11. Februar 2008 10:24; Akt: 11.02.2008 11:04 Print

Die spektakulärsten Kunstdiebstähle

Kunstraub zählt nach Angaben von Interpol neben Drogen- und Menschenhandel zu den einträglichsten kriminellen Delikten. Eine Schätzung des FBI beziffert den jährlichen Schaden auf rund 9 Milliarden Franken. Immer wieder kommt es dabei zu spektakulären Diebstählen aus Museen und Kunstsammlungen. Einige der berühmtesten Fälle:

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1911: Der wohl berühmteste Kunstraub geht auf das Konto eines kleinen Gelegenheitsdiebs. Am 21. August stiehlt der italienischen Anstreicher Vincenzo Peruggia die «Mona Lisa» von Leonardo da Vinci aus dem Pariser Louvre, um sie «heim nach Italien» zu bringen. Zwei Jahre versteckt er das Bild in seiner Wohnung in Florenz. Er wird beim Versuch verhaftet, es einem Kunsthändler zu verkaufen, und zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt.

1989: Zwei Rollstuhlfahrer besichtigen Schloss Charlottenburg in Berlin. Plötzlich stehen sie auf, überwältigen die Wärter und rauben zwei Bilder von Carl Spitzweg, darunter «Der arme Poet». Seither fehlt von dem berühmten Werk jede Spur. Gestohlen wurde es vermutlich im Auftrag eines Sammlers.

1990: Als Polizisten verkleidete Diebe dringen in das «Isabella Stewart Gardner»-Museum in Boston ein und stehlen Bilder im Wert von 350 Millionen Franken von Rembrandt, Degas und Manet sowie einen der wenigen erhaltenen Vermeers. Sie sind bis heute verschollen.

1991: Einer der «lukrativsten» Diebstähle findet in Amsterdam statt. Bewaffnete Räuber dringen nachts in das Van Gogh Museum ein, setzen die Alarmanlage ausser Betrieb und stehlen in nur 45 Minuten 20 Bilder des holländischen Meisters im Wert von rund 700 Millionen Franken. Doch so spektakulär der Raub, so dilettantisch das Ende. Die Diebe haben auf der Flucht eine Reifenpanne und lassen das Auto mit den Bildern einfach stehen.

1994: Die Zürcher Galerie von Max Bollag ist wiederholt Ziel von Einbrechern. Im spektakulärsten Fall werden acht Picasso-Bilder im Wert von rund 50 Millionen Franken entwendet. Sieben Bilder tauchen 1999 wieder auf.

1994: Beim grössten Kunstraub der deutschen Nachkriegsgeschichte werden zwei Gemälde von William Turner und eines von Caspar David Friedrich aus der Kunsthalle Schirn in Frankfurt/Main geraubt. Anscheinend stand eine jugoslawische Mafia hinter dem Coup. Jahre später tauchten die Bilder nach Zahlung von Lösegeld wieder auf.

2000: Aus dem Schwedischen Nationalmuseum in Stockholm werden zwei Bilder von Renoir und eines von Rembrandt gestohlen. Die mit Maschinenpistolen bewaffneten Männer flüchten nach James-Bond-Manier mit einem Schnellboot. Fünf Jahre später werden die Gemälde bei einem Verkaufsversuch sichergestellt.

2001: In Luzern wird der Elsässer Stephane Breitwieser verhaftet. Es stellt sich heraus, dass er in mehreren europäischen Staaten 239 Werke von zum Teil unschätzbaren Wert geklaut hatte – nicht um sie zu verkaufen, sondern aus Freude am Sammeln. Nach der Verhaftung zerstört Breitwiesers Mutter einen beträchtlichen Teil der gestohlenen Werke.

2001: Aus der Madrider Villa von Esther Koplowitz, der reichsten Frau Spaniens, werden 20 Gemälde im Wert von über 400 Millionen Franken gestohlen, darunter Werke von Goya, Bruegel und Pissarro. Die Diebe wollen Lösegeld erpressen, werden jedoch ein Jahr nach der Tat verhaftet.

2002: Erneut ist das Van Gogh Museum in Amsterdam das Ziel von Kunstdieben. Die beiden geraubten Bilder sind bis heute verschwunden.

2003: Aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien wird die «Saliera» von Benvenuto Cellini gestohlen. Der Raub des «teuersten Salzstreuers der Welt» (Wert rund 80 Millionen Franken) gelang, weil die Wärter beim Ertönen der Alarmanlage von einem Fehlalarm ausgingen. Drei Jahre später wird das Kunstwerk in einer Kiste in einem Wald gefunden.

2003: Als Touristen verkleidete Diebe entwenden aus dem schottischen Schloss Drumlanrig das Gemälde «Die Madonna mit der Spindel» von Leonardo da Vinci, das einen Wert von rund 100 Millionen Franken hat. Im Oktober 2007 wird es bei einer Razzia in Glasgow gefunden.

2004: Während der regulären Öffnungszeiten dringen zwei bewaffnete Männer in das Munch-Museum in Oslo ein und rauben die beiden Bilder «Der Schrei» und «Madonna». Die Diebe werden bald gefasst, bis die Gemälde wieder auftauchen, dauert es zwei Jahre. Eine andere Version von Munchs berühmtem «Schrei» war bereits zehn Jahre zuvor aus dem Nationalmuseum in Oslo gestohlen und drei Monate später wieder gefunden worden.

2006: Mitten im Karnevalstrubel stürmen mindesten vier mit Maschinengewehren und Handgranaten bewaffnete Männer das Chacara do Ceu Museum in Rio de Janeiro. Sie überwältigen die Wachleute und verschwinden mit vier Bildern von Picasso, Dalí, Monet und Matisse im Wert von rund 60 Millionen Franken. Der Matisse wird kurz darauf im Internet zum Kauf angeboten, doch das Bild ist wie auch die anderen bis heute nicht aufgetaucht.

2007: Aus der Pariser Wohnung der Picasso-Enkelin Diana Widmaier-Picasso werden drei Gemälde ihres Grossvaters im Wert von rund 80 Millionen Franken entwendet. Die Polizei verhaftet die Diebe, als sie versuchen, die Bilder zu verkaufen.

2007: Ein weiterer Picasso wird zusammen mit einem Gemälde von Candido Portinari am 20. Dezember aus dem Kunstmuseum in Saõ Paulo gestohlen. Drei Wochen später kann die Polizei die vermutlich im Auftrag eines Privatsammlers geklauten Werke sicherstellen. Der spanische Maler Pablo Picasso ist das beliebteste Ziel von Kunstdieben. Gemäss dem internationalen Art-Loss-Register sind bis zu 600 Picassos als gestohlen gemeldet.

(pbl)