Kolumbien

20. Februar 2011 14:26; Akt: 21.02.2011 10:43 Print

Die Kinder der Guerilla

Das kolumbianische Militär hat ein FARC-Video veröffentlicht, auf dem einige Guerilleros sich zu amüsieren scheinen. An sich nichts Besonderes – wären sie nicht minderjährig.

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Wenn man sich das Video ansieht, hat man am Schluss das Gefühl, dass die Darsteller ein glückliches Leben führen: Sie tanzen, sie lachen, sie wirken entspannt; manche scheinen sogar verliebt. Auf den Aufnahmen, die kürzlich in die Hände des kolumbianischen Militärs gerieten, sieht man Mitglieder der marxistischen Rebellengruppe «Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens» (FARC) während einer Feier.

Doch beim genauen Hinsehen ergibt sich ein groteskes Bild: Die grosse Mehrzahl der Uniformierten ist kaum dem Kindesalter entwachsen. Diese neuen Aufnahmen beweisen einmal mehr, dass die FARC weiterhin Kinder rekrutiert. Obwohl die Regierung von Präsident Juan Manuel Santos und diverse Hilfsorganisationen seit Jahren dagegen kämpfen, ist es offenbar immer noch üblich, Kinder aus den ländlichen Gegenden in die Streitkräfte einzugliedern – freiwillig oder nicht.

Manchmal kommen sie freiwillig

In der Region Huila ist es schon lange kein Geheimnis mehr, dass jede Familie der FARC ein Kind «abzugeben» hat, wenn diese es verlangt. Aus diesem Grund bringen viele Eltern ihre Kinder oftmals bei Verwandten in anderen Regionen unter. In den vergangenen Jahren sind öfters Bilder mit Kindern in FARC-Lagern aufgetaucht. Das jüngste registrierte FARC-Mitglied ist ein achtjähriger Junge, der sich auf dem Foto stolz in seiner übergrossen Uniform präsentiert. Zuvor war das Bild eines zwölfjährigen Mädchens mit einer AK-47 aufgetaucht, die sie kaum tragen konnte.

Schockierend war auch das Interview mit einem 14- und einem 16-jährigen Guerillero, die kurz zuvor aus der FARC ausgestiegen waren. Sie behaupteten, ihre «härteste» Aufgabe sei es gewesen, Entführte zu bewachen. Dabei stellte sich heraus, dass sie kaum Mitleid mit den gekidnappten Personen hatten – sie befürchteten eher, die Entführten könnten ihnen entkommen und sie würden von ihren Vorgesetzten dafür bestraft werden. Ein Wiedereingliederungsprogramm der kolumbianischen Regierung soll ihnen nun wieder den Unterschied zwischen Gut und Böse aufzeigen, den sie verlernt hatten.

Ebenfalls erschütternd sind die Berichte von freigelassenen Geiseln. So schilderte eine Frau, die nach einem Jahr Gefangenschaft befreit worden war, das tragische Schicksal der jungen Jenny: Das 16-jährige Mädchen war vom Oberbefehlshaber bestraft worden und musste einen Tag lang allen ihren Kameraden ihre Liebesdienste anbieten.

Manchmal kommen sie auch freiwillig

Manchmal kommen die Kinder auch ohne Zwang zur FARC. Dafür gibt es diverse Gründe, meistens sind es aber zwei sehr simple: Armut und Gewalt innerhalb der Familie. Die FARC bietet ihnen dann eine «traumhafte Zukunft», mit genügend Essen, Freunden und – ab und zu – Festen wie im erwähnten Video. Hoffnungsvoll treten sie dann ein – und finden den Weg nicht mehr hinaus, wenn das Leben dann doch nicht so ist, wie es ihnen versprochen wurde. Und für die Kinder gelten die gleichen Regeln wie bei den Erwachsenen: Wer bei der Flucht erwischt wird, wird hingerichtet.

Für die FARC sind Kinder einfach zu manipulierende Soldaten. Sie machen die harte Arbeit und stehen als Kanonenfutter an der Front. Und wenn sie sterben, ist das kein Problem: Ein Ersatz findet sich schnell.

(kle)