04. April 2005 14:16; Akt: 04.04.2005 14:21 Print

Doppelmord im Sexmilieu: Lebenslänglich

«Die abscheuliche und sinnlose Tat erinnert an Bilder der Judenvernichtung im 3. Reich», sagte Gerichtspräsident Peter Reusser an der 4-stündigen mündlichen Urteilsbegründung.

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Im Prozess um den Doppelmord vom Mai 2002 im Berner Sexmilieu sind die Urteile gefallen: Der Hauptangeklagte, ein nicht geständiger 36-jähriger Vietnamese, wurde vom Gericht am Montag zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe verurteilt. Der 52- jährige Salonbetreiber war mit neun Schüssen, seine 21-jährige Ehefrau mit zehn Schüssen «regelrecht exekutiert» worden.

Der Gewaltexzess des Haupttäters, der mit seinem «aggressiven Befreiungsschlag die Situation, die ihm zu entgleiten drohte, wieder in den Griff bekommen wollte», stehe in Widerspruch zur diletantisch geplanten Tat. Reusser verglich das Planungsszenario der vier Hauptangeklagten mit einem billigen Gangsterfilm.

Das Kreisgericht Bern-Laupen folgte mit dem Urteil «lebenslänglich» für den Hauptangeklagte am Montag dem Antrag des Staatsanwalts. Zu einem anderen Schluss kam das Gericht bezüglich der drei Mittäter. In der oberflächlichen Planung sei nie die Rede davon gewesen, jemanden zu töten.

Die drei Mittäter sprach das Kreisgericht entgegen dem Antrag der Staatsanwaltschaft deshalb vom Vorwurf des Mordes frei. Hingegen müssen die beiden 28 beziehungsweise 29 Jahre alten vietnamesischen Angeklagten wegen besonders gefährlichen Raubes je 4,5 Jahre ins Zuchthaus.

Für den 24-jährige Schweizer Mittäter, der bei der Planung des Delikts nicht dabei war, erachtete das Gericht die Voraussetzungen für das Verbleiben in der Arbeitserziehungsanstalt als erfüllt. Er wurde des Raubes schuldig erklärt.

Mitgeholfen

Den 26-jährige Metallbauschlosser, der zum Knacken des Safes beigezogen wurde, verurteilte das Gericht wegen Diebstahls und Veruntreuung mit einer Strafe von 14 Monaten Gefängnis bedingt.

Das heute geschiedene Paar, das dem Haupttäter den Tipp gab, «wo viel Geld zu holen wäre», eine Skizze des Salons anfertigte sowie Informationen über die Betriebsabläufe weitergab, wurde wegen Anstiftung zu einfachem Raub zu je 14 Monaten Gefängnis bedingt verurteilt.

Der Privatklägerschaft sprach das Gericht Genugtuungs- und Schadenersatzsummen von rund 50 000 Franken zu. Die Tochter des Ermordeten erhält rund 20 000 Franken, die Eltern der getöteten Frau rund 30 000 Franken.

Die vier Hauptangeklagten waren im Mai 2002 in den Sex-Salon in der Berner Innenstadt eingedrungen und wollten das Betreiber- Ehepaar zwingen, den Tresor zu öffnen, in dem sie einen 6-stelligen Geldbetrag sowie Schmuck vermuteten. Der Mann wurde sogleich erschossen, die Frau als unliebsame Zeugin vier Stunden später.

Als sich der Schlüssel zum Tresor nicht finden liess, rissen die Männer den 35 Kilogramm schweren Tresor aus der Wand und nahmen ihn mit. Der Schmuck wurde später teilweise gefunden, vom Geld fehlt bis heute jede Spur.

(sda)