Terror in Neuseeland

15. März 2019 08:05; Akt: 15.03.2019 12:01 Print

Täter verehrt Breivik und will Merkel töten

Der Attentäter von Neuseeland ist Verehrer des norwegischen Attentäters Anders Breivik – und twitterte noch Stunden vor seiner Tat.

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Zaed Mustafa (l.), der seinen Vater und seinen Bruder beim Terroranschlag vom letzten Freitag verloren hat, wird zum Freitagsgebet in Christchurch begrüsst. Neuseeland gedenkt eine Woche nach der Attacke auf zwei Moscheen der 50 Todesopfer. Sonny Fatu, Präsident des Mongrel Mobs will mit seiner Biker-Gang die Muslime beim Freitagsgebet schützen. Erste Beisetzungen: Zaed (Mitte) wird zur Beerdigung seines Vaters und Bruders gebracht. (20. März 2019) Der mutmassliche Täter hat seinen Pflichtverteidiger von seinem Mandat als Anwalt entbunden. (16. März 2019) Der 48-jährige Abdul Aziz spielte mit dem Attentäter Katz und Maus bevor er ihn in die Flucht schlug. Am Samstag verstarb das 50. Opfer der Terror-Attacke von Christchurch. (16. März 2019) Der Schock und die Trauer sind gross. Der Moschee-Attentäter von Christchurch ist am Samstag (Ortszeit) erstmals einem Richter vorgeführt worden. Er zeigte vor Medienvertretern den rechtsextremen «White Power»-Gruss. (16. März 2019) Neuseelands Regierungschefin Jacinda Ardern lobt den Mut zweier Polizisten. Sie hatten den Attentäter von Christchurch 36 Minuten nach dem ersten Notruf festgenommen Yama Nabi hat bei der Attacke seinen Vater Daoud verloren. Der 71-Jährige hat sich laut Medienberichten vor eine andere Person geworfen haben, um sie vor Brenton Tarrant zu schützen. Dafür zahlte er mit seinem Leben. In ganz Neuseeland bekunden Menschen ihre Trauer. Hier legt eine Frau Blumen vor die Moschee in Dunedin im Süden der Südinsel. 49 Kerzen brennen für die Opfer des Anschlags. Am Abend ist die Moschee in Christchurch noch immer von Polizisten umstellt. Bewaffnete Einsatzkräfte weisen Zivilisten darauf hin, den Tatort zu verlassen. Verzweifelte Angehörige stehen vor einer der beiden attackierten Moscheen und warten auf Informationen. Menschen vor der Moschee im Stadtzentrum von Christchurch sind ob des Attentats schockiert. Viele suchen noch nach ihren Angehörigen. Menschen stehen gegenüber einer Moschee in Christchurch. Mindestens 40 Menschen sollen bei einem Anschlag ums Leben gekommen sein. Der australische Premier bestätigte, dass es sich bei einem der Schützen um einen rechtsextremen Australier handelt. Dieser Mann soll der Schütze sein. Er streamte seine Tat über Social Media. Dabei richtete er die Kamera auch auf sich selbst. Im Video sieht man ausserdem mehrere Waffen auf dem Beifahrersitz, die mit Buchstaben und Symbolen übersät sind. Der Schütze trug bei seinem Angriff eine schusssichere Weste. Zudem trug er ein Symbol, das im Zusammenhang mit Hitlers SS verwendet wird. Auf die Ausrüstung hat der Schütze Namen geschrieben, darunter auch solche von anderen Attentätern. Die Bilder postete er auf Social Media. Auch die Magazine sind voller Namen. Zudem hat er migrationsfeindliche Sprüche und Symbole verwendet. Der Angriff soll in zwei Moscheen stattgefunden haben. «Ernste Lage»: Dutzende Menschen wurden zudem verletzt. Mindestens 20 Menschen wurden schwer verletzt. Die neuseeländische Polizei warnte vor einem «aktiven Schützen». Örtliche Medien berichteten, in einer Moschee habe es mehrere Opfer gegeben, eine andere sei geräumt worden. Ein Augenzeuge sagte dem Sender Radio New Zealand, er habe Schüsse gehört und vier Menschen auf dem Boden liegen gesehen, mit «Blut überall». Die Polizei rief dazu auf, im Zentrum von Christchurch nicht auf die Strasse zu gehen und jedes verdächtige Verhalten zu melden. Unklar war zunächst, wie viele Menschen sich zum Tatzeitpunkt in der Moschee aufhielten und ob die Schüsse während des traditionellen Freitagsgebets fielen. Angriff auf eine Moschee in Christchurch. Angriff auf eine Moschee in Christchurch. Auch vor dem Spital in Christchurch stehen bewaffnete Polizisten.

