Namensänderung

22. April 2014 17:36; Akt: 23.04.2014 11:20 Print

Dorf soll nicht mehr «Töte Juden» heissen

Ein Dorf im Norden Spaniens soll einen Namensteil loswerden. Per Referendum wird nun abgestimmt, ob Castrillo Matajudios seinen Namen behält oder ihn ändert.

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(Bild: Google Streetview)

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Zweitnamen können manchmal zu Missverständnissen führen oder gar peinlich sein – erst recht, wenn dieser Namensteil judenfeindlich ist. Das kleine spanische Dorf Castrillo Matajudios könnte deshalb bald anders heissen. Im kommenden Monat werde per Referendum über eine mögliche Namensänderung entschieden, sagte Bürgermeister Lorenzo Rodríguez Pérez am Dienstag. Der Grund: «Matajudios» bedeutet übersetzt «Töte Juden».

Juden leben laut Rodríguez Pérez keine in dem Dorf. Viele Einwohner hätten aber jüdische Vorfahren. Das Ortsschild der Gemeinde zeige auch den Davidstern, sagte Rodríguez Pérez. Die 56 stimmberechtigten Dorfbewohner dürfen nun am 25. Mai entscheiden, ob der Name behalten oder in eine alte, weniger feindselige Schreibweise geändert wird.

«Es gibt immer wieder die Geschichten von Menschen von hier, die nach Israel fahren mit ihrem Reisepass, auf dem ‹Matajudios› steht. Sie wünschen sich dann, ihn nicht vorzeigen zu müssen», sagte Rodríguez Pérez. Manche würden Aussenstehenden nur den Namen «Castrillo» als ihren Heimatort nennen, erklärt er.

Ursprünglich hiess es bloss «Judenhügel»

Historische Studien zeigen, dass der Originalname des Dorfes Castrillo Motajudios war. Der Zweitname bedeutet in diesem Fall «Judenhügel» und geht zurück auf das Jahr 1035, in dem 66 Juden in einem benachbarten Dorf getötet wurden und sich Vertriebene auf diesen Hügel retteten.

Der erste Nachweis des geänderten Namens stammt aus dem Jahr 1627 – 135 Jahre nach einem Edikt der spanischen Krone, das Juden zum Verlassen des Landes oder zum Konvertieren zum Katholizismus aufforderte. Andernfalls sollten sie während der spanischen Inquisition auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden.

Obwohl Juden in der Region getötet wurden, glauben Forscher laut Rodríguez Pérez, die Stadt habe ihren derzeitigen Namen von jüdischen Einwohnern erhalten, die zum Katholizismus konvertiert seien. Andere glauben, der Name komme einfach von einem schriftlichen Flüchtigkeitsfehler.

(sda)