So gross wie der Vatikan

02. Januar 2012 17:20; Akt: 02.01.2012 17:21 Print

Die grössten Botschaften der Welt

von Kian Ramezani - Die Truppen sind weg, die Mega-Embassy bleibt: Amerika beschäftigt weiterhin 15 000 Menschen in Bagdad. Auch anderswo muten die US-Vertretungen wie Stützpunkte an.

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Die im Januar 2009 eröffnete, 700 Millionen Dollar teure Botschaft umfasst 21 Gebäude auf 42 Hektaren, was etwa der Fläche des Vatikans entspricht, und beschäftigt Leute. Sie gilt als die grösste der Welt. Ähnliche Dimensionen soll die US-Vertretung in Afghanistan dereinst aufweisen. Bis 2014 - pünktlich zum Abzug - wird der Komplex für 500 Millionen Dollar erweitert. Die US-Botschaft im benachbarten Pakistan liegt auf einem 6 Hektaren umfassenden Gelände. Ausser dieser Luftaufnahme existieren kaum Fotos. Bevor der Irak und Afghanistan in den Fokus gerieten, galt die US-Botschaft in Bogota (mit 7 Hektaren) als eine der grössten. Die 2008 eingeweihte, 434 Millionen Dollar teure US-Botschaft in Peking umfasst mehrere Gebäude auf einem Gelände von 4 Hektaren. Hier arbeiten knapp 1000 Personen. Die US-Botschaft in Moskau hat eine bewegte Geschichte. Als sie in den 1970er Jahren vergrössert werden sollte, bestand die Sowjetunion auf einheimischen Baumaterialien und Arbeitern. 1985 entdeckten die Amerikaner, dass ihr Neubau komplett verwanzt worden war, worauf sie die Arbeiten einstellten. Erst 1997 ging es weiter, 2000 konnten die neuen Räumlichkeiten auf rund 6 Hektaren bezogen werden. Die US-Botschaft in Thailand gilt ebenfalls als eine der grössten der Welt und fungiert als Hub für Südostasien. Die US-Botschaft in Kairo in ihrer heutigen Form wurde 1982 erbaut. Vorausgegangen war ein mehrjähriger Unterbruch der diplomatischen Beziehungen aufgrund des Sechstagekriegs 1967. Die US-Botschaft am Grosvenor Square in London datiert aus dem Jahr 1960... ...und soll bis 2017 einem futuristischen Neubau im Stadtteil Wandsworth weichen. Kostenpunkt rund 1 Milliarde Dollar inklusive eigener Strom- und Wasserversorgung. Russland ist zwar keine Supermacht mehr, aber einige seiner Vertretungen atmen noch den Geist vergangener Sowjetzeiten. Zum Beispiel seine Botschaft in Washington D.C. auf einem 5 Hektaren grossen Gelände. Vor der Eröffnung der neuen US-Botschaft in Bagdad galt die russiche Vertretung in Peking flächenmässig mit 16 Hektaren als die grösste der Welt. In diesem stalinistischen Obelisk (links) war einst die sowjetische Botschaft in Havanna untergebracht. Seit 1991 muss Russland damit vorlieb nehmen. Die Schweiz bäckt im Vergleich kleinere Brötchen. Gemessen an der Anzahl dort beschäftigter Schweizer sind die Botschaften in Washington... ...Moskau... ...und Brüssel (EU-Mission) mit je 24 Schweizer Mitarbeitern die grössten. In Peking und Paris arbeiten je 21, am UNO-Sitz in New York und in Bangkok je 17, in New Delhi 16 sowie in Berlin und London je 14.

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Nach dem Abzug der letzten verbliebenen Truppen am 18. Dezember bleibt den Amerikanern nur noch ihre Botschaft in Bagdad. Diese hat es allerdings in sich: Ihr Gelände ist beinahe so gross wie der Vatikan, und sie beschäftigt 15 000 Leute. Dass sich die USA quasi durch die Hintertür einen «Stützpunkt» bewahrt haben, stösst im Irak auf wenig Verständnis. Es sei «unlogisch», so viel Personal in der US-Botschaft zu behalten, kritisierte Parlamentspräsident Osama al-Nujaifi. US-Diplomaten versuchten mit dem Hinweis zu beschwichtigen, dass sie in anderen Hauptstädten ähnlich viel Personal beschäftigten.

