Skandal in den USA

10. Februar 2011 12:09; Akt: 10.02.2011 15:12 Print

Dieser Abgeordnete ist keine «Kröte»

von Karin Leuthold - Der republikanische Abgeordnete Chris Lee stellte Bilder seines nackten Oberkörpers ins Web. Jetzt ist der Politiker, der immer wieder Teenager vor den Gefahren des Internets gewarnt hatte, seinen Posten los.

storybild

Christopher John Lee - links, wie er sich seinen Wählern präsentiert, und rechts, wie er sich partnersuchenden Frauen auf Datingportalen präsentierte. (Bilder: AP)

Fehler gesehen?

Drei Stunden – nur so lange brauchte es, bis Chris Lee seine Demission einreichte, nachdem Bilder von ihm mit nacktem Oberkörper auf dem US-Blog «Gawker» veröffentlicht worden waren. Die Bilder hatte der verheiratete Lee an eine Frau auf dem Kontaktportal «craiglist» geschickt. Dabei posierte der republikanische Abgeordnete für den US-Bundesstaat New York in Machopose vor einem Spiegel und fotografierte sich selber.

Lee lud am 14. Januar ein erstes Bild von sich selbst unter der Rubrik «Frauen suchen Männer» aufs Portal. Er antwortete damit auf die provokative Frage einer 34-jährigen Singlefrau auf der Suche nach Liebe: «Kann mir jemand beweisen, dass nicht alle CL-Männer wie Kröten aussehen?» Lee gab dabei seine echte Mailadresse an. Ansonsten nahm er es mit der Wahrheit nicht so genau: «Ich bin ein 39-jähriger geschiedener Lobbyist», behauptete der 46-jährige verheiratete Vater eines Sohnes.

Der Hacker als erste Ausrede

Lees Blogpartnerin meldete sich zurück. Sie habe gemocht, was sie gesehen habe, schrieb sie. Daraufhin erhielt sie ein neues Foto – diesmal in einer weniger familienfreundlichen Version. Nun begann ein heisser Flirt via E-Mail. Aber nach wenigen Tagen brach die Frau den Kontakt wieder ab, nachdem sie den Namen ihres Brieffreundes im Internet suchte – und sich herausstellte, dass Lee sie angelogen hatte. Darauf schickte sie den gesamten Mailaustausch samt den Bildern an die Redaktion von «Gawker» - die dann am Mittwoch genüsslich eine Aufmacherstory daraus bastelte.

Als Lee davon erfuhr, sagte er zunächst, sein Mailkonto sei gehackt worden. Er habe nie Bilder von sich selbst verschickt. Doch bei genauerer Prüfung stellt sich dies als lächerliche Ausrede heraus. Der Hacker – wenn es ihn denn gibt – hätte zudem das Handy hacken müssen, von dem aus er die Bilder postete.

In drei Stunden war alles entschieden

Am Mittwochabend – drei Stunden, nachdem «Gawker» ihn erstmals zur Affäre kontaktierte – gab Lee seinen Rücktritt bekannt. Er bereue den «Schaden, den ich meiner Familie zugefügt habe», schrieb er in einem Communiqué. Er arbeite nun hart daran, dass sie ihm verzeihe. Kurz zuvor hatte sein Assistent Lees Facebook-Konto gelöscht.

Besonders pikant ist Lees Fehltritt auch deshalb, weil sich der Abgeordnete für «die Aufklärung der Gefahren des Internets» einsetzte. Im Jahr 2009 plädierte er sogar für ein Gesetz, das Schulen die nötigen Mittel verschaffen sollte, um die Schüler «vor Internetkriminellen zu schützen und Eltern in den Aufklärungsprozess zu involvieren».

In den Leserkommentaren von «Gawker» macht man sich nun über Lees Erfahrung in Sachen Internet lustig: «Ratet mal, wer obszöne Bilder von sich verschickt – und dabei seinen echten Namen und seine echte E-Mail-Adresse angibt.»