Zu subjektiv

14. Dezember 2011 23:00; Akt: 14.12.2011 23:31 Print

Die «Tagesschau» hat jetzt eine Meinung

von Gaudenz Looser - Seit Juli äussern «Tagesschau»-Journalisten immer öfter ihre persönliche Meinung. Was die Redaktionsleitung still und heimlich eingeführt hat, irritiert Zuschauer und Experten.

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Während der «Tagesschau» mit Franz Fischlin wird Hanspeter Trütsch aus Bern zugeschaltet. (Foto: SF drs/H. Stucki)

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Mehrere aufmerksame «Tagesschau»-Zuschauer haben bei der Ombudsstelle der SRG beanstandet, dass in letzter Zeit zu viele Korrespondenten mit allzu subjektiven Äusserungen zu Wort kämen. Der Ombudsmann bestätigt die neue Mode: Die Korrespondenten nähmen Gewichtungen vor, ordneten Sachverhalte ein, bewerteten Vorgänge und brächten «persönliche Ansichten» ein. Es sei deshalb unerlässlich, dass solche Kommentare auch deutlich erkennbar seien. Laut Thomas Schäppi, Redaktionsleiter der «Tagesschau», entsprechen diese subjektiven Elemente einer «strategischen Neuausrichtung», durch die auf «mehr Hintergrund, Analyse und Einordnung» gesetzt wird. Die Ausgabe um 19.30 Uhr müsse mehr bieten als «einfache Kurznachrichten» und bringe deshalb «vertiefende Analysen» durch «themensichere Journalisten».

Während SF diese Vermischung von neutraler Berichterstattung und subjektiver Meinung als «Mehrwert» verkauft, runzeln Fachleute die Stirn. Der Medienexperte Peter Studer hält fest: «Wenn Kommentare stattfinden, müssen diese klar ersichtlich sein – etwa durch einen ‹Achtung Kommentar›-Einblender.» SVP-Nationalrätin Natalie Rickli kritisiert: «Es ist die Aufgabe der Tagesschau, neutral zu informieren. Ich finde es problematisch, wenn Journalisten ihr politisches Weltbild propagieren.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leser am 15.12.2011 00:34 Report Diesen Beitrag melden

    nicht gut

    Die Nachrichten sollten komplett NEUTRAL bleiben respektive wieder werden. Sonst müssen die Nachrichten künftig je Partei und für die Parteilosen neutral aufbereitet werden. - Die Meinungsbildung ist nicht Sache der Nachrichtensprecher. Das kann und soll der "Füdlibürger" selber tun. Oder soll die Bevölkerung in Zukunft auch die Nachrichtensprecher wählen? Will die Mehrheit SVP, muss halt der SP-Sprecher seinen Hut nehmen... - das halte ich für unsinnig (und ich darf das sagen, da ich kein Nachrichtensprecher bin)

  • H. Dehrungs am 15.12.2011 00:45 Report Diesen Beitrag melden

    Medien

    Die Medien in der Schweiz haben in weiten Teilen eine tiefe Abneigung im Besonderen gegenüber der SVP. Das zeigen sie Tag für Tag. Es ist richtig und auch die Aufgabe des Journalismus die Parteienlandschaft kritisch zu beleuchten. Dabei kommt die SVP aber sichtbar und überproportional schlecht weg. Die Medien erzeugen ein generelles Narrativ, welche diese Partei demonisiert und als bösartig stigmatisiert. Das ist unfair. Über Blocher z.B., mag man von ihm halten was man will, darf man heute alles sagen, auch wenn es an der Grenze zur Ehrverletzung liegt. Das ist inzwischen absolut Mainstream.

  • Julian Hoegger am 15.12.2011 00:25 Report Diesen Beitrag melden

    Kommentare trennen!

    Warum nicht sauber getrennt wie dies ARD/ZDF tun? Mit Kommentaren der Redaktoren. Das ist seriös und würde sich auch für das gebührenfinanzierte Staatsfernsehen in der Schweiz gehören.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus A. Bon am 16.12.2011 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Subjektiv anstelle von Relevant

    Die Schweizer Tagesschau ist die Deutsche Tagesschau vor 20 Jahren. Es wird zuerst mal drauf gehauen und viel Effekt produziert, genau nach dem Grundsatz - Vulkanausbruch - ueber die Katastrophe berrichten wir auch! UBS- und Banken Bashing, SVP - Bashing sind die Dauerbrenner in Tagesschau, 10vor10 und in diversen Dok's welche von uns finanziert werden. Die Sendung 10vor10 von Frau Ville-Fischlin zur Katastrophe in Fukujima war dann noch ein gekonntes Beispiel wie eine Meinung zum Atomausstieg den Zuschauern fertig praesentiert wird. Die ARD machts besser - Wir warten mal 20 Jahre !

  • tom senn am 15.12.2011 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    entgegen dem service public

    neutral ist anders... tatsächlich! gestern das selbe beispiel...

  • Mike am 15.12.2011 08:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mr

    Wenn ich Nachrichten schaue, will ich neutal und sachlich informiert werden. Die Meinung und Kommentare der einzelnen Moderatoren zu den Themengebieten interessiert mich nicht und sollte unterbleiben.

  • Lolipop am 15.12.2011 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Geht gar nicht!

    Das geht gar nicht, eine subjektive Meinung von einem Reporter! Anhand von objektiven Berichten soll nachher selber darüber diskutiert werden können, aber über das Thema, und nicht etwa dann über die Meinung vom Reporter. Aber wenn der schon seine Meinung reinbringt, dann wird das einen enormen Einfluss auf die Gedanken der Zuschauer/innen haben!

  • Bruno S am 15.12.2011 06:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja

    Wir sind nicht in Russland und freie Meinungsäusserung ist erlaubt??!! Oder?? Eine Meinung zu haben heist nicht dass das die Richtige ist.