Texas

08. Juni 2011 09:30; Akt: 08.06.2011 11:09 Print

Die schrägste Polizeiaktion aller Zeiten

Am Dienstagabend berichteten US-Nachrichtensender über den Fund von 30 zerstückelten Kinderleichen auf einer abgelegenen Farm bei Texas. Gefunden hat die Polizei schliesslich nichts.

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Auf Luftaufnahmen waren 15 Fahrzeuge zu sehen, die an einer Kreuzung zweier Landstrassen in der Nähe eines Farmhauses in einem dichten Waldgebiet parkten. (Bild: (AP/KPRC-TV)

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Die Polizei im US-Staat Texas ist am Dienstag gegen 18.30 Uhr mit 15 Fahrzeugen ausgerückt. Sie folgten einem Hinweis, wonach auf einem Grundstück «mindestens 20 Leichen» vergraben sein sollten. Die Opfer seien Kinder, behauptete die anonyme Quelle. Die Behörden beantragten einen Durchsuchungsbefehl für ein ländliches Anwesen 110 Kilometer nordöstlich von Houston und boten die Bundespolizei FBI als Unterstützung für den Fall auf.

Doch trotz grossräumiger Aktion waren bis am späten Abend keine Leichen oder Hinweise auf Morde gefunden worden, teilte das Büro des Sheriffs von Liberty County mit. Eine Person, die sich selbst als Medium bezeichnete, hatte zuvor bei zwei Anrufen im Büro des Sheriffs erklärt, in einem Haus befänden sich «zahlreiche zerstückelte Tote.» Man habe die Hinweise ernst genommen, sagte Sprecher Rex Evans, da der Anrufer detaillierte Angaben über die Einrichtung des Hauses machte.

Zwei Tipps – beide falsch

Wie sich später herausstellte, hatten die Ermittlungen bereits am Montag begonnen. Eine Frau habe bei einem ersten Anruf auf ein angebliches Drama in einem Farmhaus an einer Kreuzung zweier Landstrassen in einem dichten Waldgebiet hingewiesen. Eine rasche Suche am Abend nach dem ersten Anruf sei ergebnislos verlaufen.

Die Anruferin meldete sich jedoch am Dienstagmorgen erneut und erklärte, die Ermittler hätten im falschen Haus gesucht. Weil das Medium «so präzise Angaben» machen konnte, vertrauten die Behörden ihr – fälschlicherweise - ein zweites Mal.

Eine schrecklich nette Familie

Die Geschichte wurde dann noch eine Spur schräger: Als die Ermittler das zweite Haus durchsuchten, entdeckten sie Blutspuren an der Hintertür und nahmen einen strengen Geruch aus dem Gebäude wahr. In dem Haus wohne seit drei Jahren das Ehepaar Bankston, beide Lastwagenfahrer, die zurzeit unterwegs seien, sagte Richter Craig McNair vor versammelten Medien.

Bankston wurde telefonisch über die Polizeiaktion informiert. Die Blutspuren würden vom Ex-Freund seiner Tochter stammen, der - stark betrunken - am vergangenen Wochenende einen Selbstmordversuch unternommen habe, erklärte der Hausbesitzer. Der junge ehemalige Soldat habe sich die Venen aufgeschlitzt, so Joe Bankston. Er habe versucht das viele Blut so gut wie möglich wieder aufzuwischen, aber das an der Tür sei ihm offenbar entgangen. Der Ex-Freund der Tochter befinde seit dem Vorfall in einer psychiatrischen Klinik.

Sein Sohn sei ein «verurteilter Sexualstraftäter», erzählte dann Ehefrau Gena Bankston gegenüber der «Houston Chronicle». Doch von ihm habe sie seit einem Jahr nichts mehr gehört. Allgemein zu den Geschehnissen in ihrem Haus sagte sie: «Das ist die absurdeste Sache, die mir je passiert ist. Man hört immer wieder von Leichen, die in Gärten verscharrt werden. Aber das passiert immer anderen Leuten.» Am Schluss betont Ehemann Joe seine Unschuld: «Ich habe niemand umgebracht. Und ich habe viele Freunde, aber ich habe keinem geholfen, Leichen in meinem Garten zu vergraben.»

(Video: YouTube/newsntn24)

(kle)