«Beben der Stärke 5,8???»

24. August 2011 12:19; Akt: 24.08.2011 13:42 Print

Der Westen spottet über die Ostküstler

Besorgt und panisch berichteten die Bürger der US-Ostküste auf Twitter und Facebook über das Erdbeben. Im Westen ist man sich solche Naturereignisse gewohnt – und lacht über die Mitbürger im Osten.

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Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. So in etwa lässt sich zusammenfassen, was den Bewohnern der US-Ostküste kurz nach dem schweren Erdbeben vom Dienstag widerfuhr. Überrascht, besorgt und manchmal schlicht panisch schilderten die Bürger an der Ostküste in unzähligen Twitter-Kurznachrichten und auf Facebook ihre Erfahrungen mit einem der bisher schwersten Erdbeben in diesem Gebiet.

Bei dem Beben der Stärke 5,8 wurden nach Angaben aus Regierungskreisen in Washington mehrere Menschen verletzt. In Washington wurden Teile des Weissen Hauses, des Pentagons und des Kapitols evakuiert. An der Westküste hingegen - wo man solche Naturereignisse gewohnt ist - begann man prompt, sich über die betroffenen Landsleute im Osten des Landes lustig zu machen. Hatten diese doch auf Facebook, Twitter und Google Plus nachgefragt, ob es sich tatsächlich um ein Erdbeben oder nicht doch um eine Stippvisite Godzillas gehandelt habe.

5,8 zum Frühstück

Für viele Menschen im Osten des Landes, wo man eher Schneestürme als in Unruhe geratene Erdplatten gewohnt ist, war es das erste Beben überhaupt. Im Westen hatte man dafür offenbar wenig Verständnis. «All die Aufregung wegen eines Bebens der Stärke 5,8??? Kommt schon, wir haben hier so etwas zum Frühstück!!!», schrieb der 50-jährige Dennis Miller auf Facebook. Millers Haus steht in Pleasanton in Kalifornien in einem Erdbeben-Risikogebiet. Zahlreiche Leute hätten den «Gefällt mir»-Button seiner Nachricht angeklickt, sagt Miller. Allerdings stammten die ausschliesslich von der Westküste.

«Ich habe von niemandem von der Ostküste gehört, weil die wahrscheinlich noch immer unter ihren Küchentischen hocken», erzählt der Kalifornier lachend. Um dann hinzuzufügen: «Ich würde nicht mal im Schlaf bei einem Erdstoss der Stärke 5,8 aufwachen.»

An der Ostküste weiss man um die Erdbeben-Gefahren im Westen

Im Internet kursiert ein Spass-Foto, auf dem vier weisse Plastikstühle um einen Tisch auf einer Wiese gruppiert sind. Einer der Stühle ist nach hinten umgekippt. Der Titel des Bildes lautet in Anspielung auf die Hauptstadt Washington: «DC Erdbeben-Verwüstung» (DC Earthquake Devastation).

An der Ostküste reagiert man auf solche Art Humor nicht nur mit Unverständnis. Die im Hauptstadtbezirk Washington DC lebende Joanne Razo hat einst in Los Angeles ein Erdbeben erlebt und sagt, sie wisse, dass ein Erdstoss der Stärke 5,8 vergleichsweise schwach sei für die Verhältnisse an der Westküste. Doch sei sie nicht über die sich bewegende Erde erschrocken, als viel mehr darüber, «dass diese Region nicht dafür ausgestattet ist, mit so etwas umzugehen».

Dass dem so ist, glaubt auch Stellamarie Hall, die für eine Marketingagentur in San Francisco arbeitet. «Wir haben gelacht, aber wir haben auch verstanden, dass New York und bestimmte Ballungsgebiete nicht für Erdbeben ausgerichtet sind», sagt die 26-Jährige. Hall, die in San Francisco geboren wurde und dort aufgewachsen ist, hat mehrere schwere Beben erlebt, darunter auch so grosse wie das von Loma Prieta, bei dem 1989 Dutzende Menschen ums Leben kamen. «Wir sind Erdbeben gewohnt», sagt sie. Sicher - so lange, bis ein gewaltiger Schneesturm über San Francisco hinwegfegt.

(ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Shaker am 24.08.2011 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    The Big One

    Jetzt machen sich die im Westen noch lustig, aber "the big one" ist ja schon lange überfällig. Wen man sieht, dass es entlang des Pazifischen Feuerrings in den letzten Monaten heftige Erdbeben gegeben hat (Chile, Neuseeland, Indonesien, Japan usw.) sollten sie sich besser zurück halten. Ein Beben in SanFrancisco oder L.A. wie in Japan im März wäre verherend resp. ein weiterer oder sogar mehrere Atomare Super-Gau die Realität.

  • Adi Z am 24.08.2011 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Verständlich

    Dass die das locker nehmen - verständlich. 5.8 ist wirklich kein Drama an der Westküste.. 7.6 war allerdings auch für mich ziemlich happig... Auch für die 'alten Hasen' dort. Ist aber auch um Grössenordnungen stärker.

  • g.wild am 24.08.2011 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    nicht lustig

    naja viel zu lachen gibt es da nicht.. new york ist auf extrem instabilem boden gebaut.. ein erdbeben kann da verherende folgen haben....

Die neusten Leser-Kommentare

  • der denker am 24.08.2011 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    FEMA/Übung/verschwörungen...

    Hat nicht die FEMA speziel dazu eine grossangelegte Übung durchgespielt im Mai dieses Jahres.. National Level Exercise (NLE) 2011 simulierte den katastrophalen Charakter eines schweren Erdbeben in der zentralen Region der USA, genannt "New Madrid Seismic Zone" (NMSZ). Das Jahr 2011 ist der zweihundertste Jahrestag des New Madrid Erdbeben vom Jahre 1811 , für die die NMSZ benannt ist. NLE 2011 war die erste simultane Übung auf ein Naturereignis. Hatte die USA nicht schon einmal eine grossangelegte Übung durchgeführt... 9/11..... spassig Evt. sollte man mal noch die Werte von HAARP anschauen..

  • g.wild am 24.08.2011 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    nicht lustig

    naja viel zu lachen gibt es da nicht.. new york ist auf extrem instabilem boden gebaut.. ein erdbeben kann da verherende folgen haben....

  • Shaker am 24.08.2011 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    The Big One

    Jetzt machen sich die im Westen noch lustig, aber "the big one" ist ja schon lange überfällig. Wen man sieht, dass es entlang des Pazifischen Feuerrings in den letzten Monaten heftige Erdbeben gegeben hat (Chile, Neuseeland, Indonesien, Japan usw.) sollten sie sich besser zurück halten. Ein Beben in SanFrancisco oder L.A. wie in Japan im März wäre verherend resp. ein weiterer oder sogar mehrere Atomare Super-Gau die Realität.

  • Ueli am 24.08.2011 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    komisch...

    sollte das pentagon nicht sogar gegen Atombomben sicher sein ?

  • Adi Z am 24.08.2011 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Verständlich

    Dass die das locker nehmen - verständlich. 5.8 ist wirklich kein Drama an der Westküste.. 7.6 war allerdings auch für mich ziemlich happig... Auch für die 'alten Hasen' dort. Ist aber auch um Grössenordnungen stärker.