Nach Sturzfluten

19. Dezember 2011 02:23; Akt: 19.12.2011 03:49 Print

Die Leichenhäuser sind überfüllt

Über 650 Tote - das ist die traurige Bilanz der verheerenden Überschwemmungen in den Philippinen. Jetzt können die Toten nicht mehr in die Leichenhallen aufgenommen werden. Es sind schlicht zu viele.

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Nach der Sturzflutkatastrophe auf den Philippinen mit über 650 Toten haben die Behörden Trinkwasser und Leichensäcke in die betroffene Region im Süden geschickt. Die Bestattungsinstitute in den Städten Cagayan de Oro und Iligan konnten die vielen Toten nicht mehr aufnehmen. Mehr als 900 Menschen sollen noch vermisste werden.

Das berichtete das Rote Kreuz am Montag. Wie Iligans Bürgermeister Lawrence Cruz sagte, werden für viele unbekannte Opfer bereits Massengräber ausgehoben. In den Leichenschauhäusern stapelten sich unidentifizierte Leichen. Iligans Bürgermeister Lawrence Cruz schlug wegen gesundheitlicher Bedenken ein Massenbegräbnis vor.

Bei verheerenden Sturzfluten waren am Samstag mindestens 653 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Toten könne auf mehr als 1000 steigen, warnte das Rote Kreuz. Helfer hätten viele Ortschaften noch gar nicht erreicht. Viele Strassen waren von Erdrutschen verschüttet.

Auslöser war Tropensturm «Washi», der in der Nacht zu Samstag über die Insel Mindanao 800 Kilometer südlich von Manila hereinbrach. Zwölf Stunden Dauerregen liessen die Flüsse anschwellen. In der Nacht trat das Wasser über die Ufer und rauschte teils meterhoch durch die Strassen und Ortschaften. Die meisten Opfer wurden im Schlaf überrascht. Papst Benedikt XVI. erklärte am Sonntag, er würde «für die Opfer, die Obdachlosen und zahlreichen Vermissten» beten.

Augenzeugenberichte von Überlebenden

Der Schock lässt Wensito Pulusans Stimme zittern. Der 49-jährige Fahrer steht in der Stadt Cagayan de Oro, dort, wo früher sein Haus stand. Es ist von den Sturzfluten fortgeschwemmt worden.

«Es ist Brachland, hier steht nichts mehr», sagte Pulusan der Nachrichtenagentur DPA am Telefon. «Die Fluten haben alles, aber auch alles fortgerissen. Selbst grosse Muldenkipper schwammen in den Fluten.»

Der Familienvater konnte sich mit seiner Frau und seiner 20-jährigen Tochter zum Haus seines Bruders retten und aufs Dach klettern. Der ganze Dachstuhl wurde nach seinen Angaben abgerissen und bis an den nahe gelegenen Strand gespült.

«Der Herrgott hat uns überleben lassen», sagte er. Viele seiner Nachbarn seien tot, aufgebahrt in einer Schule. Statt der Siedlung sei weit und breit nur noch Schlamm und Matsch zu sehen, Schutt von zusammengebrochenen Häusern, umgestürzte Bäume und völlig verbeulte Autos.

In der Frühmesse von Wasser überrascht

Rovmel Trinidad aus der ebenfalls schwer getroffenen Stadt Iligan berichtete im Radio, er wurde mit seiner Mutter am Samstag in der Frühmesse von den Wassermassen überrascht. «Es hatte aufgehört zu regnen, deshalb dachten wir, die Lage ist ok», sagte er. Dann sei das Wasser plötzlich in die Strassen gerauscht und rasant angestiegen. «Wir standen plötzlich bis zur Brust im Wasser, und es stieg immer weiter», erzählte Trinidad.

Viele Bewohner harrten zu lange in ihren Häusern aus, weil sie nach eigenen Angaben nicht richtig gewarnt worden waren, berichtete der Zeitung «Inquirer».

Dazu gehörte die Familie Cabillo in der Ortschaft Tambo. Als das Wasser kam und durch das Haus rauschte, war es zu spät. Vater Bryan Cabillo sagte der Zeitung, seine Frau und drei Kinder seien von den Fluten fortgerissen worden. Er habe versucht, sie zu retten, aber gegen die starke Strömung des Wassers keine Chance gehabt.

(sda/ap)