Tatort Scientology

31. März 2010 17:34; Akt: 31.03.2010 17:41 Print

Dreh unter strengster Geheimhaltung

In geheimer Mission wurde unter dem Decknamen «Tatort» ein Film über Scientology gedreht. Die «Initialzündung» für das Projekt liegt hingegen einem sehr offiziellen Ereignis zugrunde.

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Die letzte Klappe besiegelte nicht nur das Ende der Dreharbeiten für einen ganz besonderen Film: Für die Schauspieler, die an der «Tatort»-Produktion «Der Tote im Sund» mitwirkten, verbaute sie vermutlich die ohnehin geringe Chance, einmal in einem grossen Hollywood-Streifen mitzuspielen. Denn in der kalifornische Traumfabrik sitzen sie fest im Sattel – die Scientologen. Und genau um diese Organisation dreht sich das Projekt, das in Wahrheit einen ganz anderen Titel trägt: «Bis nichts mehr bleibt». Eine fiktive Geschichte mit realen Bezügen zu echten Schicksalen, Menschen die das Glück suchten und durch Scientology das Unglück fanden.

Höchste Sicherheitsstufe

Wie «welt.de» berichtete, kostete der Streifen umgerechnet rund 3,5 Millionen Schweizer Franken. Ein stolzer Preis, an dem auch die Sicherheitsvorkehrungen und Massnahmen zur Geheimhaltung, sowohl bei den Dreharbeiten, als auch während der Pressevorführung Anteil hat. Zu sehen bekamen den Film während der Medienvisionierung nur wenige auserwählte Journalisten. «Scientology hat permanent versucht, auf unterschiedlichsten Wegen Details über das Projekt zu erfahren. Wir mussten befürchten, dass die Organisation alles tun würde, um mit juristischen Mitteln die Ausstrahlung des Films zu verhindern», verteidigte Carl Bergengruen, Fernsehfilmchef der ARD-Sendeanstalt SWR die Geheimniskrämerei im «Spiegel». Tatsächlich bekam Scientology trotz höchster Geheimhaltungsstufe Wind von den Dreharbeiten: Pünktlich zur Pressevorführung veranstaltete die Organisation eine Gegenveranstaltung. Laut «Tages-Anzeiger» an vorderster Front mit dabei - ein Schweizer: Jürg Stettler, Strategiechef der Sekte.

Während das Spektakel um «Bis nichts mehr bleibt» für Furore sorgt, gerät der Inhalt des Films in den Hintergrund. Das Drama erzählt die Geschichte des jungen Familienvaters Frank. Er gerät in die Fänge der Scientology – Frau und Kind folgen ihm. Während es Frank gelingt, sich aus den bizarren Strukturen der Sekte zu befreien, verliert er seine Familie an die Organisation. Die Erlebnisse des Scientology-Aussteigers Heiner von Rönn bildeten die Vorlage für die TV-Inszenierung, die heute Abend in der ARD ausgestrahlt wird (siehe TV-Tipp).

Von der Bambi-Verleihung zur Idee

Die Idee, einen Fernsehfilm über Scientology zu produzieren, kam Carl Bergengruen, als er die Bambi-Verleihung vor drei Jahren mitverfolgte: Damals wurde der Schauspieler und Scientologe Tom Cruise für seinen «Mut» geehrt. Für Bergengruen die Initialzündung: «Das war der Moment in dem ich wusste, wir müssen diesen Film machen».

(rre)