Kunstdiebstahl in Paris

20. Mai 2010 12:03; Akt: 20.05.2010 18:42 Print

Die Meisterwerke sind offenbar nicht versichert

Aus einem Pariser Museum sind fünf Gemälde grosser Meister gestohlen worden - darunter ein Picasso und ein Matisse. Ein Versicherungsexperte sagt, die Bilder seien nicht versichert.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Diese Objekte sind nach unserem Kenntnisstand nicht versichert», zitiert die «Frankfurter Rundschau» den Managing-Direktor beim grössten Kunstversicherer Axa-Art, Stefan Horstehmke, in ihrer Freitagausgabe. Die Axa-Art sei vom Museum angefragt worden, den Diebstahl mit aufzuklären.

Zum Wert der gestohlenen Bilder werden unterschiedliche Angaben gemacht. Ermittler schätzten die Gemälde auf umgerechnet 700 Millionen Franken. Bescheidener fiel die Einschätzung des Leiters des Pariser Kulturamtes, Christophe Girard, aus. Die Bilder seien zusammen unter 100 Millionen Euro (rund 140 Millionen Franken) wert. Gleichwohl reicht die Summe aus, um als einer der grössten Kunstdiebstähle aller Zeiten in die Geschichte einzugehen.

Mittlerweile scheint klar, wie die Diebe mitten in der Nacht in das Museum eindrangen. Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen laut Ermittlern, wie ein maskierter Mann zuerst ein Vorhängeschloss an einem Tor knackt, anschliessend eine Fensterscheibe aufschneidet und dann in das Gebäude einsteigt. Wie die Täter unerkannt durch das Fenster einsteigen konnten, ist rätselhaft. Das Fenster liegt auf der Rückseite des Museums an einer vielbefahrenen Strasse. Vielleicht hat deshalb niemand die Täter erkannt.

Räuber liessen Bilderrahmen zurück

Unklar war zunächst, wie viele Täter am Werk waren. Beamte der Pariser Polizei versuchten mittels Spurensicherung herauszufinden, ob der Dieb auf dem Video möglicherweise alleine gehandelt haben könnte. Die Ermittler fanden in der Umgebung des Gebäudes leere Bilderrahmen der gestohlenen Bilder (siehe Diashow). Das Museum bleibt bis auf weiteres geschlossen.

Laut Christoph Girard hielten sich zum Zeitpunkt des Diebstahls konstant drei Sicherheitsleute im Museum auf. Vom Diebstahl bemerkten sie jedoch nichts. «Offenbar wurde das Sicherheitssystem ausgetrickst», so der Leiter des Pariser Kulturamtes. Laut Polizei wurde die Sicherheitsanlage vor dem Diebstahl ausgeschaltet.

Der Diebstahl fiel erst kurz vor der Öffnung der Ausstellung um sieben Uhr auf. Der Pariser Bürgermeister ist entsetzt über den Raub: «Dies ist ein riesiger Verlust für das Pariser Kulturerbe», sagt Bertrand Delanoë.

Immer wieder Kunstraube in Frankreich

In Frankreich sorgen immer wieder spektakuläre Kunstdiebstähle für Aufsehen. Museen kamen mehrfach wegen unzureichender Sicherheitsvorkehrungen in die Kritik.

So konnten Unbekannte im Juni 2009 während Bauarbeiten ein Skizzenbuch von Pablo Picasso aus dem ihm gewidmeten Museum im dritten Pariser Bezirk entwenden. In der Nacht zu Silvester wurde in Marseille das Bild «Les Choristes» von Edgar Degas im Wert von 800 000 Eurovon der Wand eines Museums gestohlen.

Ermittler weisen regelmässig darauf hin, dass es sich bei Diebstählen bekannter Künstler regelmässig um Auftragsarbeiten handelt. Denn auf dem freien Markt können ihre Werke nicht verkauft werden, ohne Aufsehen zu erregen. «Bestellt» werden die Diebstähle von reichen Sammlern. Die Beute verschwindet dann häufig auf Nimmerwiedersehen in ihren Tresoren.

Der grösste Raub der Geschichte

Der Raub von Paris hat mindestens die Dimension des Bostoner Kunstraubs, der bislang als der grösste der Geschichte gilt. 1990 hatten als Polizisten verkleidete Räuber Bilder von Rembrandt, Vermeer, Degas und Manet aus dem Isabella-Stewart-Gardner-Museum geklaut. Sie wurden nie gefasst.


Das Museum für Moderne Kunst befindet sich im 16. Pariser Bezirk.


Grössere Kartenansicht

(am/rn/sda/ap)