Urteil im Schubert-Prozess

30. September 2011 09:53; Akt: 30.09.2011 11:07 Print

Die junge Witwe erbt alles

Im Streit um das Erbe des früheren Brauereibesitzers Bruno Schubert ist ein Urteil gefallen: Die 28-jährige Meharit bekommt alleine die Millionen des Mannes, den sie bis zum Tod pflegte.

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Bruno Schubert (links) bezeichnete seine zweite Ehefrau Meharit als Alleinerbe, sofern sie ihn bis zu seinem Tod pflegte. Sein unehelicher Sohn (rechts) legte Klage ein. (Bilder: Keystone)

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Monatelang kämpfte die junge Witwe Meharit Schubert um ihr Recht: Die 28-Jährige war als Alleinerbin im Testament ihres verstorbenen Ehemannes bestimmt worden. Doch ein unehelicher Sohn des Verstorbenen und seine Stiftung wollten dies nicht akzeptieren. Am Donnerstag entschied ein Frankfurter Gericht, dass Meharit den Nachlass des 90-Jährigen alleine erhalten soll.

Der Entscheidung zufolge hat die junge Belgierin mit äthiopischen Wurzeln die Bedingung des Erblassers erfüllt: Schubert hatte seine zweite Ehefrau als Alleinerbin eingesetzt, sofern sie ihn bis zu seinem Tod pflegen würde. Als Beweis lieferte die Frau ein Video, das sie am Sterbebett zeigt.

Meharit soll alles alleine erben

Schubert hatte nach dem Tod seiner ersten Ehefrau 2009 noch einmal geheiratet und starb am 17. Oktober 2010 nach langer Krankheit. Bereits im Jahr 2002 hatte er mit seiner ersten Ehefrau einen notariell beurkundeten Erbvertrag geschlossen, in dem die Schubert-Stiftung als Alleinerbin eingesetzt war. Nach dem Tod seiner ersten Frau focht Schubert in einem Testament den mit ihr geschlossenen Erbvertrag aber an und setzte Meharit als Alleinerbin ein.

Der uneheliche Sohn Schuberts klagte dennoch auf Wiederherstellung des Erbvertrags zugunsten der Stiftung. Zugleich äusserte er Zweifel, ob sein Vater nicht wegen Vernachlässigung gestorben sei. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft leitete daraufhin ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren ein, um die Todesursache Schuberts zweifelsfrei zu klären.

Todesermittlungsverfahren und Erbstreitverfahren trennen

Das Gericht lehnte jedoch eine Aussetzung des Erbstreitverfahrens in Hinblick auf diese Ermittlungen ab. Das Verfahren richte sich gegen Unbekannt, begründete es den Entscheid, und die in den Raum gestellte Straftat sei reine Spekulation.

Wie viel von dem Millionenerbe noch übrig bleibt, ist unklar. Die «Bild»-Zeitung vermutet, abzüglich aller noch offenen Rechnungen seien es etwas mehr als elf Millionen Euro, doch könnte das Finanzamt wegen zu wenig gezahlter Steuern Schuberts möglicherweise noch höhere Nachforderungen stellen. Das Landgericht Frankfurt erklärte dazu nur: «Fragen des Umfangs des Erbes waren nicht Gegenstand des Rechtsstreits.»

(kle)