Solidarität

23. Dezember 2008 11:58; Akt: 23.12.2008 11:59 Print

Die Schweizer sind in Spenderlaune

Weihnachten – das Fest der Liebe und der Besinnung. Das kommt auch den Schweizer Hilfswerken zugute: Am Jahresende nehmen sie am meisten Spendengelder ein. Die drohende Wirtschaftskrise unterstützt die Solidarität zusätzlich.

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So generierte Caritas in den letzten zweieinhalb Monaten des Jahres rund 40 Prozent ihrer Spendeneinnahmen. «Spenden hat mit Emotionen zu tun, und die Weihnachtszeit ist eine emotionale Zeit», begründet Odilo Noti, Leiter der Kommunikation, den Spendenerfolg.

Auch World Vision erzielt zwischen November und Januar über die Hälfte ihrer Jahreseinnahmen. Dies widerspiegelt die Solidarität der Schweizerinnen und Schweizer, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur SDA.

Helvetas bestätigt ebenfalls, dass die Bevölkerung rund um die Festtage spendenfreudiger ist als sonst. «An Weihnachten hat die Solidarität eine grössere Bedeutung», begründet Kommunikations-Chef Stefan Stolle. Ihr Spendenaufruf Anfang Dezember sei darum der erfolgreichste des Jahres.

Gezielt «bearbeitet» werde der Spendenmarkt an Weihnachten aber nicht, versichern die Hilfswerke. Die verschiedenen Aktionen würden vor allem der Kundenbindung dienen. Diese gewinnt gerade im immer härter umkämpften Spendenmarkt an Bedeutung, hält Stolle fest.

Spenden statt Schenken

Immer mehr Menschen würden an Weihnachten auch lieber etwas spenden als schenken, stellt die Glückskette fest. Die Erlöse von verschiedenen Aktionen kämen ihr zugute - und zwar ohne eigenes Zutun. So verkaufte die 6. Klasse der Primarschule von Udligenswil LU ihre Weihnachtszeitung zugunsten der Advendsaktion der Kinderhilfe.

Auch viele Firmen würden anstatt Geschenke an ihre Kunden zu verschicken, das dafür vorgesehene Geld der Glückskette geben. Dies sei sicher «eine gern gesehene Alternative» zu typischen Weihnachtsgeschenken wie Wein und Schokolade, sagte Sprecher Roland Jeanneret. Schliesslich gewinne das soziale Engagement auch in der Geschäftswelt immer mehr an Gewicht.

«Verstärktes Bewusstsein»

Die momentan schwierige Wirtschaftslage wirkt sich bislang nicht negativ auf den Spendeneingang aus – im Gegenteil. «In schwierigeren Zeiten ist die Solidarität der Bevölkerung eher grösser», stellt Susanne Stahel von dem Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS) fest.

Diese Tendenz bestätigt auch das Schweizerische Rote Kreuz. So entwickle die Bevölkerung in schlechten Zeiten ein verstärktes Solidaritäts-Bewusstsein. Im Vergleich zum Vorjahr, hätten sie bis Mitte November bereits 13 Prozent mehr Spendengelder erzielt, hiess es auf Anfrage.

Eine Umfrage der «Handelszeitung» unter den elf grössten Schweizer Hilfswerken zeigt ebenfalls, dass die Finanzkrise die «Spenderherzen öffnet». So seien die Spendeneinnahmen in den ersten elf Monaten im Vergleich zum Vorjahr bei allen mindestens «stabil» geblieben.

(sda)