Zu viel Aggression?

01. Oktober 2018 17:43; Akt: 01.10.2018 17:43 Print

Deutsche sehnen sich nach mehr Respekt

Obwohl im öffentlichen Raum oft aggressive Stimmung herrsche, sehnten sich die meisten Deutschen nach dem Gegenteil. Das zeigt eine Studie.

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Der wichtigste Wert im Leben? Respekt. Das haben jedenfalls fast zwei Drittel der befragten Deutschen in einer repräsentativen Studie des internationalen Meinungsforschungsinstituts Ipsos geantwortet. Auch in der Erziehung der nächsten Generation nannten die Befragten Respekt als am wichtigsten.

An der Studie hat der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski mitgewirkt. «Respekt und Rücksichtnahme, Fairness und Vertrauen werden im Zusammenleben und in der politischen Auseinandersetzung immer wichtiger», sagte der emeritierte Pädagogikprofessor der Deutschen Presse-Agentur.

Es zeichne sich auf breiter Ebene eine Gegenbewegung zu den Aggressionen auf Strassen und Fussballplätzen, in Parlamenten und sozialen Medien, so Opaschowski.

«Migranten müssen sich mit deutschen Werten anfreunden»

Die mehr als eine Million Zuwanderer würden das Zusammenleben im Land langfristig verändern. Sie müssten sich sich mit den in Deutschland gelebten Werten wie Pflichterfüllung, Fleiss, Disziplin, Durchsetzungsvermögen und Gerechtigkeit anfreunden, forderte der Wissenschaftler.

Gleichzeitig müssten die Deutschen begreifen, dass die Migranten keine Gastarbeiter wie in den 60er- und 70er-Jahren seien, sondern meist in Deutschland bleiben wollten. Damit müssten sich die Deutschen arrangieren, forderte Opaschwoski. Nur so könne ein gutes Zusammenleben gewährleistet werden.

«Chemnitz und Köthen sind Geburtsschmerzen»

Die Ipsos-Studie wurde Anfang Jahr erstellt, lange vor den Ereignissen in Chemnitz Ende August und in Köthen Anfang September. Die Ergebnisse seien aber aktuell, sagte Opaschowski. Sie deuteten die Richtung an, wie sich das gesellschaftliche Zusammenleben verändere.

So stelle etwa die Renaissance des Respekts die erste Stufe des sozialen Wandels dar. Als weitere Stufen nennt der Zukunftsforscher Anerkennung und Wertschätzung. «Chemnitz, Köthen und anderes sind Geburtsschmerzen auf dem Weg vom Zuwanderungs- zum Einwanderungsland Deutschland», so Opaschowskis Einschätzung mit Blick auf die jüngsten ausländerfeindlichen Demonstrationen in den beiden Städten und die Zunahme von Aggressivität.

(kko)