Ein Lied aus dem Dschungel

05. November 2010 17:23; Akt: 05.11.2010 17:23 Print

Die singende Guerilla-Kämpferin

2002 schloss sich die Niederländerin Tanja Nijmeijer der kolumbianischen Guerilla-Organisation FARC an. Jetzt schickte sie ihren verzweifelten Eltern ein Lied.

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Seit acht Jahren vermissen die Eltern der heute 32-jährigen Tanja Nijmeijer ihre Tochter. Die Niederländerin war 1998 für ein Studienjahr nach Kolumbien gegangen und hatte sich 2002 — unter dem Eindruck der krassen sozialen Ungerechtigkeit in dem südamerikanischen Land — der Guerilla-Organisation FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia–Ejército del Pueblo) angeschlossen.

International bekannt wurde Nijmeijer im August 2007, als die kolumbianische Armee ein Lager der FARC angriff und dabei ihr Tagebuch erbeutete, in dem sie ihre Vorgesetzten kritisiert. Nijmeijer überlebte den Angriff, doch ihre Eltern fürchteten, die FARC werde sie für die kritischen Äusserungen in ihrem Tagebuch hart bestrafen — die Guerilla-Organisation pflegt in solchen Fällen nicht lange zu fackeln und stellt Dissidenten vor ein Erschiessungspeloton.

«Kämpferin bis zum Sieg oder Tod»

Möglicherweise hat ihr Status als Ausländerin Nijmeijer geschützt. Jedenfalls war sie im August dieses Jahres noch am Leben; in einer Video-Aufnahme bekannte sie sich zum bewaffneten Kampf der FARC und erklärte: «Ich bin Kämpferin der kolumbianischen revolutionären Streitkräfte, und das werde ich bleiben bis zum Sieg oder bis zum Tod.»

Kurz darauf, am 22. September 2010, fiel ihr Kommandant Mono Jojoy zusammen mit 20 Guerilleros bei einem Gefecht mit kolumbianischen Regierungstruppen. Zuerst wurde befürchtet, Nijmeijer sei ebenfalls ums Leben gekommen, doch bei der gerichtsmedizinischen Untersuchung zeigte sich, dass sie sich nicht unter den Leichen befand.

«Don't Cry For Me Argentina»

Diese Woche hat nun der niederländische Radiosender «Radio Nederland Wereldomroep» eine persönliche Botschaft von Nijmeijer an ihre Eltern ausgestrahlt. Die Guerillera sagt zuerst auf Spanisch und Niederländisch: «Dieses Lied will ich extra meinem Vater und meiner Mutter widmen.» Dann singt sie, begleitet von einer Gitarre, «Don't Cry For Me Argentina».

Ihr Vater hatte dem Wereldomroep vor der Ausstrahlung die Erlaubnis erteilt, das Material zu veröffentlichen. Er wollte aber keine Stellung zum Lebenszeichen seiner Tochter nehmen.

(dhr)