07. April 2005 11:40; Akt: 07.04.2005 11:43 Print

Die vatikanischen Grotten

Die Krypta, in der Papst Johannes Paul II. am Freitag beigesetzt wird, besteht aus mehreren grossen unterirdischen Räumen.

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Hier befinden sich über 20 der insgesamt 164 Papstgräber des Petersdoms in der Nähe des Apostel-Grabes von Petrus.

Petrus wird von der Kirche offiziell als erster Papst betrachtet. Die Peterskirche wurde über der Stelle errichtet, wo sich nach kirchlicher Überlieferung das Petrus-Grab befindet. Dieses bildet die Mitte der Krypta.

Bei Ausgrabungen war in den Vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts eine ganze Gräberstrasse unter dem Petersdom freigelegt worden. Nach Meinung von Archäologen ist es aber noch immer strittig, ob es sich tatsächlich um das Petrus-Grab handelt.

Eine enge Treppe unter der Kuppel des Petersdoms führt in die Grotten herab. Sie werden jährlich von Millionen Gläubigen und Touristen aus aller Welt besucht.

Johannes Paul II. soll voraussichtlich am früheren Platz von Papst Johannes XXIII. beigesetzt werden. Dessen einbalsamierter Leichnam war 2001 aus dem Sarg genommen worden.

Überraschenderweise war er nach 38 Jahren kaum verwest. Heute ist er - wie viele andere Päpste auch - mumifiziert in einem gläsernen Sarg in der über den Grotten liegenden Basilika ausgestellt.

Stichwort: Exequien

Die Exequien, wie sie am Freitag im Petersdom für Papst Johannes Paul zelebriert werden, sind Teil der Bestattungsordnung in der römisch-katholischen Kirche, wie sie im «Rituale Romanum» von 1614 festgelegt wurde. Mittelpunkt der Exequien ist das Requiem als feierliches Totenamt.

Die Ordnung der Exequien sieht vor, dass der Leichnam zunächst in einer feierlichen Prozession unter Psalmengesang (meist die Psalmen 51 und 130) und Gebeten zum Ort der Messe gebracht wird. Engel und Heilige werden angefleht, die Seele in den Himmel zu geleiten. Im zweiten Teil wird das im frühen Mittelalter entstandene «Totenoffizium» verrichtet - dies ist ein besonderes Stundengebet für den Verstorbenen. Danach beginnt das Totenamt, also die Requiem-Messe. Anschliessend kann eine Leichenrede gehalten werden, in der die Verdienste des Verstorbenen genannt werden. Es folgt die «Absolutio» mit der Freigabe des Leichnams zur Bestattung in «geweihter Erde». Abgeschlossen werden die Exequien mit der Beisetzung. Dazu gehört der altkirchliche Gesang «In paradisum».

Die Exequien sind auch ein Begriff der Musikgeschichte für eine besondere Form der Begräbnismusik. Am bekanntesten sind die musikalischen Exequien von Heinrich Schütz.

(sda)