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Brenton Tarrant heisst der Mann, der Anschläge auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch verübt und dabei mindestens 40 Menschen erschossen haben soll. Noch Stunden vor der Tat twitterte er auf seinem mittlerweile gelöschten Account.

Im Internet verbreitete der Mann im Vorfeld der Tat ein Manifest mit dem Titel «The Great Replacement» – abgeleitet von einer rechtsextremen Verschwörungstheorie, nach der die Politiker und Führer des Westens einen Austausch der einheimischen Bevölkerung durch Muslime planen. Dort beschrieb er sich als «normalen, 28-jährigen weissen Mann». Er wolle Rache nehmen an den «Tausenden Toten, die Europa in seiner Geschichte durch ausländische Invasionen zu erleiden hatte.»

Anders Breivik als Inspiration

«Ich unterstütze viele, die gegen ethnischen und kulturellen Genozid aufstehen», schrieb er laut einem Forscher des Institute for Strategic Dialogue. Dazu gehörten etwa der Angreifer, der vor ungefähr einem Jahr in der italienischen Kleinstadt Macerata aus einem Auto auf Ausländer schoss – aber auch Anders Breivik.

Der norwegische Terrorist Breivik hatte am 22. Juli 2011 Anschläge in der Innenstadt von Oslo und auf ein Lager der Jugendorganisation der Sozialdemokraten auf der Insel Utøya verübt. Dabei waren 77 Menschen ums Leben gekommen, der grössste Teil davon Jugendliche. Breivik gilt als rechtsextrem und islamophob.

Trump als Symbol der Identität

Mit den «Ritter-Brüdern» von Breivik sei er in Kontakt gestanden, schrieb Tarrant: «Sie haben mich auf meiner Mission unterstützt». Er habe eine entsprechende Botschaft erhalten. Von Breivik habe er sich «wahre Inspiration» geholt. Gelesen haben will Tarrant auch die Schriften von Dylan Roof – jenem Attentäter, der im Juni 2015 in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina in einer Kirche neun afro-amerikanische Kirchenbesucher erschossen hatte.

US-Präsident Donald Trump sei ein «Symbol der weissen Identität und des gesunden Menschenverstand», so Tarrant. Als Symbol dafür unterstütze er ihn. Als Führer und Politiker hingegen halte er nichts von Trump.

«Kill Merkel»

In seinem Manifest schrieb er unter anderem, Angela Merkel, Recep Tayip Erdogan und Sadiq Khan, der Bürgermeister von London, müssten getötet werden. Merkel beschrieb er als «Mutter alles Anti-Deutschen und Anti-Weissen»: Sie sei «ganz oben auf der Liste» und ein «High Profile Enemy».

Weiter kritisierte Tarrant hauptsächlich Immigration und den Islam. Auf Twitter verbreitete er immer wieder Links zu Artikeln, in denen über Ausländerkriminalität berichtet wurde – aber auch einen Artikel der «Deutschen Welle», der die mögliche Gründung eines rechtsextremen Netzwerks in der Bundeswehr thematisierte.

Täter verehrte Karadžic

Während seiner Tat, die Tarrant auf Facebook streamte, hörte er offenbar das Lied «Serbia Strong». Dabei handelt es sich laut «Know Your Meme» um ein Propaganda-Musikvideo, das dem früheren serbischen Politiker Radovan Karadžic Tribut zollt. Karadžic ist vom UN-Kriegsverbrechertribunal als Kriegsverbrecher verurteilt worden. Er soll verantwortlich sein für das Massaker von Srebrenica, bei dem serbische Truppen im Juli 1995 mehr als 8'000 Bosniaken töteten – eines der schwersten Kriegsverbrechen seit dem Zweiten Weltkrieg.

Auf seine Waffen hat der Attentäter Tarrant unter anderem «14 Words» geschrieben. Das zeigen die auf Twitter veröffentlichten Fotos. Die «14 Words» beziehen sich auf einen Satz, den der Neonazi David Lane im Gefängnis geschrieben hatte, wie «Bellingcat» berichtet. Übersetzt lautet der Satz: «Wir müssen die Existenz unserer Leute und die Zukunft der weissen Kinder schützen». Lane hatte sich unter anderem an der Ermordung eines jüdischen Radiomoderators beteiligt. Der vor 11 Jahren verstorbene Lane gilt als Ikone der amerikanischen Rechtsextremen.

(ehs)