Vatikan

23. Mai 2014 23:59; Akt: 23.05.2014 23:59 Print

Die Luxus-Party, die Franziskus wütend macht

Blick auf den Petersplatz samt Luxusbuffet: Promis liessen es sich während der Heiligsprechung von Johannes Paul II und Johannes XXIII gut gehen. Nur Franziskus findet das gar nicht lustig.

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«Ich kann nicht wiederholen, was der Papst sagte, als er davon erfuhr», sagte Kardinal Giuseppe Versaldi in einem Interview mit dem TV-Sender Italia 1. Mit diesen Worten beschrieb der Geistliche die Reaktion von Papst Franziskus auf eine Bilderserie, die im italienischen Portal «Dagospia» erschienen war.

Franziskus habe sehr verärgert auf die Fotos einer Party reagiert, die am 27. April entstanden waren, schreibt die Zeitschrift «L' Espresso» in einem Artikel unter dem Titel «Der Heilige Krieg um das Buffet». An dem Tag hatten 150 Persönlichkeiten – darunter Starjournalisten, Politiker und Vatikanbank-Präsident Ernst von Freyberg - in aller Bequemlichkeit die Heiligsprechung von Johannes Paul II und Johannes XXIII von einer wunderbaren Terrasse mit Blick auf den Petersplatz verfolgen dürfen.

Für die prominente Gäste gab es zudem ein Luxus-Buffet, das 18'000 Euro (umgerechnet 22'000 Franken) gekostet haben soll. Nicht nur das: Um den Gästen eine bessere Sicht auf den Petersplatz zu garantieren, wurden sogar einige Holzstrukturen aufgestellt. Währenddessen standen Hunderttausende Pilger auf den Strassen des Vatikans Schlange, um sich den Zugang zum Petersplatz zu sichern.

Keiner will das Fest genehmigt haben

Für den Papst ist der Vorfall keine Lappalie: Franziskus pocht seit Beginn seines Pontifikats auf Schlichtheit im Vatikan. Nun habe er Bischof Angelo Becciu, den Substitut im Staatssekretariat, beauftragt, zu klären, wer das Fest auf der Terrasse genehmigt habe. Franziskus wolle ausserdem klären, wer das Buffet bezahlt, wer die Sponsoren des Events waren und wer die Einladungen versendet habe, schreibt «L' Espresso» weiter.

Laut der Recherche des Nachrichtenmagazins soll eine auf die Verwaltung von Gesundheitsfonds spezialisierte Gesellschaft 13'000 Euro für die Infrastruktur bezahlt haben. Die Ölgesellschaft Medoilgas Italia sei für die restlichen 5000 Euro des Buffet aufgekommen.

Noch gilt aber zu klären, wer die Idee für das VIP-Fest hatte. Kardinal Versaldi dementierte, die Genehmigung erteilt zu haben. Für die Terrasse sei die Güterverwaltung APSA zuständig. Hier will jedoch niemand eine schriftliche Genehmigung für die Veranstaltung erteilt haben, so «L'Espresso».

(kle)