Der Andere unter den Andersartigen

02. August 2008 06:58; Akt: 02.08.2008 06:59 Print

Designer Luigi Colani wird 80

Am Samstag wird Luigi Colani im Flieger nach Südchina sitzen. Der Formphilosoph mit Bündner Wurzeln feiert dann seinen 80. Geburtstag.

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«Er wird sich eine Zigarre und einen Orangensaft genehmigen. Eine Party ist nicht geplant», sagt Daniel Bodmer von der Schweizer Firma Colani Trading AG.

Von Ruhestand ist dennoch keine Rede. Vor allem in China sucht der Designer die Verwirklichung seiner Träume: Erst kürzlich eröffnete er im Süden des Landes ein Design-Studio. Dort entwickelt er Windkraftwerke für ein chinesisches Unternehmen.

Im Reich der Mitte will Colani auch sein «Lebenswerk und Vermächtnis Eco-City» realisieren. Zurzeit arbeitet er an dem Modell einer Stadt, die einen auf dem Rücken liegenden menschlichen Körper darstellt und in den kommenden Jahren in Südchina entstehen soll.

Die Stadt werde die «Lebensbedingungen des 3. Jahrtausends definieren» und 50 000 Wissenschaftlern Platz bieten. Dabei unternimmt der Künstler den Versuch, extrem energiesparend zu sein und kein Gramm fossiler Energie zu verwenden, wie Bodmer in Colanis Vertretung weiter erzählt. «In Europa fehlt für Colanis Ideen der Mut, in China sind seine kostspieligen Träume zu realisieren.»

Das wenigste realisiert

Wie kritisch auch immer man zur Person Colani, der sein Gegenüber mehr als einmal mit Begriffen unter der Gürtellinie (»alles Idioten») überzogen hatte, stehen mag: Der selbst ernannte «3D-Philosoph»» sorgt seit mehr als 50 Jahren mit seinen futuristischen Entwürfen für Furore.

Dabei ist stets die Natur sein Vorbild: Rund, dynamisch und ungewöhnlich wurde alles, was der Professor an der Universität von Shanghai in seine künstlerischen Finger bekam.

So baute Colani, der sich gern im weissen Strickpullover, mit Schal und Zigarre zeigt, Rundungen in so ziemlich alles ein: Autos, Fahrräder, Flugzeuge, Handys, Bügelbretter, Armbanduhren, Parfümflaschen, Polizeiuniformen und Särge.

Die meisten seiner Ideen wurden nie realisiert. Lediglich futuristische Prototypen gab es davon zu bewundern. Grossen Erfolg hatte Colani mit seiner Badezimmer-Kollektion, seinem Kamera- Design, der weichen «Canon-Linie», dem Piano «Pegasus», das Musiker Lenny Kravitz und Prince bestellten, sowie seiner Brillenkollektion.

Schweizer Vater

Luigi Colani wurde 1928 als Sohn eines Bündner Filmarchitekten und einer Polin geboren. Aus erzieherischen Gründen gaben ihm seine Eltern kein Spielzeug, sondern richteten ihm eine Bastelkammer ein, damit er es sich selber bauen konnte.

Mit vier Jahren konnte der kleine Lutz, wie der damals noch hiess, schon löten und bastelte aus verschiedenen Materialien Flugzeuge, Schiffe oder Autos. 1946 studierte er Bildhauerei und Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, 1949 bis 1952 belegte er Aerodynamik an der Pariser Sorbonne.

Kurze Zeit arbeitete er bei der Douglas Aircraft Company, bevor er ab 1953 zuerst in Frankreich, dann in Berlin Kunststoffkarosserien für die Autoindustrie mitgestaltete. In den 1960er-Jahren erweiterte er seine Designtätigkeit auf Möbel und Gebrauchsgegenstände.

Berner Abstecher

Von 1972 bis 1981 bezog der mittlerweile vermögende Colani sein Designer-Atelier auf dem westfälischen Schloss Harkotten. Anschliessend war er viele Jahre in Japan tätig mit Entwürfen für mehrere japanische Hersteller von technischen Gebrauchsgütern.

Sein europäischer Standort war ab 1986 ein Hangar in der Nähe von Bern. Ab Mitte der 1990er-Jahre verlagerte sich seine Tätigkeit nach China, wo er an verschiedenen Universitäten Professuren für Design übernahm.

(sda)