Nach BP-Katastrophe

19. Februar 2014 11:42; Akt: 19.02.2014 11:58 Print

Die Delfine am Golf von Mexiko sind schwer krank

Die Delfine vor der Küste Louisianas erleiden Fehlgeburten, verlieren ihre Zähne oder sind lungenkrank. Alles Folgen der Ölkatastrophe von 2010, sagen nun Wissenschaftler.

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Ölkatastrophe im Golf von Mexiko: Elf Menschen starben, tausende von Vögeln und Fischen sind verendet, über 700 Millionen Liter Öl sind ins Meer geflossen. 20. April 2010: Die Ölplattform Deepwater im Golf von Mexiko explodiert. Elf von 126 Arbeitern sterben, die andern werden evakuiert, drei von ihnen schwer verletzt. 21. April 2010: Die Bohrinsel steht in Flammen. Löschversuche verlaufen erfolglos. 22. April 2010: Deepwater sinkt. Die Ölplattform gehört der Schweizer Transocean mit Sitz im schweizerischen Zug, der britische Konzern BP hat sie von Transocean geleast. 28. April 2010: Ölarbeiter versuchen, eine Sperre um das auslaufende Öl zu errichten. Erfolglos. 30. April 2010: Das Öl erreicht die Küste. Die Pelikane «verölen». 3. Mai 2010: US-Präsident Barack Obama erklärt die Katastrophe zum Ereignis von nationaler Bedeutung. 3. Mai 2010: BP kündigt an, alle Kosten der Katastrophe zu übernehmen. 7. Mai 2010: Eine Stahlbetonglocke wird über das Leck gestülpt. Ohne Erfolg. Mai 2010: Das Sterben geht weiter. Mai 2010: Ölschwaden auf dem Wasser. Mai 2010: Die US-Navy versucht, das Öl kontrolliert abzubrennen. Erfolglos. Mai 2010: Pelikan im mexikanischen Golf. 11. Mai 2010: Protest im US-Senat während eines BP-Hearings. 12. Mai 2010: BP versucht, eine kleinere Glocke über das Loch zu stülpen. Ohne Erfolg. 15. Mai 2010: Protest am Firmensitz der Plattformbesitzerin Transocean in Zug. 26. Mai 2010: Die Aktion «Top Kill» soll das Leck mit Schlamm versiegeln. Erfolglos. 2. Juni 2010: Die US-Behörden leiten strafrechtliche Schritte gegen BP ein. 3. Juni 2010: Das Öl erreicht die Traumstrände Floridas. 17. Juni 2010: BP-Chef Tony Hayward redet von einer «beispiellosen Serie von Fehlern». 29. Juni 2010: BP gibt zu, dass die Schäden eventuell unbezahlbar sind. 2. Juli 2010: Serie von Fehlern geht weiter: Augenzeugen berichten, BP schütte an gewissen Stränden einfach Sand über das Öl. 3. Juli 2010: Der Supertanker «A Whale» wird als Öl-Sauger eingesetzt. Erfolglos. 10. Juli 2010: Ein am 4. Juni installierter Trichter wird entfernt. Das Öl fliesst wieder völlig ungehindert ins Meer. 12. Juli 2010: Eine neue Glocke wird über das Leck gestülpt. 18. Juli 2010: Serie von Fehlern geht weiter: BP veröffentlicht auf ihrer Website ein manipuliertes Foto, das Geschäftigkeit im BP-Katastrophenzentrum vortäuscht. Im Original war der Bildschirm im unteren Bild weiss. Ab 15. Juli 2010: Die neu installierte Absaugglocke schliesst das Leck. Erstmals seit Beginn der Katastrophe fliesst kein Öl mehr ins Meer. Die Verseuchung ist aber nach wie vor omnipräsent. 19.9.2010: Die defekte Ölquelle im Golf von Mexiko ist endgültig versiegelt. Fünf Monate nach Beginn der Ölpest gelang es BP-Experten, die Quelle mehrere Tausend Meter unter dem Meeresboden mit Zement zu verschliessen.

Ölkatastrophe im Golf von Mexiko: Chronologie eines Umweltdesasters.

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Fehler gesehen?

Fast vier Jahre nach dem Untergang der Ölbohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko werden die Folgen der Katastrophe bekannt. Die Resultate einer Langzeitstudie, die Wissenschaftler an Delfinen vor der Küste von Louisiana durchführten, sind nun veröffentlicht worden – und lassen den langfristigen Schaden der Tragödie erkennen, bei der im April 2010 fast 800 Millionen Liter Öl ins Meer ausgetreten waren.

Wie die britische Zeitung «The Independent» schreibt, wurden für die Untersuchung im August 2011 in der Barataria Bay 32 Delfine eingefangen. Die Forscher der Nationalen Ozean- und Atmosphärenverwaltung (NOAA) der USA haben den gesundheitlichen Zustand der Meeressäuger analysiert und ihn mit dem von Delfinen der Sarasota-Bucht in Florida verglichen, die nicht von der Ölpest betroffen waren.

