Finanzkrise

05. Dezember 2008 06:20; Akt: 05.12.2008 11:05 Print

Die Reichen müssen sich warm anziehen

13 Prozent weniger Vermögen haben die 300 reichsten Schweizer auf ihren Konten, das entspricht rund 70 Milliarden Franken. Dies geht aus der neusten «Bilanz»-Rangliste hervor. An der Spitze der Rangliste steht nach wie vor Ikea-Gründer Ingvar Kamprad.

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Der im Waadtland ansässige schwedische Möbel-Industrielle verfügt laut Schätzungen der «Bilanz» wie schon 2007 über ein Vermögen von 35 bis 36 Milliarden Franken, wie es in der jüngsten Ausgabe des Wirtschaftsmagazins heisst. Damit holt er sich zum siebenten Mal in Folge die Spitzenposition auf der Liste der Superreichen. Auch auf den nächsten Plätzen gab es kaum Veränderungen, wobei die zehn Reichsten wegen der Finanz- und Börsenkrise aber 28,5 Milliarden weniger auf der hohen Kante hatten als vor einem Jahr.

An zweiter Stelle liegen weiter die Familien Hoffmann und Oeri. Das Vermögen der Roche-Mehrheitsaktionäre wird noch auf 16 bis 17 Milliarden Franken geschätzt - zwei Milliarden weniger als 2007. Mit zwölf bis 13 Milliarden behauptet sich die C&A-Textildynastie Brenninkmeijer trotz einer Einbusse von drei Milliarden Franken auf Rang 3. Einen Abschlag von drei Milliarden musste auch der russische Oligarch Viktor Vekselberg hinnehmen, dessen Vermögen noch auf elf bis zwölf Milliarden Franken geschätzt wird. An fünfter Stelle rangiert die Familie Bertarelli mit zehn bis elf Milliarden.

Besonders von der Finanzkrise gebeutelt wurde gemäss «Bilanz» die in Genf lebende Familie Latsis. Auf Grund ihrer namhaften Bankbeteiligungen dürfte sie rund vier Milliarden Franken eingebüsst haben. Sie liegt mit noch neun bis zehn Milliarden Franken nun gleichauf mit Hansjörg Wyss, dessen Medizinaltechnikfirma Synthes dem Börsensturm stand gehalten hat. Je drei Milliarden mussten demgegenüber die Unternehmer Otto Beisheim, Klaus-Michael Kühne und Thomas Schmidheiny wegen des Börsencrashs ans Bein streichen.

Insgesamt sank das Vermögen der 300 Reichsten um 70 Milliarden Franken oder rund 13 Prozent auf 459 Milliarden Franken. Der Blick zurück relativiert die Einbusse. Hatten die 100 Reichsten bei der ersten «Bilanz»-Rangliste von 1989 noch ein Vermögen von schätzungsweise 66 Milliarden Franken, so sind es dieses Jahr 368 Milliarden Franken oder fast sechs Mal mehr.

Hayeks verlieren

Weil die Aktien des weltgrössten Uhrenkonzerns Swatch und des Luxusgüter-Konzerns Richemont in den Keller fielen, schwand auch das Vermögen der Leute dahinter: Das Vermögen der bei Swatch tonangebenden Familie Hayek schrumpfte um 2,75 Milliarden Franken. Auch Richemont-Chef Johann Rupert wurde um 2,75 Milliarden ärmer.

Der weiteren Aufschlüsselung ist zu entnehmen, dass die reichste Frau im Waadtland wohnt und ein Vermögen von fünf bis sechs Milliarden Franken ihr eigen nennt. Es handelt sich um die Brauerei-Erbin Charlene de Carvalho-Heineken. 16 Reiche wurden dieses Jahr erstmals in die Rangliste aufgenommen. Am meisten Geld im Gepäck hatte mit drei bis vier Milliarden Franken der Russe Gennadi Timtschenko, der den weltweit drittgrössten Erdölhändler Gunvor mit Sitz in Genf kontrolliert. Mit 100 bis 200 Millionen Franken schaffte Roger Federer im Jahr seines Abstiegs zur Nummer 2 auf dem Tennisplatz den Aufstieg in den Kreis der 300 Reichsten.

Zu den Milliardären gehört nach wie vor die Familie Blocher mit zwei bis drei Milliarden Franken. Mit Peter Spuhler und Walter Frey sind auch ein aktiver und ein ehemaliger SVP-Nationalrat unter den Milliardären. Am stärksten zulegen konnten laut der «Bilanz»-Rangliste die Media-Markt-Teilhaber Erich und Helga Kellerhals, deren Vermögen um 2,25 Milliarden auf drei bis vier Milliarden Franken gestiegen sein soll. Beinahe jeder zweite der 300 Reichsten ist ein zugezogener Ausländer.

Rainer-Marc Frey schlägt Ospel

Im hinteren Teil der Liste der Reichsten ist unter anderem der ehemalige UBS-Präsident Marcel Ospel zu finden. Der Basler, der im Steuerparadies Wollerau SZ lebt, kommt auf ein Vermögen von 100 bis 200 Millionen Franken. Ende November hatte er der wegen der Finanzkrise arg gebeutelten UBS rund 22 Millionen zurückbezahlt. Viel reicher ist UBS-Verwaltungsrat Rainer-Marc Frey, der wegen des Verkaufs all seiner UBS-Aktien für negative Schlagzeilen gesorgt hatte. Frey, Besitzer der Finanzgruppe Horizon21, kommt laut der Schätzung auf ein Vermögen von 600 bis 700 Millionen Franken.

AP/SDA