Höhlendrama in Thailand

18. Juli 2018 16:31; Akt: 20.09.2018 10:33 Print

Fussball-Buben dürfen wieder zu ihren Familien

Am Mittwoch darf die Fussballmanschaft, die in einer Höhle gefangen war, nach Hause gehen. In einer Medienkonferenz zeigten sie sich gesund und munter.

Die Buben und ihr Fussballtrainer beantworten an der Pressekonferenz die Fragen der Journalisten. (Video: Tamedia/SDA)
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Als «ein Wunder» hat einer der aus der thailändischen Höhle geretteten Knaben die Entdeckung der Fussballmannschaft unter Tage beschrieben. Der 14-jährige Adul Sam-on erzählte vom Augenblick, als die zwölf Jugendlichen und ihr Trainer nach neun Tagen von britischen Tauchern aufgespürt wurden, am Mittwoch auf einer Medienkonferenz in Chiang Rai.

Zum Beweis dafür, wie gut es ihnen heute schon wieder geht, dribbelten alle kurz nach 18 Uhr mit Bällen in den Saal. Dann setzten sie sich wie für ein Mannschaftsfoto zusammen: links ein Bild des Königs und der Trainer in echt, in der Mitte zwei Ärztinnen und rechts noch einige Männer in Ärztekittel und Uniform.

Buben sprechen an Medienkonferenz

Behörden bitten darum, die Kinder in Ruhe zu lassen

Die Ärztin Patchareewan Inta sagte: «Alle sind gesund. Auch mental können sie den Druck aushalten. Es gibt keinen Grund, sich irgendwelche Sorgen zu machen.» Mit der Medienkonferenz soll – zumindest vorläufig – das grosse Interesse der Öffentlichkeit am Schicksal des Fussballteams gestillt werden. Danach sollen sie alle zu ihren Familien nach Hause gehen können. Die Behörden baten hochoffiziell darum, die Kinder und ihre Familien ab sofort in Ruhe zu lassen.

17 Tage harrten sie in der dunklen Höhle aus. In den neun Tagen vor dem Eintreffen der Rettungskräfte hätten sie nur Regenwasser getrunken, aber nichts gegessen, berichteten die Jungen, die bei der Medienkonferenz – passend zum Namen ihres Teams – ein Fussballtrikot mit einem aufgedruckten Wildschwein trugen. Sie hätten versucht, sich einen Weg aus der Höhle zu graben, dies sei aber vergeblich gewesen.

«Was für Folgen ein einziger Fehler haben kann»

Der 14-jährige Adul, der als einziger Englisch sprach, sagte an der Medienkonferenz: «Diese Erfahrung hat mir deutlich gemacht, was das Leben für ein Wert hat. Und was für Folgen ein einziger Fehler haben kann.»

Fussballmanschaft in Höhle eingesperrt

Die zwölf Fussballer im Alter zwischen elf und 16 Jahren und ihr 25-jähriger Trainer waren am 23. Juni in der Tham-Luang-Höhle von rasch steigenden Wassermassen überrascht und eingeschlossen worden. Neun Tage später wurden sie gefunden, mit Lebensmitteln versorgt und medizinisch betreut. Nach gut zwei Wochen in der Höhle wurden sie am 10. Juli schliesslich gerettet. Die ebenso riskante wie dramatische Rettungsaktion sorgte weltweit für Aufsehen.

Navy Seal wurde von Buben geehrt

Am grössten ist die Verehrung jedoch für den Marinetaucher Saman Kunan, der bei den Vorbereitungen für die Rettungsaktion ums Leben kam. Der Ex-Militär wurde posthum vom König um sieben Ränge nach oben befördert. So etwas gab es in der jüngeren Geschichte des Landes noch nie.

Auch die Kinder weinten, als sie – mit mehr als einer Woche Verspätung – von seinem Tod erfuhren. Mit einem Porträt in Goldrahmen erinnerten sie auch am Mittwoch an der Medienkonferenz an ihn.

(Video: Tamedia/SDA)

«Zu viel Aufmerksamkeit erhöht den Stress»

Trotz des munteren Auftritts wird es aber noch eine ganze Weile dauern, bis die Kicker die Extremsituation aus der Höhle verkraftet haben. Zudem müssen sie lernen, mit ihrer vorübergehenden weltweiten Prominenz umzugehen.

«Zu viel Aufmerksamkeit erhöht den Druck und Stress jetzt nur», sagt der Kinderpsychologe Benjaporn Tuntasood. Die Hoffnung ruht darauf, dass die Kinder mit ihrer gesunden Team-Erfahrung das besser bewältigen als andere.

Sich den Kopf rasieren als «Reinigung»

Es gibt auch schon Pläne: Die Rede ist davon, dass sich die Jungen alle gemeinsam den Kopf scheren lassen und eine Zeit lang in ein buddhistisches Kloster gehen. Für Leute, die ein Unglück hinter sich haben, ist es in Thailand durchaus üblich, sich auf diese Weise zu «reinigen».

Der Grossvater eines Jungen, Seewad Sompiangjai, meint dazu: «Das ist, als ob sie (in der Höhle) gestorben wären – und jetzt wieder geboren. Das ist zu ihrem eigenen Schutz.»

(chk/sda)