Youtube-Star wider Willen

27. Juni 2011 15:20; Akt: 29.06.2011 16:42 Print

Die Leiden des stöhnenden Porno-Beat

von A. Hirschberg - Sein Stöhnen amüsiert die ganze Youtube-Nation: Alle finden es lustig - ausser Beat M. Der naive Casting-Teilnehmer versteckt sich nur noch zu Hause und wurde deshalb im Web schon für tot erklärt.

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Beat M. leidet unter seinem unfreiwilligen Star-Status und wünscht sich nichts sehnlicher als die Entfernung der Clips.

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Er meldete sich aus einem Impuls heraus. Genau weiss er es nicht mehr, aber viel hat er sich jedenfalls nicht dabei gedacht, als er sich bei dem Erotik-Casting anmeldete. Auf die Idee brachte ihn ein privater TV-Sender. Dort suchte ein Porno-Produzent via Werbe-Jingle den Schweizer Erotik-Star. «Ich war neugierig und meldete mich an», erklärt der 43-jährige Ostschweizer heute, sieben Jahre nach seinem Casting-Auftritt, der ihn bis heute verfolgt.

Das grosse Porno-Abenteuer verlief von Anfang an für ihn peinlich. Er verbrachte den Abend im Produktions-Studio. Die vermeintlichen Profis gaben ihm die Anweisungen. Nur mit einem Strandtuch bekleidet musste er tanzen, einen Pornofilm synchronisieren und eine Sex-Szene drehen. «Eigentlich hat man sich bloss über mich lustig gemacht», sagt er heute.

«Als ich von der DVD hörte, war ich völlig entsetzt»

Nach diesem Abend, für den er keinen Rappen Gage erhalten hat, hörte er nie wieder etwas von der Produktionsfirma. Ein Jahr später erfuhr er, dass aus den angeblichen Casting-Aufnahmen eine DVD erstellt worden war. «Als ein Bekannter mir das erzählte, war ich völlig entsetzt.»

Seine Bekanntheit sollte aber noch sprunghaft steigen. Sieben Jahre nach seinem unglückseligen Auftritt stellte ein deutscher User Mitte Dezember 2010 Ausschnitte der Porno-Synchronisation ins Internet. Ohne die Bilder zu zeigen, zu denen er stöhnte, macht der Clip den nackten Beat M. mit seinem Ostschweizer Akzent zum absoluten Affen - und schlägt ein wie eine Bombe. Über Nacht wurde der Clip auf Facebook und Youtube zum Quoten-Hit. Inzwischen sahen sich Hunderttausende den stöhnenden Schweizer an – ohne dass Beat zunächst etwas davon ahnte.

Überall wird Beat M. ausgelacht und nachgeäfft

Seine unfreiwillige Berühmtheit traf ihn kurz vor Weihnachten wie ein Blitz aus heiterem Himmel. «Es war am 23. Dezember - da machten sich plötzlich die Jugendlichen in meinem Stammlokal über mich lustig», erzählt M., reibt sich die Augen und blickt peinlich berührt um sich. Er sitzt in seinem grossen Wohnzimmer an einem kleinen Esstisch irgendwo in der Ostschweiz. Er sei verwirrt gewesen und konnte sich keinen Reim darauf machen.

Viral verbreitete sich der stöhnende Beat M. in Windeseile. Von Computer zu Computer, von Community zu Community. Egal, wo er ist, bei der Arbeit, beim Einkaufen oder auf der Strasse – überall begegnet Beat M. Leuten, die ihn auslachen oder nachäffen wegen seiner Rolle als Porno-Synchronisator.

Rechtlich kann er sich nicht wehren

Im Januar hielt der Ostschweizer es nicht mehr aus und ging zur Polizei. Er hoffte, die Clips aus dem Internet entfernen zu können. Dort konnte man ihm nicht helfen. Beat M. gehören die Urheberrechte für den Film nicht. Er hatte bei der Produktionsfirma einen Vertrag unterschrieben. «Ich dachte, das sei fürs Casting, ich wusste nicht, dass ich damit auch meine Einwilligung für eine DVD gab.» Er habe versucht, mit dem Pornoproduzenten Kontakt aufzunehmen, doch der hat seine Firma in die USA verkauft.

Beat fühlt sich machtlos und dem Internet ausgeliefert. Für ihn hat derjenige, der diesen Clip ins Internet gestellt hat, ein Verbrechen begangen: «Er hat mein Leben kaputtgemacht», sagt er und starrt zum Fenster hinaus. Immer wieder werde er von Wildfremden als Erotikstar angesprochen. Er habe dadurch aber nur Schaden: «Die einen wollen ein Foto von mir machen, die anderen meine Unterschrift haben. Kaufen kann ich mir davon nichts, aber alle lachen über mich.»

Beat M. wurde für tot erklärt

Inzwischen hat sich Beat komplett zurückgezogen. «Ich gehe arbeiten, sonst bin ich praktisch nur zu Hause», sagt er. Doch dies hat offenbar zu neuen Gerüchten geführt. Seit wenigen Wochen wird auf Youtube verbreitet, er habe sich das Leben genommen. «Ich dachte nicht, dass es schlimmer werden könnte, aber das trifft mich noch einmal tief», sagt er. Er kann nicht verstehen, wieso im Internet nun auch noch Lügen über ihn verbreitet werden. «Die kennen mich nicht und behaupten einfach, ich sei tot», sagt er.

Er habe zwar wegen des Youtube-Videos eine schwere Zeit durchgemacht mit Angstzuständen und depressiven Phasen. «Doch das Leben nehmen wollte ich mir nie», betont er. Nun hofft er einfach, dass seine unfreiwillige Berühmtheit ein baldiges Ende nimmt und begibt sich mit seinem Gang an die Öffentlichkeit in die Offensive an. Wenn alle seine Geschichte kennen, wird er weniger interessant, glaubt er. Die Leute werden ihn dann endlich wieder in Ruhe lassen – vielleicht.


* Name der Redaktion bekannt