». «Der Grill ist ein Ort, wo du dich selbst sein kannst – wir akzeptieren die Menschen, wie sie sind.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steven am 14.02.2013 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Taste the waste

    Hier scheinen echte Amerika Kenner am Werk zu sein. 3 Wochen durch Kalifornien gerast, ein paar Abercrombie Shirts gekauft und schon glaubt ihr über die "Amis" alles besser zu wissen. Zum Glück gibt es in deutschsprachigen Raum kein einziges XXL Restaurant. Zum Glück isst jeder Schweizer jeden Krümel vom Teller auf und schmeisst nie, aber wirklich nie etwas weg. Zum Glück ernähren sich Herr und Frau Schweizer sehr gesund und achten immer auf regionale und saisonale Produkte. Zum Glück kauft hier im Februar niemand Spargeln aus Mexiko. Zum Glück sind wir so perfekt.....!

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  • Martin Schiegg am 14.02.2013 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Eins ist klar

    Wenn ich in Vegas bin gehe ich dort essen! Es liegt an der Eigenverantwortung. Wenn ich jeden Tag zu McDonalds und Co gehen würde würde ich wohl auch bald den Löffel abgeben. Letztens starb eine weil sie 10 Liter Cola trank. Da ist man schlichtweg selber schuld. Zudem muss ich sagen dass wohl durch Alkohol und Zigaretten definitv mehr Leute sterben...

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  • Markus W. am 14.02.2013 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    ich kann nur den Kopf schütteln

    Hey Ihr Ami-basher, guckt mal in andere Länder in denen beleibte Leute mehr Ansehen geniessen als schlanke Leute? Habt Ihr zum Beispiel schon mal was von Sumo-Ringern gehört? Die werden als Kids schon gemästet, damit sie mal zu einem Star werden. Ups, sorry, das sind ja dann nicht die Amis also geht es in Ordnung wenn sie etwas tun was Euch nicht passt. Wisst Ihr eigentlich, dass man mit der Energie die das Internet verbraucht die ganze Welt versorgen könnte? Ihr Motzer seid sowas von kleinkariert

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mara am 14.02.2013 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Burger

    Das ist mir eigentlich total egal, ich esse sowieso kein Fleisch!!!

  • Josy am 14.02.2013 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Burger

    Fressen ist krank und eine Sucht!!!

    • Markus W. am 14.02.2013 14:43 Report Diesen Beitrag melden

      sofort Alarm schlagen

      ojeee, alle Tiere sind krank und süchtig.

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  • Big Daddy am 14.02.2013 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Friteuse

    Ich würde vor dem Servieren den ganzen Burger noch in die Friteuse werfen .... passt besser ins Konzept.

    • Elias Truttmann am 14.02.2013 14:43 Report Diesen Beitrag melden

      Gibts!

      Ich glaube es gibt einen Schuppen in den USA, in dem grundsätzlich ALLES durch die Fritteuse geht, bevor es auf den Tisch wandert. Weiss leider Name und Ort nicht mehr - kam wohl in einer Folge von "Man vs. Food" vor.

    • uncharted lands am 14.02.2013 14:50 Report Diesen Beitrag melden

      uncharted

      haha, geniale Idee - ein French Tripple-Bypass-Burger :D Am besten vorher noch kurz panieren - damit alles auch besser zusammenhält ;)

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  • Martin Schiegg am 14.02.2013 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Eins ist klar

    Wenn ich in Vegas bin gehe ich dort essen! Es liegt an der Eigenverantwortung. Wenn ich jeden Tag zu McDonalds und Co gehen würde würde ich wohl auch bald den Löffel abgeben. Letztens starb eine weil sie 10 Liter Cola trank. Da ist man schlichtweg selber schuld. Zudem muss ich sagen dass wohl durch Alkohol und Zigaretten definitv mehr Leute sterben...

    • uncharted lands am 14.02.2013 14:50 Report Diesen Beitrag melden

      uncharted

      Ich werd nächstes Jahr auch hingehen und mir nen Burger genehmigen :) Ich sag mal: Solange das nicht zur Regel wird, kann es auch nicht so extrem schlimm sein... einmal in seinem Leben so was machen sollte gehen (sofern du deinen Magen nicht zum Platzen bringst) -g-

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  • Steven am 14.02.2013 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Taste the waste

    Hier scheinen echte Amerika Kenner am Werk zu sein. 3 Wochen durch Kalifornien gerast, ein paar Abercrombie Shirts gekauft und schon glaubt ihr über die "Amis" alles besser zu wissen. Zum Glück gibt es in deutschsprachigen Raum kein einziges XXL Restaurant. Zum Glück isst jeder Schweizer jeden Krümel vom Teller auf und schmeisst nie, aber wirklich nie etwas weg. Zum Glück ernähren sich Herr und Frau Schweizer sehr gesund und achten immer auf regionale und saisonale Produkte. Zum Glück kauft hier im Februar niemand Spargeln aus Mexiko. Zum Glück sind wir so perfekt.....!

    • anna maria am 14.02.2013 13:22 Report Diesen Beitrag melden

      riiiischtiiisch!

      absolutely right!! wir sind die ersten die mit dem finger zeigen, sind aber kein bisschen besser..

    • Markus W. am 14.02.2013 13:52 Report Diesen Beitrag melden

      wie recht du hast

      zum Glück gibt es Dich der die negativen Kommentare auf einen Punkt zusammenfasst - Danke!

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