13-jähriger Flüchtling

19. August 2016 21:15; Akt: 19.08.2016 21:15 Print

Der kleine Ahmed rührt Italien zu Tränen

Ahmed (13) reist von Ägypten nach Italien – mutterseelenallein. Er ist auf einer herzzerreissenden Mission, um seinen kleinen Bruder zu retten.

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Die Geschichte von Ahmed bewegt die Italiener. Der 13-Jährige hat es allein von Ägypten nach Europa geschafft, um einen Arzt zu finden, der seinen kleinen Bruder Farid (7) heilen kann. Farid leidet an Thrombozytopenie, einer Blutkrankheit, bei der es unter anderem zu Spontanblutungen der Haut und der Schleimhäute kommen kann.

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Ahmed verliess sein Heimatdorf Kafr El-Shaikh, 130 Kilometer nördlich von Kairo, wo er mit seinen Eltern, Onkeln und Tanten, seinen beiden Brüdern und seiner kleinen Schwester lebte. Zuerst fuhr er in einem Tiertransporter bis Baltim an der Mittelmeerküste. Dort versteckte er sich am Strand und beobachtete, wie Schleuserbanden Menschen misshandelten. «Einige Männer raubten die Leute aus, andere packten junge Frauen und schleppten sie in ein Lager», erzählt er der Zeitung «Corriere della Sera».

Behandlung zu teuer für die Eltern

Ahmed stieg mit anderen in ein Boot und dachte, er würde auf der Fahrt nach Europa sterben. «Es gab nichts zu essen und nur einen Schluck Wasser pro Person und Tag.» Vor wenigen Tagen erreichte das Boot schliesslich die Insel Lampedusa. Ahmed und die anderen Flüchtlinge wurden in ein Auffanglager gebracht.

Dort erzählte er dem ägyptischen Betreuer von seiner Mission. Der Junge holte aus seiner Jacke einen Zettel hervor, den die Ärzte in seiner Heimat der Familie gegeben hatten. Der Fetzen Papier war das Einzige, das Ahmed auf sich trug. Er hütete ihn wie einen Schatz. Darauf war Farids Diagnose beschrieben.

Die ägyptischen Ärzte hatten Farid schon einmal operiert. Doch jetzt verlangten sie 34'000 ägyptische Pfund (umgerechnet 3700 Franken) für eine zweite Operation und die weitere Behandlung. Das kann sich die Familie von Ahmed nicht leisten: Alle zusammen verdienen kaum 3300 Franken pro Jahr.

Happy-End in Sicht

«Ich schlug meiner Familie vor, dass ich nach Europa gehe, um Hilfe für Farid zu suchen», erzählt Ahmed. Es seien schon viele junge Männer aus seinem Dorf nach Europa ausgewandert, warum nicht auch er? «Ich könnte arbeiten und das Geld nach Hause schicken», lautete sein Argument, mit dem er schliesslich alle Familienmitglieder überzeugen konnte. Der Onkel gab ihm einen Schuldschein mit, mit dem er sich den Menschenhändlern gegenüber verpflichtete, im Laufe der nächsten zwei Jahre 2200 Franken für Ahmeds Überfahrt zu bezahlen.

«Mein Bruder braucht einen Arzt», sagte Ahmed zu seinem Betreuer. «Ich zahle alles zurück, ich werde alles abarbeiten», versprach er. Das wird aber nicht nötig sein. Nachdem seine Geschichte bekannt wurde, meldete sich das Universitätsspital Careggi bei Florenz mit einem Angebot: Farid könnte dort kostenlos behandelt werden. Selbst für die Eltern wird gesorgt: Die Spitalleitung organisiert eine Unterkunft, damit sie ihren Sohn während der Behandlung begleiten können.

Damit wäre Ahmeds Mission erfüllt. Er will ohnehin nur eines: wieder mit Farid Fussball spielen können.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • muli am 19.08.2016 21:38 Report Diesen Beitrag melden

    Dankbar für dass was ich habe

    Und bei solchen Geschichten sollten wir dankbar sein für dass was wir alles haben. Es scheint aber immer alles als selbstverständlich.

  • Vay am 19.08.2016 22:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Happy End

    Eine wirklich schöne Story! Ich wünsche Ahmed, Farid und der ganzen Familie alle Gute!

  • GG am 19.08.2016 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kinder würden niemals ...

    solche Kriege machen wie dies die Erwachsenen tun. Und warum ist es so frage ich mich gerade? Was ist denn das für eine Art Intelligenz, die die Erwachsenen entwickelt haben?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Spaniel am 20.08.2016 08:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle Gute dem Jungen Mann

    Finde es auch Toll dass es noch Spitäler und Aerzte gibt die spontan Unterstützung anbieten. Eine rührende Geschichte die hoffentlich gut zu Ende geht.

  • Waterpolo1s am 20.08.2016 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück!

    Die Geschichte von Ahmed berührt mich sehr. Ich wünsche ihm/ihnen, dass sie die .... Erlebnisse gut verarbeiten können. Von Herzen!

  • Sulejka am 20.08.2016 00:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kleiner Aegypter

    Ich wünsche diesem Junge und seiner Familie, dass man seinem Bruder irgendwie helfen wird und kann. Man hilft ja sonst auch solchen Menschen und dieser Junge musste auf seiner weiten Reise viel Unmenschlichkeit erleben. Alles Gute seinem kranken Bruder und ihm eine schönere Rückreise.

  • pas-mat am 19.08.2016 23:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    beeindruckend

    ahmed, du bist ein held! ein junger mann ganz gross! wünsche dir und deiner familie alles liebe und gute! dein bruder darf stolz auf dich sein...

  • Mäce b am 19.08.2016 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Danke für diese Herzzerreisende Nachricht