«Noch nie so viele schwer kranke Tiere gesehen»

Die Erkenntnisse sind erschreckend: Die Hälfte der Tiere am Golf von Mexiko war schwer krank oder in Lebensgefahr. Drei Exemplare von der Barataria-Bucht hatten fast alle ihre Zähne verloren und drei weitere hatten nicht einmal die Hälfte ihres Gebisses. Ein erwachsener Delfin hat normalerweise zwischen 78 und 106 Zähne.

Die Tiere hatten zudem tiefere Hormonwerte und litten fünfmal mehr an Lungen- und Leberkrankheiten als gesunde Delfine aus Florida. Ein Weibchen habe gar einen toten Fötus in sich getragen. «Ich habe nie so viele schwer kranke Tiere gesehen», sagt Lori Schwacke von der NOAA. Es gebe immer wieder kranke Tiere in einer Bevölkerung frei lebender Meeressäuger, aber: «Wir haben nie Delfine in einem solch schlechten Zustand beobachtet wie die aus der Barataria-Bucht», so die Forscherin.

BP zieht die Studie in Zweifel

Der Ölkonzern BP nahm die Resultate der Studie, die in der Dezember-Ausgabe der Zeitschrift «Environmental Science and Technology» publiziert wurden, zur Kenntnis. Das britische Energieunternehmen meinte jedoch, dass die Studie «nicht eindeutig behaupten» lasse, der schlechte Gesundheitszustand der Delfine stehe mit der Katastrophe in Verbindung. Dafür müssten Untersuchungen an Tieren vorliegen, die vor der Ölverseuchung durchgeführt worden seien.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pearl Darbor am 19.02.2014 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Delfine im Spülwasser von Fukushima

    Und wie geht es den Delfinen und Tunas (Sushi) vor Fukushima? Das Reaktor-Spülwasser in Richtung Hawaii? Könnte eine Tierschutzorganisation mal Wasser proben nehmen? Früher war das Schiff von Cousteau da aktiv. Infos wären toll. Merci.

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  • Gregor am 19.02.2014 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Ölkatastrophe ist sicher nicht schuld!

    Nein das hat doch überhaupt nicht im geringsten mit dieser BP Ölkatastrophe zu tun... Ironie off!

  • Angelika Duff am 19.02.2014 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Mittelmeer?

    Ist zu hoffen, dass dies im Mittelmeer nicht auch noch passiert. Bereits bei der Suche nach Öl in der Adria haben die Meerestiere durch den ohrenbetäubenden Lärm gelitten: Von September 2013 bis Januar 2014 haben rund alle 10 Sekunden Schalldruckwellen so laut wie Luftraumraketen das Wasser verschmutzt. Der Zusammenhang zwischen Unterwasserlärm und Massenstrandungen von Meerestieren ist übrigens wissenschaftlich belegt. Unterdessen ist klar: Unter dem Meeresboden der Adria gibt es Erdöl. Werden sich die Verantwortlichen vor Bohrungen an die Pflicht von Umweltverträglichkeitsprüfungen halten?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruth am 19.02.2014 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    Corexit nicht vergessen

    Zudem wurden laut Wikipedia (engl.) etwa 7 Mio Liter hochgiftiges Corexit versprüht um das Öl zu binden.

  • mags frisch am 19.02.2014 15:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    ich habe mich an den Gedanken gewöhnt, dass es bald mit uns zu Ende geht. Die Gier der Menschheit, gepaart mit Dummheit, wird unser Untergang besiedeln. Ach übrigens, ich bin Optimist.

  • Strubeli am 19.02.2014 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist der Tierschutz???????

    Ah, und wo bitte schön sind jetzt diese Tierschützer, die mit allen Mitteln das Verbot für die Delphinhaltung im Conny Land durchgesetzt hatten????? Ich bin zu 100% überzeugt, das es den Delphinen im Conny Land VIEL, VIEL BESSER gegangen ist, als diesen armen Tieren im Golf von Mexiko!!!!

  • H.L. am 19.02.2014 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    War nur die Spitze...

    ... des Eisberges. Tag täglich fliesst mehr Rohöl in unsere Weltmere als damals bei der Deep Water Horizon. Das Ironische daran ist, alles was wir ins Meer schmeissen, kommt auf jeden Fall zurück auf unsere Teller.

  • Angelika Duff am 19.02.2014 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Mittelmeer?

    Ist zu hoffen, dass dies im Mittelmeer nicht auch noch passiert. Bereits bei der Suche nach Öl in der Adria haben die Meerestiere durch den ohrenbetäubenden Lärm gelitten: Von September 2013 bis Januar 2014 haben rund alle 10 Sekunden Schalldruckwellen so laut wie Luftraumraketen das Wasser verschmutzt. Der Zusammenhang zwischen Unterwasserlärm und Massenstrandungen von Meerestieren ist übrigens wissenschaftlich belegt. Unterdessen ist klar: Unter dem Meeresboden der Adria gibt es Erdöl. Werden sich die Verantwortlichen vor Bohrungen an die Pflicht von Umweltverträglichkeitsprüfungen halten?