02. April 2005 22:32; Akt: 03.04.2005 23:38 Print

Der Papst ist tot

Papst Johannes Paul II.ist gestern Abend gestorben. Dies teilte der Vatikan mit. «Der Heilige Vater ist um 21.37 Uhr an diesem Abend in seinem Privatzimmer gestorben», hiess es in der Mitteilung.

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Der in Polen geborene Johannes Paul stand der Römisch-katholischen Kirche mehr als ein Vierteljahrhundert vor. Er wurde 84 Jahre alt.

Sein Gesundheitszustand hatte sich am Donnerstagabend stark verschlechtert. In der Nacht zum Freitag hatte er einen Herzinfarkt und eine akute Blutvergiftung, einen septischen Schock, erlitten. Danach bangten Millionen Menschen auf der ganzen Welt um das Leben des Papstes.

Nach Angaben des Vatikans war am Samstagvormittag hohes Fieber aufgetreten. Kurienkardinal Joseph Ratzinger sagte, der Papst habe sich von ihm am Morgen verabschiedet: «Er ist sich bewusst, dass er zum Herrn geht.» Um 07.30 Uhr sei im Beisein des Papstes die Morgenmesse gefeiert worden, auch wenn er nicht mehr aktiv daran teilgenommen habe, sagte Papst-Sprecher Joaquin Navarro-Valls. Kardinal Achille Silvestrini sagte, Johannes Paul habe ihn und einen anderen Kardinal am Samstagmorgen offenbar erkannt. «Ich habe ihn entspannt und gelassen vorgefunden», sagte Silvestrini. «Er atmete ohne Mühe.» Als er das Zimmer zusammen mit einem weiteren Kardinal betreten habe, habe der Papst reagiert, indem er seine Augen bewegt habe.

Auf dem Petersplatz versammelten sich auch am Samstag wieder Zehntausende. Viele verharrten im stillen Gebet. Während einer Nachtwache formten die Gläubigen mit Kerzen den Schriftzug «con te» - «(wir sind) mit dir». Die Polizei rechnet damit, dass in den kommenden Tagen hunderttausende Pilger in Rom eintreffen.

Weltweit beteten Katholiken für den Papst. US-Präsident George W. Bush bezeichnete Johannes Paul als «treuen Diener Gottes und als Vorkämpfer für menschliche Würde und Freiheit». «Er ist eine Inspiration für uns alle.»

Im Kölner Dom versammelten sich etwa 1.500 Gläubige. «Wehen Herzens gehen unsere Gedanken nach Rom, wo der Heilige Vater dabei ist, seinen Hirtenstab abzugeben», sagte Erzbischof Kardinal Joachim Meisner. In vielen Kirchen weltweit - so etwa in Notre Dame in Paris, in der Londoner Westminster-Kathedrale, oder im Wiener Stephansdom - zündeten Gläubige Kerzen neben Fotos des Papstes an.

Johannes Paul sei «sein Leben lang auf Reisen gewesen, und dies ist seine letzte Reise», sagte Bischof Alan Hopes während einer Messe in Westminster. «Er sagte, er hat sein Leben lang nach Gott gesucht, jetzt ist Er zu ihm gekommen.» In Italien wurden alle Sportveranstaltungen für das Wochenende abgesagt. Das Postamt des Vatikans kündigte an, nach dem Tod von Johannes Paul II. eine Sonderbriefmarke herauszugeben. Sie gilt nur bis zur Wahl eines Nachfolgers.

Der Vatikan und die Stadt Rom bereiten sich schon auf die zehntausenden Gläubigen vor, die zur Beisetzung erwartet werden. Auf dem Petersplatz begannen Arbeiter am Samstag, den Baldachin abzubauen, der den Papst auf den Stufen zum Petersdom bei Freilichtmessen vor der Sonne schützen soll.

Die Vatikan-Post kündigte an, nach dem Tod von Johannes Paul II. eine Sonderbriefmarke herauszugeben. Sie gelte nur bis zur Wahl eines Nachfolgers. Traditionsgemäss sind auf der so genannten Sedisvakanz-Briefmarke zwei gekreuzte Schlüssel zu sehen, nicht aber die Kopfbedeckung des Papstes. Zuletzt war eine derartige Sondermarke 1978 nach dem Tod von Johannes Paul I. erschienen.

(ap)