Tatsächlich gilt die Botschaft in Bagdad als die grösste der Welt, doch auch anderswo rühren die Amerikaner mit der grossen Kelle an (siehe Bildstrecke oben). Die Ausmasse ihrer Vertretungen in Kabul und Islamabad zeugen von der Bedeutung, welche diese Länder im Antiterrorkrieg einnehmen. In Moskau und Peking stehen politische und wirtschafliche Überlegungen im Vordergrund. Vor der Eröffnung der neuen Botschaft in Bagdad galt jene in Bogotá als die grösste US-Vertretung der Welt. Kolumbien ist der wichtigste Verbündete der USA in Südamerika, unter anderem im Drogenkrieg. Bangkok, Kairo und London fungieren als Hubs in Südostasien, dem Nahen Osten und Europa.

Russland erbt sowjetische Bunker

Dass grosse Botschaften mit der Bedeutung des Gastlandes korrelieren, gilt auch für andere Staaten. Russland ist zwar keine Supermacht mehr, doch in vielen Fällen benutzt es dieselben Räumlichkeiten wie die Sowjetunion bis 1991. Flächenmässig galt die sowjetische (und heute russische) Botschaft in Peking lange als die grösste der Welt und jene in Washington als eine der grössten der Stadt. Die markante Botschaft in Havanna zeugt vom Geist des Kalten Krieges, ist aber nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hoffnungslos überdimensioniert.

Vergleichsweise bescheiden nehmen sich die Schweizer Vertretungen im Ausland aus. Die Top 10 nach Anzahl Angestellter (mit Schweizer Pass):

1. Moskau (24)
2. Washington: (24)
3. Brüssel EU Mission: (24)
4. Peking (21)
5. Paris (21)
6. New York UNO (17)
7. Bangkok (17)
8. New Delhi (16)
9. Berlin (14)
10. London (14)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rolf Beutler am 02.01.2012 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Ausländische Botchaften in der Schweiz..

    Es freut mich ausserordentlich, wenn die Schweiz nicht mit der grossen Kelle anrührt und die Reihenfolge ist für mich ausser bei Berlin nachvollziehbar - Deutschland hätte ich einen höheren Stellenwert gegeben. Gibt es auch eine solche Liste für die ausländischen Botschaften in der Schweiz ? - Wäre sicher interessant.

  • Christian G. am 04.01.2012 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Oberflächlich

    Und wie sieht es unterirdisch aus, wahrscheinlich nochmals die hälfte grösser

  • Red Schwarz am 03.01.2012 00:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grösse mit Augenmass

    die Grösse der Botschaft hängt halt auch mit der Anzahl zu verschickenden Fotokopien zusammen. In Indien läuft kein Papier vom Tisch das nicht mind. 50 mal koppiert geworden ist. Dem muss man auch Rechnung tragen. Und wer will schon 5 Jahre ununterbrochen am Kopierer stehen. Du vielleicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pius am 04.01.2012 19:53 Report Diesen Beitrag melden

    USA und Security

    Bestimmt sind drei Viertel der Angestellten Security Leute. Die leben noch heute auf Pump.

  • Christian G. am 04.01.2012 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Oberflächlich

    Und wie sieht es unterirdisch aus, wahrscheinlich nochmals die hälfte grösser

  • D.Menzi am 03.01.2012 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn Wunderts ?

    Ich habe kein Fragen mehr warum Amerika Pleite ist. Ein Botschafter ein Sekretär müsste doch eigentlich reichen pro Land ! Das währe mal Sparpotential !

  • Souffleur am 03.01.2012 05:57 Report Diesen Beitrag melden

    Change we believe in

    Na ist doch ein toller Abzug aus dem IRak den Obama da vollzieht nicht?

  • Red Schwarz am 03.01.2012 00:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grösse mit Augenmass

    die Grösse der Botschaft hängt halt auch mit der Anzahl zu verschickenden Fotokopien zusammen. In Indien läuft kein Papier vom Tisch das nicht mind. 50 mal koppiert geworden ist. Dem muss man auch Rechnung tragen. Und wer will schon 5 Jahre ununterbrochen am Kopierer stehen. Du vielleicht.

    • craig am 03.01.2012 12:11 Report Diesen Beitrag melden

      leider nicht korrekt auch wenn ich weiss

      was du damit meinst. nein die amerikaner haben so grosse botschaften weil dort militärische geheimdienste iengerichtet sind, cia natürlich die ist sowieso in jeder Botschaft vorhanden. ist ja das beste oder? agent als diplomanten getarnt hammer. ja und sonst müssen die amis ihre botschaften gut bewachen, darum müsen gebäude für die marines vorhanden sein etc

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